Champions League für Nationalteams : Nationenliga: Die kreative Geldvermehrung der Uefa

Die Nationenliga kommt - es ist die neueste Erfindung des europäischen Fußballverbandes, das Geld zu mehren. Dem Spiel an sich dient der Uefa-Beschluss nicht.

von
Die Uefa wirbt für ihre Nationenliga mit dem Argument von hochklassigen Duellen.
Die Uefa wirbt für ihre Nationenliga mit dem Argument von hochklassigen Duellen.Foto: dpa

Michel Platini war ein großer Spieler. Kreativ, trickreich, entschlossen. Sein Tun am Ball hatte oft Lyrisches – Pässe zum Verlieben, Tore zum Träumen. Leider hat er nicht viele seiner Qualitäten vom Fußballplatz mit hinter den Schreibtisch nehmen können. Was immer Platini als Chef des europäischen Verbandes Uefa sich ausdenkt, es dient in den seltensten Fällen dem Spiel an sich, sondern eher seinem Machterhalt und der Geldvermehrung. Sein jüngster Plan: In vier Jahren soll eine Nationenliga an den Start gehen, eine Art Champions League für Nationalteams.

Verkauft wird die Sache als Goldenes Kalb, das, wenn es denn mal groß ist, ordentlich gemolken werden kann, weil angeblich hochinteressante Spiele anstünden.

Der eigentlich Fehler wurde 2008 begangen, als Platini die Europameisterschaft, ein Erfolgsmodell, aufblies. Statt der bisher 16 besten Mannschaften, die durch eine schwere Qualifikation mussten, dürfen ab der EM 2016 in Platinis Heimat Frankreich 24 Mannschaften teilnehmen. Bei 54 Nationen, die zur Uefa zählen, wird es also fast jede zweite Mannschaft möglich machen können. Dadurch aber verliert die vorgeschaltete Qualifikation sportlich und wirtschaftlich an Wert. Und nun will man diesen Fehler mit einem neuen Modell kompensieren. Denn wegfallen soll die herkömmliche Qualifikation nicht, nur eben die Freundschaftsspiele.

Deutschland würde mit elf ähnlich starken Mannschaften konkurrieren

Richtig ist, dass diese Freundschaftsspiele bei den Klubs, den Nationalspielern und den Klubtrainern nicht immer auf Gegenliebe stießen, zu gering war der sportliche Wert im Vergleich zum Aufwand. Da mussten die Klubs Spieler abstellen für belanglose Testspiele, die oft genug noch am anderen Ende der Welt ausgetragen wurden. Mit dem Ergebnis, dass die Klubtrainer in der Vorbereitung auf wichtige Ligaspiele auf ihre Nationalspieler verzichten mussten. Die Klubs aber bezahlen die Nationalspieler.

Die Uefa wirbt für ihre Nationenliga mit dem Argument von hochklassigen Duellen. Deutschland beispielsweise würde in der höchsten von vier Kategorien mit elf ähnlich starken Mannschaften konkurrieren. Nur wird eine der vier Dreiergruppen dieser Kategorie nicht aus Deutschland, Spanien und Italien bestehen, sondern eher aus Deutschland, Griechenland und der Ukraine. Was solche Duelle mit Hin- und Rückspiel so viel reizvoller machen soll, muss Platini erst noch erfinden.

Autor

8 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben