Sport : Der Titel hat Zeit

Petkovic scheitert im Viertelfinale der French Open

Petra Philippsen[Paris]
Ins Auge. Andrea Petkovic war gegen Maria Scharapowa ohne Chance. Foto: dpa Foto: dpa
Ins Auge. Andrea Petkovic war gegen Maria Scharapowa ohne Chance. Foto: dpaFoto: dpa

Ein schöner Gedanke war es, so schön vielleicht, dass Andrea Petkovic ihn gar nicht erst zulassen wollte. Sie und Grand-Slam-Siegerin? Doch, ihr guter Freund Novak Djokovic war sich da ganz sicher und seit Beginn der French Open hatte es der serbische Weltranglistenzweite wieder und wieder zu ihr gesagt. Denn sein neuer Berater Igor Cetojevic habe prophezeit: „Petkovic und Djokovic gewinnen den Titel in Paris.“ Zweifel ausgeschlossen. „Ich habe Novak dann immer geantwortet: Bleib’ mal locker“, erzählte Petkovic amüsiert. Dass die 23-Jährige nach dem Scheitern etlicher Favoritinnen tatsächlich zum Geheimtipp von Roland Garros aufgestiegen war, hatte ihr geschmeichelt, daran geglaubt aber hatte Petkovic noch nicht recht: „Das kommt zu früh. Ich hätte den Titel noch gar nicht verdient gehabt.“

Und so brach auch keine Welt für Petkovic zusammen, als sie am Mittwoch im Viertelfinale gegen Maria Scharapowa mit 0:6 und 3:6 ausschied. Geärgert aber hatte sie sich mächtig, war ihre Leistung gegen die russische Weltranglistenachte doch weit schwächer gewesen, als die der ersten vier Partien. „Mein Start war richtig schlecht und mein Aufschlag ein Riesenproblem“, sagte Petkovic, „es war absolut nicht mein Tag“. Dafür wurde es der Tag der dreimaligen Grand-Slam-Siegerin Scharapowa, die gegen Petkovic fast so stark aufspielte wie zu ihren besten Zeiten. Hatte sich Scharapowa im Turnierverlauf bereits 109 leichte Fehler erlaubt, so ließ sie gegen Petkovic nun keine Schwäche mehr zu. Es dauerte fast eine Stunde, bis die bestplatzierte Deutsche überhaupt ihr erstes Spiel machte.

Scharapowa scheiterte danach im Halbfinale an der Chinesin Li Na,die im Finale am Samstag auf Francesca Schiavone treffen wird, und auch Petkovic ist überzeugt: „Wenn ich mein bestes Level gezeigt hätte, wäre es für sie schwer geworden.“ Im Achtelfinale der Australian Open war das Petkovic noch gelungen, dort hatte sie die Russin als Außenseiterin düpiert. Nun war sie als Nummer zwölf der Welt angetreten, wirkte an diesem Tag aber schlicht überfordert. Auch ihr Team, das sie in den Runden zuvor aus manchem Tief herausgebrüllt hatte, wusste keinen Rat. Ein kurzes Aufbäumen im zweiten Satz, ein heftiges, martialisches Gebrüll, aber das war es dann auch. Besonders tief saß der Frust jedoch nicht bei Petkovic: „Klar, ich bin enttäuscht. Aber ich darf auch nichts überstürzen. Meine Zeit wird kommen.“ Mit dieser Gewissheit hatte Petkovic in dieser Saison einen rasanten Aufstieg geschafft. Nicht nur ihre außergewöhnliche Fitness und ihre schnelle Lernfähigkeit zeichnen sie aus, inzwischen macht sie auch ihr bedingungsloser Glaube an sich selbst zu einer schwer bezwingbaren Gegnerin. „Wenn ich gut spiele, kann ich jede schlagen“, hatte sie in Paris gesagt und mancher legte es ihr als übermütige Selbstüberschätzung aus.

Doch eben diese Einstellung ist nötig, um die größten Ziele zu erreichen. Wer seine Ansprüche von vornherein limitiert, scheidet früh aus. Petkovic weiß, was sie will und vor allem hat sie erfahren, dass es gesünder ist, die Schritte auf der Zielgeraden langsamer zu setzen. „Ich habe gemerkt, was nach dem Fed-Cup für ein Hype losging“, sagte Petkovic, „daran musste ich mich erst gewöhnen“. Und was wäre erst nach einem Grand-Slam-Sieg losgewesen? Inzwischen macht ihr der Rummel keine Angst mehr, auch nicht der Gedanke, bei einem großen Turnier eine Favoritin auf den Sieg zu sein.

„Aber für mich wird es jetzt schwer, meine eigene Erwartungshaltung runterzuschrauben“, sagte sie, „ich werde noch nicht ständig so weit kommen wie bei den French Open.“ Zur Geduld muss sich Petkovic zwingen, aber sie ist realistisch. Im Kreise der Topspielerinnen ist sie bereits angekommen, aber „auf dem Level der besten Fünf bin ich noch nicht“. Viele trauen ihr diesen Sprung zu, doch beim Tennis ist auf Prognosen nur selten Verlass.

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