Dortmunds Co Zeljko Buvac : Der andere Meistertrainer

Hinter Borussia Dortmunds Erfolg steckt ein wortkarger Denker: Co-Trainer Zeljko Buvac. Seit Jahren ist er der Schattenmann hinter Jürgen Klopp - und fühlt sich wohl in dieser Rolle.

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Schattenmann und Frontmann. Zeljko Buvac (links) und Jürgen Klopp.
Schattenmann und Frontmann. Zeljko Buvac (links) und Jürgen Klopp.Foto: dapd

Dortmund - Es soll tatsächlich Journalisten geben, die aus dem Mund von Zeljko Buvac mehrere zusammenhängende Sätze in Folge vernommen haben. Aber das ist gut zehn Jahre her. Damals war Buvac Cheftrainer des Oberligisten SC Neukirchen, und in dieser Funktion gehörte es zu seinen Aufgaben, die wichtigsten Gegebenheiten des Tagesgeschäfts zu erläutern.

Mit Begeisterung ist der Bosnier dem nicht nachgekommen. Umso größer dürfte seine Freude gewesen sein, als er 2001 von dieser lästigen Pflicht erlöst wurde. Damals kam der Ruf aus Mainz, seitdem arbeitet Buvac als Co-Trainer von Jürgen Klopp, dem er 2008 nach Dortmund folgte. Die Liaison bietet viele Vorteile, einer davon wird dem 50-Jährigen ganz besonders gefallen: Er muss in der Öffentlichkeit nicht mehr reden.

Buvacs Einsilbigkeit ist keine Attitüde, sondern Naturell. Der Mann hält sich am liebsten im Hintergrund, was ihm meist gelingt, obwohl er bei einer Größe von 1,92 Metern und der dunklen Mähne nur schwer zu übersehen ist. Wenn der Chef über seinen wichtigsten Mitarbeiter redet, gerät er ins Schwärmen: „Zeljko ist Fleisch gewordener Fußball-Sachverstand und Meister aller Trainingsformen“, sagt Klopp. Die Symbiose zwischen Klopp und seinem Alter Ego auf dem Trainingsplatz erscheint ideal: Auf der einen Seite der brillante Rhetoriker, der sich im Scheinwerferlicht eloquent und charmant zu bewegen weiß, auf der anderen Seite der Macher, dem sie den Beinamen „Das Gehirn“ gegeben haben. Ein Attribut, mit dem Buvac gut leben kann: „Es gibt Schlimmeres, ich find das nicht schlecht.“

Klopp und Buvac kennen sich seit 20 Jahren, damals spielten sie gemeinsamen bei Mainz 05. Klopp war ein nimmermüder Rackerer, der vom Stürmer zum Verteidiger umfunktioniert wurde. Der stille Teil des Duos zog im Mittelfeld die Fäden. Es entstand eine Freundschaft, die auch dann noch Bestand haben sollte, als sich die Wege zwischenzeitlich trennten. Als Klopp in Mainz vom Spielfeld weg zum Cheftrainer befördert wurde, erinnerte er sich einer gemeinsamen Absprache und löste sie ein: Wenn immer einer von beiden als Trainer im Profifußball Fuß fassen sollte – so der Schwur – würde er den anderen an seine Seite holen. Gesagt getan: Buvac gesellte sich zu Klopp. Als Assistent. Keine Selbstverständlichkeit, schließlich war der Ältere nicht nur Lizenzgeber – Klopp besaß keinen Trainerschein – Buvac konnte zudem auf eine dreijährige Berufserfahrung verweisen.

Ansprüche hat Buvac daraus nie abgeleitet. Der Schattenmann hat keine Probleme damit, wenn Klopp im Vordergrund steht. Grob vereinfacht kann man das Dortmunder Tandem so beschreiben: Klopp ist der Meister der Ansprache und Mannschaftsführung, Buvac der Meister der Trainingsinhalte und Strategie. Klopp ist zwar ebenfalls Fachmann, doch erst im Zusammenspiel mit seinem Buvac kommen seine Fähigkeiten richtig zur Geltung.

Neben seinem analytischen Geschick zeichnet sich Buvac vor allem als Erfinder von komplexen Übungs- und Spielformen aus. Dort beweist er eine enorm kreative Ader und schafft es, 10 bis 15 Elemente aneinanderzureihen, ohne dass der Fluss verloren geht. Passspiel, Laufwege, der Abstand der Spieler zueinander, der Abschluss und all die anderen spielrelevanten Dinge können so in immer neuen Variationen durchgespielt werden. Eigentlich müsste einer wie Buvac die Fachliteratur bereichern. Doch auch solche Ambitionen sind ihm fremd. Dieser Mann muss sein Konterfei nicht auf Buchtiteln wiederfinden. Buvac ist Buvac, basta. Felix Meininghaus

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