Dopingforscher über neues Mittel MGF : „Die Alarmstufe ist sehr hoch“

Anti-Dopingforscher Mario Thevis spricht vor dem Start der Winterspiele in Sotschi über Wirkung, Nachweis und Gefahr der neuen Dopingsubstanz MGF.

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Dopingkontrolle auf Russisch. MGF ist die neue Modedroge vor den Winterspielen in Sotschi.
Dopingkontrolle auf Russisch. MGF ist die neue Modedroge vor den Winterspielen in Sotschi.Foto: Imago

Herr Thevis, kurz vor Beginn der Olympischen Winterspiele ist eine neue Dopingsubstanz aufgetaucht, MGF. Wie gefährlich ist sie?

Ich finde es schon überraschend und fast schockierend, wie hier eine wenig bis gar nicht überprüfte Substanz in Umlauf gebracht wird. Es gibt eigentlich keine Studien dazu, das heißt, die Substanz ist nicht an lebenden Objekten erprobt. Das ist schon kriminell.

Sie haben schon das Auftauchen von vielen Dopingsubstanzen erlebt. Wie alarmiert sind Sie in diesem Fall?

Die Alarmstufe ist sehr hoch, diese Substanz ähnelt in der Herstellung und im Vertrieb den Designersteroiden. Hier wird also etwas erzeugt und verkauft, was nur zu Dopingzwecken dient und keinerlei pharmazeutischem Einsatz. MGF nehmen nur Personen, die das Doping-Kontrollsystem unterlaufen wollen.

Wie wirkt die Substanz denn?

Im Grunde wie der Wachstumsfaktor IGF1, sie erzeugt also einen Zuwachs an Muskelmasse, an Umfang und an Kraft. Wenn sie Dopingmittel in Substanzklassen einteilen, gehört MGF wie IGF1 und Wachstumshormon zu den Wachstumsfaktoren.

Ist diese Klasse endlich oder gibt es unendliche Möglichkeiten, mit Wachstumsfaktoren zu dopen?

Nein, zum Glück sind die Möglichkeiten hier endlich. Wir haben ein Gen, das wiederum sechs Abschnitte hat, aus denen die Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktoren wie IGF-1 und MGF hervorgehen.

Von Wachstumshormon und IGF1 ist in Doperkreisen oft zu hören. Warum gerade von diesen Substanzen?

Wachstumsfaktoren sind teilweise auch als Medikament zugelassen. Dopende Personen versprechen sich davon, dass das natürliche Vorkommen dieser Peptidhormone es den Kontrolleuren schwerer macht, sie zu entdecken. Das ist auch nicht von der Hand zu weisen. Es ist ungleich komplexer, Dopingsubstanzen nachzuweisen, wenn sie körpereigen oder körperidentisch sind.

Wie können Sie darauf reagieren?

Wir wussten schon etwas länger, dass so etwas wie MGF kommen könnte und erste Funde verwandter Verbindungen lagen bereits 2008 vor. Wenn wir herausfinden wollen, ob ein Athlet schon damit dopt, müssen wir vielleicht noch nicht einmal die eingefrorenen Proben erneut öffnen, sondern können unsere bereits erhobenen Daten erneut gezielt hinsichtlich des neuen MGFs auswerten. Gerade weil es Substanzen wie IGF1 ähnlich ist. Wir sind in diesem Fall nicht schlecht aufgestellt.

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