Sport : Die Einsamkeit der Ohnmacht

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Bernd Hoffmann hat in wenigen Jahren eine beachtliche Karriere hingelegt. Von einem erfolgreichen Sportrechte-Händler, der weitgehend unbekannt war, hin zu einem Fußballfunktionär moderner Prägung mit hoher öffentlicher Präsenz. Seit 2003 ist er Vorstandvorsitzender des traditionsreichen Hamburger Sportvereins. Doch irgendetwas ist Bernd Hoffmann jetzt dazwischengekommen. Eitelkeit? Vielleicht. Selbstüberschätzung? Auch möglich. Seit gestern ist es um ihn sehr einsam geworden.

Es war der Tag seines 48. Geburtstags, aber auch der Tag, an dem Matthias Sammer als ausgeguckter Sportdirektor dem HSV absagte; Hoffmann absagte. Es war eine Personalie, die Hoffmann ausgeheckt hatte. Das nicht ganz ohne Eigennutz. Hoffmann möchte seinen zum Jahresende auslaufenden Vertrag verlängert bekommen. Dafür brauchte er den Erfolg mit Sammer. Ein solcher Sportdirektor hätte ihn aus einer misslichen Lage katapultiert, in die er sich selbst manövriert hatte, als er sich vor eineinhalb Jahren von Dietmar Beiersdorfer trennte, der als Sportdirektor gut war, aber Hoffmann wohl zu sehr die Schau stahl.

Seitdem wird ein Nachfolger gesucht – erfolglos. Sämtliche Kandidaten wussten um den Machtanspruch Hoffmanns. Es gibt eben nicht viele Männer der Sorte Sammer, die diesem trotzen können. Das Bild, das Hoffmann und damit der gesamte HSV abgeben, ist kein gutes.

Wenn man Hoffmann etwas vorwerfen will, dann, dass er zu lange unterschätzt hat, wie wichtig für einen Verein wie der HSV ein starker Manager/Sportdirektor ist, und wie sehr der Vorstand fußballerischen Sachverstand benötigt. Vielleicht hat Hoffmann sich auch nur ein bisschen überschätzt. Es wäre nicht der erste Klubboss im deutschen Fußball, der, nur weil er lange genug dabei ist und Spaß hat, am Ende auch meint, genügend Ahnung vom Fußball zu haben. Hoffmann ist ein Kaufmann, ein sehr guter sogar. Kaufen kann man vieles, aber Gewinnen im Sinne von Überzeugen ist etwas anderes.

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