Sport : Die Volley Cats wollen in der neuen Saison um den Titel kämpfen

Ernst Podeswa

Die Berliner Sportlandschaft wird immer tierischer. Nach Eisbären, Berlin Adler Girls und Albatrossen stehen nun auch Katzen in der Arena. Und zwar die Volley Cats Berlin in der Volleyball-Bundesliga der Frauen, die am 17. Oktober startet. Der späte Saisonbeginn hängt mit der Europameisterschaft zusammen. Zum Leidwesen von Manager Siegbert Brutschin ("Wir verlangen vom Verband eine Erklärung, warum Anja Nadin Pietrek nicht nominiert wurde") war diesmal keine Berliner Spielerin an EM-Rang vier des deutschen Aufgebots beteiligt. Ein Novum aus Sicht des Vereins, der zehn Jahre und länger stets in Auswahl- und Nationalmannschaften vertreten war.

Der Wechsel des Vereinsnamens von CJD zu Volley Cats ist leicht zu erklären: Weil zum Christlichen Jugend-Dorf (CJD) schon länger kein Bezug mehr existiert, beschlossen die Mitglieder die Umbenennung. Neun Jahre CJD bedeuten zwei Meistertitel, vier Pokalsiege, einen Triumph im Europapokal und die Reputation, eine Mannschaft europäischer Klasse gewesen zu sein. Dies war maßgeblich Trainer Volker Spiegels Arbeit zu verdanken, der seit 1985 (damals beim SC Dynamo) um Qualitäts-Frauenvolleyball in Berlin bemüht war. Nur Rang fünf und das Verpassen der Pokal-Endrunde in der Vorsaison verdeutlichten einen Abnutzungseffekt im Zusammenspiel Trainer/Mannschaft. Auch finanzielle Klimmzüge bis auf etwa 950 000 Mark Gesamtetat halfen seinerzeit nicht. Die Folge sind rund 70 000 DM ausstehende Verbindlichkeiten, ein auf etwa 800 000 DM reduziertes Budget, bei dem reichlich ein Viertel über den Senat aus Lotteriegeldern kommen. Aktuelle Etatlücken ergeben sich aus einer "Zurückhaltung von Sponsoren" (Brutschin).

Spiegels Vertrag war vorzeitig gekündigt worden. "Wir haben einen Vergleich geschlossen, bei dem er uns bei Bedarf noch für ein Jahr beratend zur Seite steht", erklärt Vereins-Präsident Norbert Bücker, der Spiegels Verdienste ausdrücklich würdigte. Der neue Bankchef ist ein alter Bekannter in Berlin: Mirko Culic (36), fünf Jahre Zuspieler beim SC Charlottenburg, 260facher Auswahlspieler für Jugoslawien und nach anderthalb Jahren Assistenzcoach eines US-Collegeteams wieder an der Spree: "Ich bin froh, das Angebot als Headcoach für eine Mannschaft im Leistungssport erhalten zu haben. Ich möchte mit dem Team guten Sport bieten und zugleich den Einbau junger Spielerinnen voran bringen." Die enge Finanzlage hat auch den Kaderwechsel limitiert: Den Abgängen Cecilia Goods, Silke Nörenberg und Kathrin Möllmer stehen die Zugänge Stephanie Kohse, eine Juniorin, und Rückkehrerin Ulrike Schlenstedt gegenüber.

Während sich Culic bei Prognosen zurückhält, lässt Cats-Präsident Bücker die Katze aus dem Sack: "Ich traue der Mannschaft, die im Vorjahr weit unter ihren Möglichkeiten blieb, zu, dass sie einen Titel holen kann." Mit einem Rekordprogramm von mehr als 20 Vorbereitungsspielen will der Trainer dafür die Basis legen. Zum Abschluss mit einem Turnier in dieser Woche in Athen sowie vom 8. bis 10. Oktober beim Volley Cup im Sportforum. "Das Training macht wieder Spaß, die Mannschaft ist motiviert, wir wollen Erfolg haben", beschreibt Angreiferin Anja Nadin Pietrek die Stimmung.

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