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Chaos in der Dritten Liga : Wenn plötzlich Punkte verschwinden

16.04.2013 10:14 Uhrvon , Holger Richter
Nicht zum Hinschauen. Der Babelsberger Christian Essig (rechts, hier im Spiel gegen den Karlsruher SC) hat das eigene Schicksal derzeit nicht selbst in der Hand.Bild vergrößern
Nicht zum Hinschauen. Der Babelsberger Christian Essig (rechts, hier im Spiel gegen den Karlsruher SC) hat das eigene Schicksal derzeit nicht selbst in der Hand. - Foto: picture alliance / GES-Sportfoto

Eine Insolvenz von Alemannia Aachen könnte Babelsberg den Klassenerhalt in der Dritten Liga und Preußen Münster den Aufstieg kosten.

Aachen/Berlin - Für den SV Babelsberg reißen die schlechten Nachrichten im April nicht ab. Zuerst entschied das Amtsgericht Potsdam, dass die Wahl des Aufsichtsrates am 23. April 2012 nicht vollkommen rechtens ablief. Daraus folgt, dass die gewählten Gremien nicht uneingeschränkt handlungsfähig sind. Nun muss ein Notvorstand, bestehend aus dem Unternehmer Archibald Horlitz und dem Rechtsprofessor Götz Schulze, die Geschicke des Drittligisten leiten. Kaum im Amt, entließen Horlitz und Schulze gleich Trainer Christian Benbennek. Aus sportlichen Gründen, wie es offiziell hieß. Im März hatte sich der Verein bereits von Geschäftsführer Klaus Brüggemann getrennt.

Als Vorletzter der Dritten Liga ist Babelsberg stark abstiegsgefährdet. Der Rückstand auf einen Nichtabstiegsplatz beträgt derzeit nur zwei Punkte, dazu hat Babelsberg weniger Spiele ausgetragen als etwa die Konkurrenten Darmstadt 98 oder Stuttgarter Kickers. Trotzdem droht die sportliche Rettung immer unwahrscheinlicher zu werden. Der Grund: Babelsberg könnten demnächst sechs Punkte abgezogen werden. Diese stammen aus den zwei erfolgreichen Spielen gegen Alemannia Aachen.

Für Aachen hätte eine vorzeitige Eröffnung des Insolvenzverfahrens finanzielle Vorteile

Aachen hat als Tabellenletzter angekündigt, sein Insolvenzverfahren zu eröffnen, sobald der Abstieg sportlich feststeht. Nach jetzigem Stand wäre das noch vor dem letzten Spieltag, der Verein hat nach der 3:4-Niederlage am Wochenende gegen Hansa Rostock fünf Punkte Rückstand auf Platz 17. Für den Klub und Interimsgeschäftsführer Michael Mönig hätte die vorzeitige Eröffnung des Verfahrens einige Vorteile: Mönig könnte Geld sparen und bekäme mehr Zeit für die Verhandlungen mit den Gläubigern. Außerdem stünden den Sanierern Möglichkeiten wie Sonderkündigungsrechte offen. Für den Fall einer vorzeitigen Insolvenzeröffnung verfügt der Deutsche Fußball-Bund (DFB) über klare Statuten: Alle Spiele der Aachener würden annulliert und den gegnerischen Teams die Punkte abgezogen werden. „Ich finde diese Regel sehr fragwürdig“, sagt Babelsbergs Notvorstand Götz Schulze. „Der sportlich Erfolgreiche wird bestraft, während der sportliche Verlierer seinen Nutzen aus der Situation zieht.“

Mannschaften, die gegen Aachen verloren haben, würden auf einmal im Vorteil sein, weil ihnen keine Punkte abgezogen würden. Eine vorzeitige Aachener Insolvenz hätte also massive Auswirkungen auf die Tabelle. Neben Babelsberg wäre vor allem Preußen Münster betroffen. Ohne die sechs gegen Aachen gewonnenen Punkte würde die Mannschaft vom Relegationsrang drei auf Platz fünf abrutschen. Sportvorstand Carsten Gockel ist außer sich: „Es wäre ein Bankrotterklärung für den DFB und die Dritte Liga, wenn sportliche Entscheidungen auf diesem Weg herbeigeführt werden. Ohne die sechs Punkte wäre das Thema Aufstieg für uns erledigt.“

Die Befindlichkeiten anderer Klubs interessieren Aachen wenig

Münsters Konkurrent im Aufstiegskampf, der VfL Osnabrück, würde drei Zähler verlieren. Im Gegensatz zum 1. FC Heidenheim, der auf Platz drei vorrücken würde. Von Wettbewerbsverzerrung ist die Rede.

Die Befindlichkeiten anderer Klubs interessieren bei Alemannia Aachen allerdings wenig. „Darauf kann und darf ich als insolvente Gesellschaft keine Rücksicht nehmen“, sagt Michael Mönig. „Ich muss die Interessen des Vereins und der Gläubiger vertreten.“ Babelsbergs Götz Schulze hat dafür mehr Verständnis, er will den Aachenern keine Vorwürfe machen. „Die müssen tun, was für den Verein am besten ist und nach eigenen Gesichtspunkten handeln. Aber der DFB sollte seine Regelung hinterfragen.“ In der DFB-Verbandszentrale in Frankfurt am Main wollte man sich nicht äußern und verwies auf die bestehenden Statuten.

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