Sport : Der große Ungeliebte

Warum Weltstar Dirk Nowitzki seinen Heimatklub Würzburg ignoriert

Stefan Mantel[Würzburg]

Wolfgang Malisch gab sich stets diplomatisch. Wann immer in den vergangenen Jahren die Sprache auf Dirk Nowitzki kam, ging dem Manager von Basketball-Bundesligist TSK Würzburg kein böses Wort über die Lippen. Keine Kritik am sprichwörtlich größten Sohn der Stadt, der es zu einem der besten Basketball-Spieler auf dem Globus gebracht hat. Legt man die aktuelle Punktausbeute pro Partie in der nordamerikanischen Profiliga NBA zu Grunde, ist der 26-jährige Würzburger im Dress der Dallas Mavericks zurzeit sogar der Beste der Besten.

Die Anfänge dieser außergewöhnlichen Karriere liegen bei jenem Klub, der seit Jahren ums Überleben in der Basketball-Bundesliga kämpft – und dem Nowitzki trotz eines 90-Millionen-Dollar-Vertrags jegliche Unterstützung verweigert. Die Frage nach dem Warum ist eine der meistgestellten, die Malisch seit jeher beantworten muss. Bei der offiziellen Auftaktveranstaltung der Basketball-Bundesliga (BBL) Anfang Oktober in Köln verlor der sonst so genügsame Chemie-Professor zum ersten Mal die Beherrschung: „Ich bin es müde, ständig darüber reden zu müssen. Das Thema ist durch!“

Es sind vor allem die völlig konträren Vorstellungen über die strategische Ausrichtung des Klubs, die eine Zusammenarbeit unmöglich machen. Nowitzki fordert von seinem Heimatverein wieder eine stärkere Konzentration auf die Ausbildung und Entwicklung junger deutscher Talente, so wie das zu seiner Zeit geschehen ist. Als junge Wilde sorgten die Würzburger in ihren Anfangsjahren in der BBL für Furore, Spieler wie Robert Garrett (heute Neapel) oder Demond Greene (jetzt Leverkusen) reiften in Würzburg zu Nationalspielern – und folgten dann dem Lockruf finanzkräftigerer Vereine. „Außer Schulterklopfen hat uns das Ganze nichts eingebracht, im Gegenteil. Wir müssen konstatieren, dass uns dieser andere Ansatz, den wir im Vergleich zu den anderen Vereinen gefahren haben, an den Abgrund geführt hat“, resümiert Malisch.

Denn die Zeiten, da die Nachwuchshoffnungen hierzulande für umgerechnet 750 Euro wie einst Nowitzki in Würzburg dem roten Ball hinterherjagen und höher dotierte Angebote ausschlagen, sind vorbei. „Die guten deutschen Spieler können wir uns nicht leisten, und die anderen helfen uns nicht weiter“, sagt Malisch. Sein Klub kalkuliert mit einem Etat von knapp einer Millionen Euro, dem schmalsten der Liga. Den letzten Versuch eines Zugeständnisses an Nowitzki unternahmen die Würzburger vor zwei Jahren, mit dem hochgelobten Bastian Kordyaka. Nach einjähriger Lehre in Köln unter dem früheren Alba-Trainer Svetislav Pesic sollte er in Würzburg unter Nowitzkis Mentor Holger Geschwindner den letzten Feinschliff erhalten. Das Ergebnis: Würzburg stieg ab, Kordyaka spielt heute in Finnland.

Und so schicken die Würzburger, heute um 19.30 Uhr zu Gast bei Alba Berlin in der Schmeling-Halle, nun eine Mannschaft ins Rennen, deren Profis zum Großteil schon rund um den Globus spielten, deren Namen beliebig austauschbar scheinen. „Die Fans identifizieren sich mit dem Erfolg“, sagt Trainer Aaron McCarthy. Dirk Nowitzki sieht das anders.

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