Sport : Die Aggressoren

Alba will vom Druck gegen Oldenburg profitieren

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Geballte Kraft. Yassin Idbihi und Alba rangen Oldenburg nieder. Foto: Ottke
Geballte Kraft. Yassin Idbihi und Alba rangen Oldenburg nieder. Foto: OttkeFoto: Harald Ottke

Berlin - Der Willensleistung folgte die klare Botschaft. Yassin Idbihi hatte gerade den Ball – eher mit Kraft denn mit Eleganz – gegen zwei Gegenspieler in den Korb befördert, als sich der 27-Jährige der Oldenburger Bank zuwandte. Alba Berlins Center wischte mit seinen langen Armen vor dem Körper durch die Luft, als wolle er einen gedeckten Tisch abräumen, die universelle Geste für: Ende, vorbei, finito. Zu diesem Zeitpunkt, das Schlussviertel des fünften Play-off-Spiels gegen die Oldenburger hatte gerade begonnen, war längst klar, dass die Berliner ins Viertelfinale einziehen würden. Am Ende gewann Alba souverän und eindrucksvoll mit 99:68, die Oldenburger mussten sich die „Ihr könnt nach Hause fahr’n“-Gesänge der Berliner Fans anhören. „Heute waren wir der Aggressor. Die Aggressivität ist diesmal von uns ausgegangen.“, sagte Idbihi. „Wir mussten uns vor dem Spiel nicht zusammensetzen, jeder wusste, worum es geht.“

Die Berliner traten am Sonntag vor 13 525 begeisterten Zuschauern so konsequent und druckvoll auf, wie sie die Serie gegen Oldenburg begonnen hatten. Albas Geschäftsführer Marco Baldi gab trotzdem zu, bis kurz vor Schluss „extrem aufgeregt“ gewesen zu sein. „Oldenburg hat schließlich oft genug bewiesen, dass sie mit einer Super-Aktion, einem Steal oder Dreier, wieder rankommen können. Auch 18 Punkte Vorsprung zur Halbzeit haben mich nicht beruhigt“, sagte Baldi. „Oldenburg hat früh gemerkt – früher als ich – dass das heute eine Mission Impossible für sie wird.“

Entscheidend dafür war die Konsequenz, mit der Alba über die vollen 40 Minuten verteidigte und das Selbstbewusstsein, das alle Berliner im Angriff ausstrahlten. Zudem kontrollierten die Berliner die Rebounds. „Wir haben diesmal unsere Führung ausgebaut, anstatt nachzulassen“, bemerkte der zuletzt enttäuschende Aufbauspieler Taylor Rochestie, der mit elf Punkten zu alter Form zurückfand. Bemerkenswert war, wie Albas Mannschaft mit dem immensen Druck umging – eine Niederlage hätte das Ende ihrer Saison bedeute. „Uns ist es gelungen, die Anspannung in ein schnelles, sicheres Spiel umzumünzen“, sagte Marco Baldi. „Das ist eine Qualität dieser Mannschaft. Wir gehen jetzt mit einem guten Gefühl aus der Serie heraus, das ist sehr, sehr wichtig.“

Am Dienstag reisen die Berliner nach Frankfurt, wo am Mittwoch (20 Uhr, live bei Sport1) das erste Spiel der Halbfinalserie ansteht. Die Frankfurter hatten ihre Viertelfinalserie gegen Göttingen klar mit 3:0 für sich entschieden und konnten sich deshalb eine ganze Woche erholen. Baldi sieht allerdings keinen Nachteil darin, dass seine Spieler dem Stress der vollen fünf Spiele und besonders dem Druck am Ende der Serie ausgesetzt waren. „Wenn man wie wir von der Schippe gesprungen ist, dann ist alles ein Vorteil“, sagte Baldi. „Natürlich spart man lieber Energie, das Reservoir ist begrenzt. Aber mental kann uns diese Serie einen Rückenwind geben, der bis zum Ende trägt.“

Vizemeister Frankfurt ist den Berlinern körperlich unterlegen, hat aber in dem extrem schnellen Spielmacher DaShaun Wood den überragenden Spieler dieser Bundesliga-Saison in seinen Reihen. „Wir müssen jetzt schnell einen Weg finden, uns auf einen Gegner einzustellen, der völlig anders spielt“, sagte Baldi. „Das wird ein Wettlauf mit der Zeit.“ Am Sonntagabend aber überwog noch die Erleichterung, wie an den strahlenden Gesichtern der Berliner zu erkennen war.

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