Sport : Der Schwache ist zu stark

Felix Sturm unterliegt dem Australier Daniel Geale und verliert seinen WM-Titel im Mittelgewicht.

Verloren im Ring. Überrascht vom Draufgängertum seines Gegners Daniel Geale zeigte sich Felix Sturm. Foto: dpa
Verloren im Ring. Überrascht vom Draufgängertum seines Gegners Daniel Geale zeigte sich Felix Sturm. Foto: dpaFoto: dpa

Oberhausen - Felix Sturm kämpfte mit den Tränen. „Zwei Weltmeistergürtel wären so schön gewesen“, sagte er mit bebender Stimme. Der Profiboxer aus Köln hatte den Titelvereinigungskampf im Mittelgewicht gegen den Australier Daniel Geale verloren und damit nicht nur dessen Titel nach IBF-Version verpasst, sondern auch seinen eigenen Titel als Superchampion der WBA eingebüßt. Seit fünf Jahren besaß Sturm ununterbrochen WM-Titel. Jetzt ist er nur noch Ex-Weltmeister.

Das Urteil in der Arena Oberhausen fiel gesplittet aus. Der Kampfrichter aus den USA wertete 116:112 für Sturm, die Unparteiischen aus Großbritannien und Südafrika 116:112 für Geale. „Das Urteil geht gar nicht“, sagte Sturms Trainer Fritz Sdunek, wobei er weniger die Niederlage für seinen Schützling als vielmehr die Punktediskrepanz kritisierte.

Dass er seinen Titel verlieren würde, hatte Sturm nicht eingeplant. „Er hat sich von allen Weltmeistern im Mittelgewicht den schwächsten ausgesucht“, meinte Jean-Marcel Nartz, Vorstandsmitglied des Europa-Verbandes EBU. Doch selbst der schwächste war zu stark für Sturm. Die anderen Champions wie Gennadi Golowkin (Kasachstan/WBA), Dimitri Pirog (Russland/WBO), Sergio Martinez (Argentinien) und Julio Chavez (Mexiko/beide WBC) werden höher eingeschätzt.

Sturm litt an Selbstüberschätzung, als er den Kampf fast zeitgleich mit dem von Witali Klitschko terminierte. Dadurch musste er wochenlang auf seinen Trainer Sdunek verzichten. Der 65-Jährige ist vertraglich zuerst an Schwergewichts-Weltmeister Klitschko gebunden und bereitet den Ukrainer auf dessen WM-Kampf am kommenden Samstag vor.

Geale war aktiver und variabler in seinen Schlägen. „Felix hätte sich mehr bewegen müssen. Er ist aber wieder stehengeblieben“, monierte Sdunek. „Ich komme wieder“, sagte Sturm.

An den von ihm selbst ins Gespräch gebrachten Kampf gegen Arthur Abraham, WBO-Weltmeister im nächst höheren Limit, dem Super-Mittel, will Sturm aber nicht ran. „Abraham will eine Plattform durch mich. Abraham muss dankbar sein, dass es mich gibt. So kommt er in die Presse. Man muss doch nur seine letzten Niederlagen sehen“, sagte Sturm und trug die altbekannte Arroganz zur Schau. Vielleicht ist ja Sturm noch einmal dankbar, dass es Abraham gibt. Tsp/dpa

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