DFB-Sportdirektor Robin Dutt : "Dann läuft der Titel auf uns zu"

DFB-Sportdirektor Robin Dutt spricht im Interview mit dem Tagesspiegel über die neue Identität des deutschen Fußballs, falsche Neuner, seine Definition von Führungsspielern und warum es keinen Sinn hätte, ihn zum Abschiedsspiel von Michael Ballack einzuladen.

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Robin Dutt, 48, ist seit August 2012 Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Zuvor war er in der Bundesliga als Trainer beim SC Freiburg und bei Bayer Leverkusen tätig. Dutt ist in Köln aufgewachsen, sein Vater stammt aus Indien, seine Mutter kommt aus dem Schwarzwald. Beim DFB ist er unter anderen für die Jugend- und Talentförderung sowie die Optimierung der Trainerausbildung zuständig.
Robin Dutt, 48, ist seit August 2012 Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes. Zuvor war er in der Bundesliga als Trainer beim...Foto: dpa

Herr Dutt, wann haben Sie zuletzt mit Joachim Löw Fußball gespielt?

Da war ich noch Trainer in Freiburg. Es muss also mindestens zwei Jahre her sein. Wir haben mit acht bis zehn Leuten ab und zu in der Halle gekickt, und manchmal hatte ich das Glück, mit Jogi in einer Mannschaft zu spielen. Das sage ich, weil er ein sehr guter Hallenspieler ist.

Wie sieht es mit Ihren Fähigkeiten aus?

Ich habe in den Amateurklassen gespielt, in der Abwehr angefangen und bin nach vorn in den Sturm durchgereicht worden. Oft ist es ja umgekehrt.

Von Ihrer Statur her wären Sie der ideale Stürmer für Löw: nicht zu groß, wendig …

… aber fußballerisch wäre ich schlichtweg zu schlecht.

Irritiert es Sie, mit welcher Vehemenz über das Thema „Echter Mittelstürmer oder falsche Neun“ diskutiert wird?

Überhaupt nicht. Vor kurzem haben wir mit Joachim Löw, Hansi Flick und Andreas Köpke zusammengesessen und uns genau darüber unterhalten. Es gibt doch nichts Schöneres, als wenn die Öffentlichkeit über Fußball diskutiert. Das ist es, was uns weiterbringt.

Wo stehen Sie in dieser Debatte?

Ich bin da nicht dogmatisch. Als Trainer solltest du dich nicht stärker beschränken als notwendig. Wir haben so viele gute Spieler mit so vielen unterschiedlichen Qualitäten, dass es völlig irrsinnig wäre, sich auf ein einziges System festzulegen. Und Joachim Löw hat als Trainer genau das, was ich als Sportdirektor erwarte: einen Plan.

Wie sieht dieser Plan aus?

Das Ziel ist es, bis zur Weltmeisterschaft in Brasilien zwei Systeme perfekt zu beherrschen. Wir können dann in einem 4-2-3-1-System mit Mittelstürmer spielen und genauso ohne echte Spitze wie die Spanier. Das wird die Mannschaft nur stärker machen. Stellen Sie sich mal vor – was sich natürlich niemand wünscht –, Miroslav Klose und Mario Gomez stoßen im ersten Training mit den Köpfen zusammen und fallen aus. Das wäre ein schwerer Schlag, und trotzdem würde vermutlich niemand nervös werden. Weil wir sagen können: Dann spielt halt Marco Reus vorne drin. Oder Mario Götze. Oder Mesut Özil. Sie haben nämlich schon gezeigt, dass sie das können. Es wäre doch fahrlässig, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen. Wichtig ist nur, dass es keine Zufälligkeiten sind, sondern alles einem Plan folgt.

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