Dortmund - Schalke 0:0 : Viel Kampf, keine Tore

Ein mitreißendes Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 endet ohne Sieger. Dass die Schalker im 144. Revierschlager nicht verlieren, haben sie vor allem Torwart Ralf Fährmann zu verdanken.

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Hohe Kunst am Ball. Der Dortmunder Henrich Mchitarjan (hinten) und Schalkes Roman Neustädter im Kopfballduell.
Hohe Kunst am Ball. Der Dortmunder Henrich Mchitarjan (hinten) und Schalkes Roman Neustädter im Kopfballduell.Foto: dpa

Es war noch nicht lange gespielt, als Kevin Großkreutz und Sead Kolasinac in höchstem Tempo ineinander rauschten. Der Schalker überschlug sich ein halbes Duzend Mal, der Dortmunder beteuerte gestenreich seine Unschuld, Schiedsrichter Florian Meyer ermahnte Großkreutz eindringlich. Spätestens da war klar, dass das Revierderby alles halten würde, was sich die Menschen in Dortmund und Gelsenkirchen von dieser Auseinandersetzung versprochen hatten: Ein mitreißendes Kampfspiel, bei dem jeder an die Grenzen gehen würde. Es gab bei der 144. Auflage des Klassikers zwar keine Tore zu bewundern, aber dafür zwei Mannschaften, die sich aufopferten.

Erfreulich war, dass es im Gegensatz zum Hinspiel in Gelsenkirchen zumindest bis zum Schlusspfiff zu keinen nennenswerten Ausschreitungen kam. 3000 Polizeibeamte hatten das Derby zu einem Hochsicherheitsspiel gemacht.

Vor 77.600 Zuschauern im Dortmunder Stadion, dessen Kapazität aus Sicherheitsgründen um 3000 Plätze verringert worden war, hielten sich beide Teams nach dem Anpfiff gar nicht erst mit taktischem Geplänkel auf, sondern agierten mit offenem Visier: Sead Kolasinac ließ den indisponierten Lukasz Piszczek auf der rechten Außenbahn ins Leere laufen und bediente Torjäger Huntelaar, der über das Tor schoss. Auf der anderen Seite vergab Lewandowski nach einer Flanke des quirligen Marco Reus eine gute Kopfballchance.

Julian Draxler sorgt mit rüdem Foul für Aufregung

In der Folgezeit wirkte der Gast aus Schalke ballsicherer und hatte die geringere Fehlpassquote, doch als Kapitän Sebastian Kehl nach einer Flanke von Großkreutz zum Kopfball kam, übernahm der BVB das Kommando. Schalke hielt dagegen und trat dabei teilweise reichlich physisch auf. Nachdem Draxler rüde in Piszczek hineingesprungen war, gab es eine Rudelbildung. Die fällige Gelbe Karte holte sich der Jung-Nationalspieler wenig später nach einem Foul an Großkreutz ab.

Die Mannschaft von Jürgen Klopp erkämpfte sich mit einem enormen läuferischen Engagement von Minute zu Minute ein Übergewicht, das eigentlich mit der Führung hätte belohnt werden müssen. Mchitarjan und zweimal Reus vergaben bis zur Halbzeit drei hervorragende Möglichkeiten. Da hatte Schalke Glück und durfte sich bei Torhüter Ralf Fährmann bedanken, der kurz vor dem Pausenpfiff gegen Reus toll reagierte.

Boateng sieht seine fünfte Gelbe Karte und fehlt am Freitag gegen Hertha BSC

Nach dem Seitenwechsel drückte die Borussia weiter. Reus kam im Sturmzentrum zwei Mal einen Tick zu spät, beim dritten Anlauf schaffte es Lewandowski nicht, den letzten Pass zu seinem Kollegen zu bringen. Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, wann das Schalker Bollwerk bröckeln würde, Dortmunds Überlegenheit war jetzt frappierend.

Als sich die Schalker nach einer Stunde zum ersten Mal nach dem Seitenwechsel aus der Umklammerung lösten, gingen sie fast in Führung: Neustädter kam nach einem Freistoß von Draxler völlig frei zum Abschluss, doch sein Kopfball landete in den Armen von Weidenfeller. Es war ein kurzes Intermezzo, danach ging es wieder mit Volldampf in die andere Richtung: Lewandowski war allein durch, scheiterte aber am erneut großartigen Fährmann, auch den Kopfball von Reus parierte er. Und als Schalkes Bester geschlagen war, strich Mchitarjans Flachschuss am langen Pfosten vorbei.

So blieb es beim 0:0, das sich die junge Schalker Mannschaft redlich verdiente. Kevin Prince Boateng sah allerdings die fünfte Gelbe Karte und ist somit am Freitag für das Spiel gegen Hertha gesperrt. Die Dortmunder konnten mit dem Unentschieden den zweiten Tabellenplatz vor dem ungeliebten Rivalen verteidigten. Der BVB kann in dieser Saison also noch Reviermeister werden – mehr ist ja nicht mehr drin.

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