Der deutsche EM-Kader : Bastian Schweinsteiger und die Zweifel

Bundestrainer Joachim Löw hat den angeschlagenen Kapitän Bastian Schweinsteiger für den endgültigen EM-Kader nominiert. Es ist eine typische Löw-Entscheidung. Ein Kommentar.

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Bastian Schweinsteiger soll bei der EM der Anführer sein, aber ist er dazu in der Lage? Foto: REUTERS
Bastian Schweinsteiger soll bei der EM der Anführer sein, aber ist er dazu in der Lage?Foto: REUTERS

Allen Fans von Bastian Schweinsteiger sei gesagt: Der Mann kann derzeit mehr als nur geradeaus laufen. Das ist die eigentliche Botschaft, die am Dienstag aus dem deutschen Quartier vom Tessin aus nach Europa gesendet wurde. Inwiefern diese Nachricht Nervosität bei den 23 deutschen Konkurrenten bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich auslöst, sei einmal dahingestellt.

Ein gesunder Marco Reus wäre nicht gestrichen worden und hätte die Mannschaft, die ohne ihn Weltmeister wurde, ganz sicher bereichert. Aber Reus ist nicht gesund, deswegen fährt er nicht mit zur EM. Und was ist mit Schweinsteiger? Kann der beinahe 32-Jährige noch einmal auf dem Spielfeld die Rolle des Anführers und des Lenkers ausfüllen wie vor zwei Jahren im WM-Finale?

Nach allem, was von dem Profi von Manchester United in diesem Jahr zu sehen oder eben nicht zu sehen war, sind Zweifel angebracht. Zweifel, die Joachim Löw nicht hat. Oder doch? Der Bundestrainer hat eine für ihn nicht untypische Sowohl-als-auch-Entscheidung gefällt. Das Ja zu Schweinsteiger hat er verknüpft mit dem Ja zu den Neulingen Joshua Kimmich und Julian Weigl. Beide sind am ehesten auf Schweinsteigers Position zu verorten, auch wenn im defensiven, zentralen Mittelfeld Toni Kroos und Sami Khedira gesetzt sein dürften.

Was Schweinsteiger und auch Mats Hummels betrifft, geht der Bundestrainer das Risiko ein, mit zwei angeschlagenen Spielern nach Frankreich zu fahren. Und ja, es sind nicht irgendwelche Spieler. Dieses Privileg hat ein Weltmeistertrainer sich verdient, unabhängig davon wie sich diese beiden Spieler das Vertrauen verdient haben. Doch auf dem Platz wird es nicht mehr um Verdienste gehen. Genauso wenig darum, wer die Nummer 17, 18, 19 oder 20 im Kader ist, also mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht zum Einsatz kommen wird. Als Löw nach dem WM-Titel den Spieler mit den meisten Ausfallzeiten zum Kapitän machte, nämlich Bastian Schweinsteiger, hat er gesagt, dass er diesen nur für die großen, wichtigen Spiele brauche. Nun hoffen alle deutschen Fans mal, dass sie diese auch erreichen. Ob nun wegen oder trotz Schweinsteiger.

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