Doping im Fußball : Was wusste Gerhard Mayer-Vorfelder?

Gerhard Mayer-Vorfelder war in dem von der Freiburger Evaluierungs-Kommission genannten Zeitraum, in dem systematisches Dopings beim VfB Stuttgart stattgefunden haben soll, der Präsident des Vereins. Was wusste er von den Praktiken?

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Keine Macht den Drogen: Gerhard Mayer-Vorfelder 1976 als VfB-Präsident. Foto: imago sportfotodienst
Keine Macht den Drogen: Gerhard Mayer-Vorfelder 1976 als VfB-Präsident.Foto: imago sportfotodienst

In Notlagen hat Gerhard Mayer-Vorfelder stets zwei Strategien der Krisenbewältigung verfolgt, in seiner politischen Karriere wie auch als Präsident des VfB Stuttgart und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Entweder er trat offensiv und wortgewaltig auf, um seine Kritiker in die Schranken zu weisen. Oder er ging in Deckung, um die Welle über sich hinwegziehen zu lassen. Heute schweigt der ehemalige Kultus- und Finanzminister von Baden-Württemberg wieder, obwohl es viel zu sagen gäbe zur jüngst aufgedeckten Dopingaffäre um den VfB Stuttgart. Dem Bundesligisten wird vorgeworfen, in den späten 70er und frühen 80er Jahren verbotene Dopingmittel eingesetzt zu haben, zu der Zeit also, als Mayer-Vorfelder Vereinspräsident war. Der Südwestdeutsche Rundfunk (SWR) enthüllte zuletzt weitere Details.

Der Klubpatriarch, oft nur MV genannt, soll davon demnach gewusst haben. Die Vermutung stützt sich auf in den Akten aufgetauchte Unterschriften Mayer-Vorfelders. Er hatte offenbar Rechnungen des umstrittenen ehemaligen Freiburger Sportmediziners Armin Klümper unterzeichnet, der dem VfB Verbandsmaterial und Medikamente für rund 117.000 Mark lieferte. Die Lieferungen seien über MV und die Geschäftsstelle des VfB abgerechnet worden. Das ist vorstellbar, denn Mayer-Vorfelders Amtsführung als Fußball-Präsident kam oft genug der eines Alleinherrschers gleich.

Doping im Fußball - die prominentesten Fälle
Er gilt als einer der größten Fußballer aller Zeiten. Doch leider war Diego Maradona auch groß bei Skandalen dabei. Foto: dpaWeitere Bilder anzeigen
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22.02.2013 13:31Er gilt als einer der größten Fußballer aller Zeiten. Doch leider war Diego Maradona auch groß bei Skandalen dabei.

Dass der 82 Jahre alte Mayer-Vorfelder heute schweigt, hat nicht nur mit seinem Rückzug ins Privatleben zu tun, sondern auch mit seinem angegriffenen Gesundheitszustand. „Keine Interviews und Statements“, teilt sein Büro beim Württembergischen Fußballverband mit. Das gilt nicht nur für die Dopingaffäre, sondern generell. Nicht einmal für ein Buchprojekt über ehemalige Bundestrainer wollte er zuletzt etwas sagen.

Gerhard Mayer-Vorfleder war im relevanten Zeitraum Präsident des VfB Stuttgart

Von 1975 bis 2000 war Mayer-Vorfelder Präsident des VfB Stuttgart. Just in diese Zeit fallen die Zeiträume, in denen die Freiburger Evaluierungs-Kommission Hinweise entdeckte auf den Einsatz von Dopingmitteln. Das Kommissionsmitglied Andreas Singler hatte Ermittlungsergebnisse ohne Wissen der übrigen Mitglieder teilweise vorab veröffentlicht. Im Herbst 2015 sollte ein Abschlussbericht vorgelegt werden. Bisher wurden den betroffenen Klubs und dem DFB Akteneinsicht verwehrt. Sowohl der VfB als auch der SC Freiburg, gegen den ebenfalls Vorwürfe im Raum stehen, distanzierten sich vom Einsatz von Dopingpräparaten und versprachen Aufklärung.

In den staatsanwaltschaftlichen Akten, die aus einem Verfahren gegen Klümper wegen Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen stammen, werden Lieferungen aus den Jahren 1978 bis 1981 genannt. Diese sollen verschiedene anabole Mittel enthalten haben. Der damalige Physiotherapeut des VfB, Francois Caneri, sprang Mayer-Vorfelder zur Seite: „Doping hat es beim VfB Stuttgart nicht gegeben, das hätte ich gewusst“, sagte Caneri vor kurzem den „Stuttgarter Nachrichten“. Der Präsident habe Wert darauf gelegt, dass es sich bei den Lieferungen nicht um Doping-Mittel handelte.

VfB-Teamarzt Hornung: Man darf davon ausgehen, dass illegale Substanzen verabreicht worden sind

Alois Hornung, aktueller Teamarzt der Amateure und seit 1980 im medizinischen Stab des VfB, äußerte jedoch weitere Verdächtigungen: „Dass Substanzen verabreicht worden sind, die illegal oder zum Teil illegal waren, davon darf man ausgehen“, sagte er dem SWR. Um schneller fit zu werden, seien viele Spieler nach Freiburg gefahren. Klümper habe gespritzt, „was er wollte“, sagte Hornung. Heute lebt Klümper in Südafrika. Hornung nannte weitere Klubs, die Kunden von Klümper gewesen seien: Der Karlsruher SC, Bayern München, 1. FC Nürnberg und 1860 München.

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