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Champions-League-Finale : Das Endspiel 2015 steigt offenbar in Berlin

06.12.2012 20:10 Uhrvon und
Noch ein Höhepunkt: Neben dem DFB-Pokalfinale und der Pyronale könnte auch die Königsklasse bald in Berlin ein Endspiel austragen.Bild vergrößern
Noch ein Höhepunkt: Neben dem DFB-Pokalfinale und der Pyronale könnte auch die Königsklasse bald in Berlin ein Endspiel austragen. - Foto: dpa

UpdateDas Warten soll bald ein Ende haben: 15 Jahre nach Herthas letztem Auftritt könnte die Königsklasse mal wieder vorbeischauen, diesmal sogar zum Finale: "Die Chancen für 2015 stehen sehr gut", heißt es aus Senatskreisen.

Feuerwerk unterm Stadiondach, ein Konfettiregen, der die lachenden Gesichter einer Fußballmannschaft umrahmt (und die unterdrückten Tränen der anderen Mannschaft verdeckt). Eine Ehrenrunde, die in alle Welt übertragen wird, ein Tanz auf der blauen Laufbahn mit dem glänzenden Pokal in der Hand. So kann ein Fußballsommer im Berliner Olympiastadion festlich enden: 2015, wenn hier das Finale der Champions League stattfinden soll. Und vielleicht 2020, wenn auch die Fußball-Europameisterschaft hier Station machen sollte.

Am Donnerstag sickerten beide Meldungen in die Sportstadt Berlin, die ihr Glück kaum fassen konnte. So soll die EM 2020 nach dem Willen des europäischen Verbandes Uefa „in mehreren Hauptstädten“ Europas stattfinden und nicht mehr nur in einem oder zwei Ländern wie bisher.

Der Plan geht auf Uefa-Präsident Michel Platini zurück. Berlin gilt auch hier intern als einer der Favoriten – wegen des sanierten Olympiastadions.

Hier wird zuvor wohl fünf Jahre zuvor auch das Finale der Champions League steigen. „Die Chancen für 2015 stehen sehr gut“, hieß es am Donnerstag aus Senatskreisen. Auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Berlins Sportsenator Frank Henkel (CDU) sprachen von vielversprechenden Signalen. Aus der Uefa wurden dem Tagesspiegel entsprechende Vorabsprachen bestätigt. Demnach wird für 2016 das Stadion San Siro in Mailand favorisiert, zuvor soll Berlin nach langem Werben den Zuschlag erhalten. Die laufende Champions-League-Saison wird am 25. Mai kommenden Jahres im Londoner Wembleystadion abgeschlossen, im Jahr darauf ist Lissabon an der Reihe.

Eine offizielle Entscheidung über Berlins Ansinnen will die Uefa erst im März 2013 fällen, in sportpolitischen Kreisen ist man sich aber mittlerweile ob des Zuschlags sicher. Seit 2005 bewirbt sich Berlin jedes Jahr um das Endspiel in Europas höchster Fußballklasse. Nach der vom Bund finanzierten Sanierung für die WM 2006 genügt die Arena höchsten Ansprüchen, hier fanden auch die Leichtathletik-WM 2009 und das Eröffnungsspiel der Frauenfußball-WM 2011 statt. Zwischenzeitlich war Berlin auch als Ersatzspielort für die umstrittene Europameisterschaft in der Ukraine im Gespräch.

Für ein Großereignis wie das Champions-League-Finale müssten im Stadion mit der markanten blauen Laufbahn die Sicherheitszonen und die Pressetribüne erweitert werden. Bei Zweitligaspielen von Hertha gibt es nur 300 Presseplätze, bei internationalen Großereignissen wären mehr als 2000 nötig. Auf dem Maifeld hinterm Stadion sind zudem Zeltstädte für Vips und Sponsoren geplant. „Das sind natürlich alles temporäre Maßnahmen“, sagt Christoph Meyer, Sprecher des Olympiastadions. „Ansonsten sind wir fit fürs Finale.“

Nach dem erneuten Abstieg von Hertha in die Zweite Liga kann das Olympiastadion dringend neue Großereignisse gebrauchen. Die Finanzierung des Stadionfestes Istaf wackelt immer mal wieder, Konzerte finden nur hin und wieder im weiten Rund in Westend statt. Trotz Lärmauflagen sind im kommenden Sommer immerhin drei große Gigs geplant, unter anderem von Depeche Mode. Nationales Highlight im Olympiastadion ist alljährlich das Pokalfinale.

Hertha fällt nach Tagesspiegel-Informationen als Ankermieter des Stadions in dieser Saison aus, zumindest finanziell. Wie schon im letzten Zweitliga-Jahr werden dem Klub die Mietzahlungen zu großen Teilen gestundet. Der Mietvertrag, der noch bis 2017 gilt, verlangt pro Zweitligaspiel eigentlich 150 000 Euro vom Verein (in der Bundesliga wären zwischen 180 000 und 250 000 Euro fällig). Die landeseigene Olympiastadion Berlin GmbH verzichtet aber zunächst auf die Einnahmen, um Herthas Liquidität zu sichern, heißt es aus sportpolitischen Kreisen. Nach dem Wiederaufstieg muss Hertha das faktische Millionendarlehen dann zurückzahlen – so geschehen auch im letzten Bundesligajahr.

Die Jahrespacht, die das Stadion an die Stadt zahlt, schwankt mit den jährlichen Einnahmen und bewegt sich bei etwa einer Million Euro. Nebenher verdient das Olympiastadion noch Geld mit knapp 300 Kongressen und Firmenevents sowie 300 000 Tagestouristen im Jahr.

Zuletzt stattete die Champions League Berlin in der Saison 1999/2000 einen Besuch ab, der durch Herthas Einzug in die Zwischenrunde sogar etwas länger andauerte. Als legendär ist vielen Fans noch das Nebelspiel gegen den FC Barcelona in Erinnerung. Das letzte Heimspiel ging gegen den FC Porto 0:1 verloren.

Damals, als Hertha BSC sich noch mit Klubs wie Barcelona, Chelsea und Milan duellierte, hätte die Aussicht auf ein Finale der Champions League bei jedem Berliner Sportfan heftige Gefühlswallungen ausgelöst. Nun aber müssen sich die Berliner erst einmal für die nationale Spitzenliga qualifizieren. Abgestiegen sind sie im vergangenen Sommer gemeinsam mit dem 1. FC Köln, was eine hübsche Parallele ergibt zum bisher einzigen Europapokal-Endspiel in Berlin.

Dieses Endspiel vom 6. Mai 1986 ist ein wenig in Vergessenheit geraten. Es ging um den Uefa-Cup, er wurde damals noch mit zwei Finalspielen in den Stadien der jeweiligen Finalisten ausgespielt. Der 1. FC Köln hatte diese Finalrunde erreicht; weil sich dessen Anhang aber beim Halbfinal-Rückspiel in Waregem ein wenig danebenbenommen hatte, belegte die Uefa den Verein mit einer Sperre für ein Heimspiel. Dumm, dass es ausgerechnet das Finale war, und dann auch noch gegen Real Madrid.

Warum die Kölner ausgerechnet im eingemauerten West-Berlin sportliches Asyl beantragten, ist im Rückblick nicht mehr so recht nachzuvollziehen. Das Olympiastadion bröckelte dem Verfall entgegen, und das Berliner Publikum empfand für den FC ähnlich große Sympathien wie für den rheinischen Karneval. Es kamen nur 16 000 Zuschauer – was aber auch am nicht ganz so glücklich verlaufenen Hinspiel im Bernabeu gelegen haben dürfte. Dort verlor Köln 1:5 und hätte sich das Rückspiel eigentlich schenken können.

Es wurde dann doch ein unterhaltsamer Abend. Real war gerade Spanischer Meister geworden, überließ den Kölnern großzügig das königliche Weiß und spielte in Zartrosa. Trotz anfänglicher Kölner Überlegenheit reichte es nur zu einem einzigen Tor durch Uwe Bein. Später ließ die Kraft nach, aber weil Real sich vornehm zurück hielt, durfte Uwe Geilenkirchen noch das 2:0 nachlegen.

Und Hertha BSC? War damals vom Uefa-Cup noch weiter weg als heute von der Champions League. Zwei Tage nach dem Berliner Finale reiste Hertha zum letzten Saisonspiel in der Zweiten Liga bei Alemannia Aachen. Hertha verlor damals 0:2 und verschwand für die nächsten zwei Jahre in der Drittklassigkeit.

Im Berliner Fußball ist alles möglich. Kann man sich Hertha also 2015 im Endspiel der Champions League in Berlin vorstellen? Gibt es ein berlinisches „Finale dahoam“, Michael Preetz? Herthas Manager begegnete dieser Frage auf der Routine-Pressekonferenz gestern mit einem lauten Lachen.

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