Sport : Die Spuren der vielen Spiele

Hannover 96 will beim Pokalspiel in Dortmund gegen den Substanzverlust ankämpfen und sich in der Winterpause verstärken.

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Klarer Fall, der Mann braucht eine Pause. Mame Diouf war zuletzt so erschöpft, dass es unsicher ist, ob er heute beim Pokalspiel in Dortmund überhaupt für 96 auflaufen kann. Foto: dpa
Klarer Fall, der Mann braucht eine Pause. Mame Diouf war zuletzt so erschöpft, dass es unsicher ist, ob er heute beim Pokalspiel...Foto: dpa

Hannover - Der Lohn für ihr furchtbar anstrengendes Arbeitsjahr ist eine Strafarbeit. Mit 52 Pflichtspielen in den vergangenen zwölf Monaten hat sich Hannover 96, geschunden durch Auftritte in Europa League, Bundesliga und DFB-Pokal, den Titel des deutschen Fleiß-Meisters verdient. Mit dem heutigen Auftritt im Pokal-Achtelfinale beim Deutschen Meister Borussia Dortmund (20.15 Uhr/ARD) findet der hannoversche Fußball im Akkord ein besonders anstrengendes Ende. „Wir kassieren zu viele Gegentore“, gesteht Hannovers Kapitän Steven Cherundolo, der wie seine Kollegen die Winterpause herbeisehnt. Der US-Nationalspieler ist Teil einer löchrigen Abwehr, die mittlerweile zu den schlechtesten der Bundesliga gehört.

Die Quittung für den Hannoveraner Höhenflug, der schon seit fast zwei Jahren andauert, fällt gnadenlos aus. 31 Gegentore in der Bundesliga-Hinrunde sind der Beleg dafür, dass die müden und entkräfteten Profis von Hannover dringend eine Pause benötigen. Obwohl die Mannschaft erneut die K.-o.-Phase der Europa League erreicht hat, hält sich die Laune von Cheftrainer Mirko Slomka in Grenzen. „Wir haben aus unseren Fehlern einfach nichts gelernt“, sagt der Mann, dessen erfolgreiche Arbeit gerade mit einer Vertragsverlängerung bis 2016 belohnt worden ist und der mit seinem Team in der Bundesligatabelle aber auch bis auf Rang elf abgerutscht ist. Der hannoversche Hurra-Fußball mit schnellen Kontern und einer geschickten Raumaufteilung, eben noch als pfiffige Weiterentwicklung des Spielsystems von Borussia Dortmund gefeiert, offenbart seine Tücken. Nur die desolate Abwehr der TSG Hoffenheim hat in der Hinrunde noch mehr Gegentreffer kassiert.

Das Dilemma einer Verteidigung, der im Sommer Emanuel Pogatetz abhanden gekommen war, soll während der Winterpause so schnell wie möglich behoben werden. „Es war zu erkennen, dass die Mannschaft die Entwicklung so nicht weiterführen kann. Die Belastung ist deutlich erkennbar“, gesteht Präsident Martin Kind, der bereits versprochen hat, zwei Verstärkungen für die Rückrunde abzuzeichnen. Der als Pogatetz-Ersatz verpflichtete Brasilianer Felipe, für den Hannover immerhin 2,5 Millionen Euro an Standard Lüttich überweisen musste, hat sich angesichts von schwachen Auftritten und vielen Verletzungen noch nicht bezahlt gemacht. Der Schweizer Mario Eggimann und der Tunesier Karim Haggui können darüber hinaus nicht alle Aufgaben bewältigen, die auf sie zukommen. Beide müssen sich deshalb +damit arrangieren, dass bald frisches Personal ihre Stammplätze gefährdet.

Die Freude über ihre Leistungsträger in der Offensive kommt Stück für Stück abhanden. Mame Diouf etwa, vom Reservisten bei Manchester United in Hannover zu einem der torgefährlichsten Angreifer der Bundesliga aufgestiegen, hechelt völlig entkräftet der Spielpause entgegen. Der Senegalese bekommt schon seit Wochen während der Halbzeitunterbrechungen warme Wickel angelegt, damit sich seine Muskulatur nicht weiter verkrampft. In Dortmund, wo Hannovers 30. Pflichtspiel der laufenden Saison ansteht, droht Diouf genau wie der frühere Nationalspieler Jan Schlaudraff mit Problemen im Oberschenkel auszufallen. Angesichts dieser Ausgangsposition wäre es eher vermessen, mit weiteren Einnahmen im DFB-Pokal zu planen.

Die eher magere Bilanz in der Bundesliga macht klar, warum der sonst sparsame Millionär und Großunternehmer Martin Kind Investitionen in die Zukunft von Hannover 96 bewilligt. Christian Otto

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