DDR-Dopingopfer : Größere gesundheitliche Schäden als angenommen

Eine neue Studie dokumentiert die Schäden von DDR-Dopingopfern. Demnach sind die Spätfolgen dramatisch.

Anne Armbrecht
Engagiert für Dopingopfer. Ines Geipel unterstützt die Studie.
Engagiert für Dopingopfer. Ines Geipel unterstützt die Studie.Foto: dpa

Sportler haben in deutlich größerem Ausmaß als bisher angenommen unter den Spätfolgen des staatlich verordneten Zwangsdopings in der DDR zu leiden. Das ist das erste Ergebnis einer bislang einmaligen Studie, die der Greifswalder Trauma-Forscher Harald Freyberger und der Chefarzt der Psychosomatik der Helios-Kliniken Schwerin, Jochen Buhrmann, vorgestellt haben. Demnach seien Betroffene heute signifikant häufiger krank als der Rest der Bevölkerung. Auch die Lebenserwartung von Dopingopfern sei im Schnitt um zwölf bis 15 Jahre geringer. Schwerwiegende Schädigungen, Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen träten gleichzeitig bis zu fünf Mal häufiger auf. Das Gleiche gilt für seelische Erkrankungen wie Depressionen und Schmerzstörungen. Unter der Erfahrung physischer, psychischer und sexueller Gewalt litten Betroffene bis heute.

Für die Studie hatten die Forscher die Datenbank des Dopingopfer-Hilfevereins (DOH) sowie mehrere hundert Fragebögen und Gutachtergespräche mit Betroffenen ausgewertet. Die Forschungsarbeit ist 28 Jahre nach dem Ende der DDR die erste dieser Größenordnung. Sie ist noch bis Mitte 2018 angelegt.

Das Politbüro hatte 1974 im Staatsplan 14.25 systematisches Doping im Spitzensport beschlossen, um der DDR bei internationalen Vergleichen im Sinne nationaler Repräsentation so viele Medaillen wie möglich zu beschaffen. In der Folge waren auch Kinder und Jugendliche an den Sportschulen ohne deren Wissen gedopt worden. Forscher gehen bundesweit von etwa 15.000 Betroffenen aus.

Dopingopfer haben nach dem Dopingopfer-Hilfegesetz (DOHG) Anspruch auf Entschädigung. 10.500 Euro gibt es einmalig. Doch die Anerkennung gestalte sich oft schwierig, berichtet Ines Geipel, selbst Betroffene und Vorsitzende des DOH. Oftmals fehlten beweiskräftige Akten und Gutachten, die das Doping belegten. Der DOH betreut derzeit etwa 1500 Geschädigte. Nicht einmal ein Drittel von ihnen ist staatlich anerkannt.

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