• Der 1. FC Union empfängt den 1. FC Nürnberg: Christopher Trimmel: Der Krake wird kreativ

Der 1. FC Union empfängt den 1. FC Nürnberg : Christopher Trimmel: Der Krake wird kreativ

Außenverteidiger Christopher Trimmel könnte im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg für den 1. FC Union auf einer ungewohnten Position zum Einsatz kommen.

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Neue Rolle: Christopher Trimmel (Mitte) könnte bei Unions Heimspiel gegen Nürnberg mehr sein als nur Einwechselspieler. Foto: Imago
Neue Rolle: Christopher Trimmel (Mitte) könnte bei Unions Heimspiel gegen Nürnberg mehr sein als nur Einwechselspieler.Foto: Imago

Über seinen Rücken spannt sich ein riesiger Krake. Dessen Arme mit den gut sichtbaren Saugnäpfen reichen von den Schultern bis zur Brust. Kaum eine Stelle am Oberkörper gibt es, die das Tier nicht bedeckt. Christopher Trimmel liebt dieses Tattoo. Es zu stechen hat viele Monate und unzählige Sitzungen gedauert. „Das spiegelt meine künstlerische Ader wider. Ich bin ein kreativer Mensch“, hat er einmal gesagt und das eigentlich auf sein Hobby, das Zeichnen, bezogen.

Dass Christopher Trimmel auch in seinem Berufsleben als Fußballer ein kreativer Mensch sein kann, blieb lange im Verborgenen. Unter Trainer Norbert Düwel spielte er beim 1. FC Union stets auf der rechten Außenbahn. Mal offensiver, mal defensiver, aber eben immer rechts. Dort fiel Trimmel kaum auf. Er spielte selten herausragend und nie schlecht.

Dem neuen Trainer Sascha Lewandowski war das zu wenig, er setzte Trimmel zuletzt häufiger auf die Bank – ein ungewohntes Gefühl für den ehemaligen Nationalspieler Österreichs. Im Heimspiel am Sonnabend gegen den 1. FC Nürnberg (13 Uhr) wird Trimmel mit großer Wahrscheinlichkeit für den gesperrten Kapitän Benjamin Kessel in die Mannschaft rücken – die Frage ist nur, auf welcher Position. „Bei seiner Rolle gibt es mehrere Optionen, ich kann ihn mir auch gut im zentralen Mittelfeld vorstellen“, sagt Lewandowski. Nach seiner Einwechslung in Heidenheim und auch im Training habe er ihn in dieser Rolle überzeugt, so Lewandowski.

Christopher Trimmel? Als Spielmacher? Lewandowskis Überlegung zeigt, wie unterschiedlich Trainer einen Spieler bewerten können. Düwel sah in Trimmel den schnellen, athletischen Dauerläufer, der die rechte Seitenlinie rauf und runter marschiert. Lewandowski sagt: „Chris versteht das Spiel sehr gut und findet auf den verschiedenen Positionen athletisch, technisch und spielerisch immer Lösungsmöglichkeiten.“ Wo der 28-Jährige letztendlich zum Einsatz kommt, hänge immer von der eigenen Grundordnung und vom Gegner ab, sagt der Trainer, aber generell könne Trimmel im Zentrum alles spielen – auch als Sechster vor der Abwehr.

Es gibt im modernen Fußball Positionen, die von ihrem Anforderungsprofil ähnlich sind, Spielern fällt es leichter, zwischen ihnen hin- und herzuwechseln. Innenverteidiger oder defensiver Mittelfeldspieler sind so Positionen. Außenverteidiger und zentrale Mittelfeldspieler haben in der Regel wenig gemeinsam. Erfolgreiche Beispiele für Rochaden zwischen beiden Positionen gibt es wenige. Philipp Lahm hat den Wechsel von der Außenbahn ins Zentrum am besten hinbekommen. Er ist überall in der Lage, herausragende Leistungen zu zeigen. Bundestrainer Joachim Löw versuchte mit überschaubarem Erfolg, aus dem defensiven Mittelfeldspieler Sebastian Rudy einen Außenverteidiger zu machen. Emre Can wurde von Liverpools neuem Trainer Jürgen Klopp von der Außenbahn zurück in die Mitte beordert, weil er den deutschen Nationalspieler dort für deutlich besser aufgehoben hält.

Dass Lewandowski seinen Spieler für dessen Spielverständnis und technische Fähigkeiten lobt, mag überraschen. Trimmel ist ein Spätstarter, wie es ihn heute im Profifußball mit all seinen Nachwuchsinternaten eigentlich nicht mehr gibt. Mit Anfang 20 studierte er in Wien noch Sport und Geografie auf Lehramt und spielte nebenbei in der Landesliga. Erst im Alter von 22 Jahren gab er sein Debüt in der österreichischen Bundesliga. Dann ging alles ganz schnell. Berufung in die Nationalmannschaft, Kapitän bei Rapid Wien und nun im zweiten Jahr beim Berliner Zweitligisten. Dort könnte seine Versetzung in die Zentrale einen neuen Karriereabschnitt einleiten.

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