Sport : Die Leichtigkeit fehlt

Borussia Dortmund ist die Souveränität des Meisterjahres abhanden gekommen

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Standfußball. Der BVB, hier Gündogan (l.) und Kagawa, sucht seine Form. Foto: dpa
Standfußball. Der BVB, hier Gündogan (l.) und Kagawa, sucht seine Form. Foto: dpaFoto: dpa

Seine Fähigkeit, abseits des Fußballplatzes um zwei Ecken denken zu können, machte sich schnell bezahlt. „Ihr werdet schon die richtigen Worte für Eure Schlagzeilen finden“, sagte Jürgen Klopp, als er am Sonntagabend auf der obligatorischen Pressekonferenz gebeten wurde, den missglückten Saisonstart von Borussia Dortmund zu erklären. „Absturz“, „Krise“ – es gab ein paar Vokabeln, die nach der 1:2 (0:0)-Niederlage bei Hannover 96 sofort die Runde machten. Um zu beschreiben, was dem Meister in den letzten Sekunden einer sehenswerten Partie passiert war, reichte dieser eine Satz von 96-Profi Karim Haggui aber völlig aus. „Wir hatten ein Stück mehr Willen“, sagte der tunesische Nationalspieler. Späte Tore von Haggui und Didier Ya Konan machten Hannover zu einem glücklichen Sieger und ließen Dortmund wie einen Ex-Meister aussehen.

Irgendwann und irgendwie muss ihnen seit dem Start in die Spielzeit 2011/12 ihre Leichtigkeit abhanden gekommen sein. Diese Fähigkeit, ein Spiel so souverän zu bestimmen, dass der Gegner ratlos aufgibt und sich gar nicht mehr wehrt. „Aber meine Mannschaft gibt nie auf“, sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka, dessen Team nach dem Dortmunder Führungstreffer durch Shinji Kagawa wie der sichere Verlierer ausgesehen hatte. Aber zur Verblüffung der 49 000 Zuschauer leisteten sich die Borussen auf dem Weg zu ihrer dritten Saisonniederlage eine Passivität in der Schlussphase, die angesichts des großen Selbstvertrauens und der Euphorie in der vergangenen Meister-Saison undenkbar gewesen ist. „Wir müssen alle wieder begreifen, dass wir über 95 Minuten 100 Prozent geben müssen“, sagte der Dortmunder Linksverteidiger Marcel Schmelzer. In Hannover waren sie 75 Minuten lang in allen Belangen überlegen gewesen, um dann doch noch unterzugehen. Zwei Fehler von Innenverteidiger Neven Subotic ermöglichten die Gegentreffer innerhalb von 116 Sekunden.

Es fehlt etwas. Bei Kevin Großkreutz zum Beispiel, wegen seiner jüngsten Formschwäche zunächst nur auf der Ersatzbank, kam nur einen Schritt zu spät, um das 0:2 und damit die Vorentscheidung zu erzielen. Und der Dortmunder Innenverteidigung, die in der Schlussphase ohne den bis dahin starken Mats Hummels auskommen musste, war die Orientierung abhanden gekommen. „Wir waren am Ende einfach zu passiv, also verlieren wir dieses Ding hier“, sagte BVB-Trainer Klopp. Dieses Ding ließ Dortmund bis auf Rang elf in der Tabelle abrutschen und bringt den Meistermacher mit seinem ersatzgeschwächten Team gehörig unter Druck. Acht Punkte Rückstand nach nur sechs Spieltagen auf Spitzenreiter Bayern München sind ein gnadenloser Beleg dafür, wie groß der Leistungsabstand in dieser Saison auszufallen scheint.

Dortmund hatte nach dem Auftritt in der Champions League zwei Tage mehr Zeit zur Regeneration als Hannover. Aber solch einsatzfreudige Spieler wie Lars Stindl und Moritz Stoppelkamp, die bundesweit kaum jemand kennt, die aber trotzdem nicht zu stoppen waren, zeigten wahrhaft meisterliche Laufleistungen.

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