Sport : „Die Vision ist eine Liga“

Euroleague-Chef Bertomeu über die Zukunft des europäischen Basketballs und Wildcards für Alba.

Die letzten europäischen Minuten. 2009 war Albas bis dato letzter Auftritt in der Euroleague gegen Maroussi Athen. Foto: dapd
Die letzten europäischen Minuten. 2009 war Albas bis dato letzter Auftritt in der Euroleague gegen Maroussi Athen. Foto: dapdFoto: dapd

Herr Bertomeu, Berlin scheint für Sie und die Euroleague ein besonderer Ort zu sein.

Das stimmt. Ich denke, dass wir in den letzten Jahren gezeigt haben, dass Alba Berlin uns am Herzen liegt. Alba ist ein sehr gut organisierter Klub mit loyalen Fans, der Zuschauerschnitt gehört zu den besten in Europa. Wenn wir also die Chance hatten, Alba einzuladen, haben wir das getan.

Alba ist in der Bundesliga im Viertelfinale gescheitert, hat von Ihnen für diese Saison aber eine Wildcard bekommen. Manche Klubs haben eine sogenannte A-Lizenz, die sie jedes Jahr zum Start berechtigt. Andere Mannschaften müssen sich sportlich qualifizieren und erhalten eine B-Lizenz. Das ist doch kein ideales System.

Wie viele Leute wissen, wie die Tennis-Weltrangliste funktioniert? Wir haben 14 stabile Klubs, die mit einer permanenten Lizenz antreten, egal wo sie in ihrer heimischen Liga landen. Dazu kommen die Meister der besten Ligen und der Eurocup-Champion. So schwer ist das gar nicht: Es ist eine Liga der Champions.

Dadurch, dass in vielen Ländern ein A-Lizenz-Team Meister wird, ergeben sich aber Verschiebungen. Zudem verteilen Sie Wildcards, die Kriterien dafür sind oft unklar.

Die Liga wird von Klubs getragen. Sie entscheiden, wer teilnimmt. Wir überlegen gemeinsam: Was ist der beste Markt für unsere Liga? Und wir haben eben entschieden, dass wir gerne ein zweites Team aus Deutschland haben möchten, aus einem der wichtigsten Märkte. Wir hätten auch ein fünftes spanisches Team nehmen können, das sportlich vielleicht besser wäre. Aber warum sollten wir das tun? Wir haben genug spanische Klubs.

Diese Entscheidungen sind nicht immer transparent.

Es geht nicht um Transparenz. Die Liga hat die Freiheit, die freien Plätze im Interesse der Liga zu besetzen. Und wir wollen eben in die großen Märkte. Die NBA hat auch kein Team in Kansas City.

Wie beurteilen Sie in dieser Hinsicht die Basketball-Bundesliga BBL?

Die Liga hat sich beeindruckend entwickelt. Zurzeit ist die BBL in vielerlei Hinsicht die zweitbeste Liga in Europa. Die Zuschauerzahlen sind gut, die Klubs finanziell stabil. Das sportliche Level muss sich aber noch entwickeln. Der nächste Schritt muss sein, dass ein deutsches Team um den Euroleague-Titel mitspielt.

Was muss dafür passieren?

Die Vereine wissen besser als ich, was sie tun müssen. Man braucht aber nicht unbedingt ein Budget von 40 Millionen Euro, um den Titel zu gewinnen. Wir hatten auch schon Teams wie Partizan Belgrad im Final Four, die finanziell sicher nicht zu den Topklubs gehören.

Im März hat sich die Euroleague eine Financial-Fairplay-Regelung verordnet. Wie bringen Sie den Mäzenen in Südeuropa oder Russland bei, dass sie plötzlich sauber abrechnen und profitabel wirtschaften müssen?

Wir verdanken den Leuten, die in den Basketball investieren, eine Menge. Aber wir müssen den Klubs beibringen, dass es eine Balance zwischen Ausgaben und Einnahmen geben muss. Wir müssen festlegen, wie viel ein Klubbesitzer maximal aus eigener Tasche in seine Mannschaft stecken darf. Diese Botschaft ist angekommen: In drei Jahren wird das Financial Fairplay vollständig umgesetzt sein.

In welche Richtung soll sich die Euroleague entwickeln?

Diese Saison wird zeigen, wo wir hinwollen: Wir erhöhen die Zahl der Spiele, es gibt eine Zwischenrunde mit zwei Achtergruppen. Wir bewegen uns mehr in Richtung einer Liga und weg von einem Pokalsystem. Die Vision ist eine Liga mit stetigen Mitgliedern, mit großen, modernen Hallen, einer großen Fernsehverbreitung.

Das klingt sehr nach einer europäischen NBA: einheitlicher Standard, eine geschlossene Gesellschaft, kein Auf- und Abstieg.

Nein, überhaupt nicht. Wir dürfen uns nicht vom Wettbewerbsgedanken verabschieden. Ich glaube nicht, dass geschlossene Ligen die Lösung sind. Landesmeister müssen immer in der Euroleague spielen, so bekommt der Titel in den nationalen Ligen einen besonderen Anreiz.

Sie haben Alba in den vergangenen Jahren mehrmals mit Wildcards unter die Arme gegriffen. Ist es jetzt Zeit für den Verein, mit sportlichen Erfolgen zurückzuzahlen?

Alba muss uns nichts zurückzahlen. Es stimmt aber: Wir haben Alba viele Möglichkeiten gegeben, jetzt erwarten und hoffen wir, dass sie in dieser Saison gute Leistungen zeigen.

Das Gespräch führte Lars Spannagel.

Jordi Bertomeu, 53, ist seit dem Jahr 2000 Präsident und Geschäftsführer der Basketball-Euroleague. Der Spanier war zuvor Generalsekretär in der spanischen

Liga ACB.

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