• DAS SPIEL MEINES LEBENS: 04. 05. 2002, Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1 Otto Addo, 36, Jugendtrainer HSV

DAS SPIEL MEINES LEBENS : 04. 05. 2002, Borussia Dortmund – Werder Bremen 2:1 Otto Addo, 36, Jugendtrainer HSV

Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb

aufgezeichnet von Benjamin Apitius

Die Wohnung meiner Mutter in Hamburg platzte an diesem Tag aus allen Nähten. Jeder aus der Familie und dem Freundeskreis wollte dabei sein, wenn ihr Sohn zum ersten Mal Deutscher Meister werden könnte. Ich musste ihr vor dem Spiel versprechen, dass sie die erste sein würde, die mir gratuliert.

Aber von Anfang an. Die komplette Saison war hochspannend. Am vorletzten Spieltag zogen wir an Bayer Leverkusen vorbei auf Platz eins. Mit Bayern München besaß sogar noch eine dritte Mannschaft rechnerisch die Möglichkeit, am letzten Spieltag Meister zu werden. Wir bereiteten uns auf „unser Finale“ gegen Werder Bremen ganz normal vor. Für einen letzten Saisonsieg wollten wir alles geben. Doch es lief nicht unbedingt optimal für uns. Ich war heilfroh, als Jan Koller das frühe Gegentor durch Paul Stalteri noch vor der Pause ausgleichen konnte. In der zweiten Hälfte hatte ich dann das Führungstor auf dem Schlappen, doch das Ding klatschte gegen den Pfosten. Ewerthon zeigte mir dann, wie es richtig geht – 2:1. Und von da an wusste ich: Heute ist es soweit, heute wirst du endlich Deutscher Meister.

Ich spielte die Begegnung mit zittrigen Beinen zu Ende, und nach dem Schlusspfiff rannte ich so schnell wie es noch ging in die Kabine. Meine Mutter brüllte mir ins Ohr, wie glücklich sie sei, wie stolz und stolzer, ihre Wohnung klang wie eine Disco. Danach bin ich wieder raus auf den Rasen, und das Westfalenstadion war in diesem Moment für mich das Paradies, nie zuvor fühlte ich mich so erfüllt und leicht und selig.

Die ganz große Party gab es aber erst später, wir mussten ja noch das Uefa-Cup-Finale gegen Feyenoord Rotterdam spielen. Und auch wenn das Spiel verloren ging: Als wir heimkehrten, begrüßte uns halb Dortmund am Flughafen. Die Menschen waren im Glückstaumel, stolz und stolzer auf die Söhne ihrer Stadt.

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