Sport : Der Stein ist gedreht

Alba Berlin trennt sich von Trainer Luka Pavicevic, ein Nachfolger für den Serben steht noch nicht fest

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Foto: Kai-Uwe Heinrich
Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Die Diskussionen um Luka Pavicevic liefen schon seit Monaten, eigentlich bereits seit dem Sommer 2007, als der Serbe als Trainer bei Alba Berlin vorgestellt wurde. Am Freitagabend endete die Anstellung des 42-Jährigen beim Basketball-Bundesligisten abrupt. Alba teilte mit, dass der Verein Pavicevic mit sofortiger Wirkung beurlaubt hat. Die Mannschaft wurde vor dem abendlichen Training über den Schritt informiert. In seinem ersten Jahr bei Alba war Pavicevic mit den Berlinern Deutscher Meister geworden, in den vergangenen beiden Spielzeiten war Alba jeweils früh in den Play-offs gescheitert. In dieser Saison hat Pavicevics Team bereits sechs Mal in der Bundesliga verloren und schien sich zuletzt nicht weiter zu entwickeln.

„Es gab nicht den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagte Albas Geschäftsführer Marco Baldi über die Entscheidung. „Wir hatten das Gefühl, dass wir unsere Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Wir haben unsere Saisonziele in Gefahr gesehen. Deshalb haben wir reagiert.“ Einen Nachfolger will der Klub in den kommenden Tagen präsentieren. „Der Kreis der Kandidaten ist klein“, sagte Baldi. Noch kann der Manager aber nicht sagen, ob der neue Coach das Team nur bis zum Saisonende übernehmen wird oder ob es eine langfristige Lösung gibt. Zunächst werden Albas drei Assistenzcoaches das Team betreuen, das nächste Pflichtspiel bestreiten die Berliner im Eurocup am kommenden Donnerstag zuhause gegen Panellinios Athen.

Pavicevic war im Laufe seiner Arbeit in Berlin immer wieder vorgeworfen worden, zu starr in seinen Ansichten und seiner Spielweise zu sein und jungen, deutschen Spieler zu wenig zu vertrauen. Nach dem Play-off-Aus im vergangenen Frühjahr hatte Alba noch am Trainer festgehalten und lieber fast das gesamte Spielerpersonal ausgetauscht. Baldi hatte erklärt, man werde „jeden Stein umdrehen, nur den Trainer nicht.“ Seit der blamablen 52:103-Pleite in Bamberg kurz vor Weihnachten, der höchsten Niederlage der Vereinsgeschichte, stand der Coach aber erneut unter Druck.

„Es ist ein harter Schlag für mich – professionell und persönlich. Ich habe mich mit dem Maximum meiner Möglichkeiten für den Verein engagiert“, sagte Pavicevic. „Ich habe alle gegeben, was ich habe: mein gesamtes Wissen, meine volle Energie, meine ganze Leidenschaft.“ Allerdings wisse er auch, „dass auf diesem Niveau die Ergebnisse stimmen müssen, um die hohen Ziele des Klubs nicht zu gefährden“. Am Donnerstag hatte es ein Gespräch zwischen Albas sportlicher Leitung um Baldi und Team-Manager Mithat Demirel mit Aufsichtsrat Axel Schweitzer gegeben, bei dem die Entscheidung gegen Pavicevic fiel.

Das gestrige Gespräch, bei dem er Pavicevic die Trennung mitteilte, bezeichnet Baldi als „sehr schmerzhaft“. „Luka ist kein Vertretertyp, der ein Geschäft macht und weiterzieht“, sagte Baldi. „Er hat sich hundertprozentig mit dem Klub identifiziert.“ Abends verabschiedete sich Pavicevic von seinen Spielern.

Derrick Allen, Julius Jenkins und Immanuel McElroy waren da schon auf dem Weg nach Trier zum heutigen All-Star-Game (20 Uhr, live bei Sport1) der Bundesliga. „Wir waren überrascht und schockiert. Es ist immer traurig, wenn so etwas passiert“, sagte Kapitän Patrick Femerling. „Wir als Spieler sind ja zuallererst für die Ergebnisse verantwortlich. Aber wenn der Verein so entscheidet, müssen wir das akzeptieren.“

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