Düsseldorf - Wolfsburg 1:4 : Triumphmarsch der Begnadigten

Spiel eins nach dem Rauswurf von Alleinherrscher Felix Magath: Und schon siegen Wolfsburgs vergessene Reservisten gegen Fortuna Düsseldorf mit 4:1.

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Wenn Wölfe lächeln: Wolfsburger Spieler jubeln mit mit Bas Dost (2. v. l.) über sein Tor zum 0:1.
Wenn Wölfe lächeln: Wolfsburger Spieler jubeln mit mit Bas Dost (2. v. l.) über sein Tor zum 0:1.Foto: dpa

Düsseldorf - Die nachträgliche Verabschiedung seines alten Trainers nahm Diego unter Missachtung aller diplomatischen Grundsätze vor. Den Namen des am Donnerstag in die Wüste geschickten Felix Magath wollte Wolfsburgs Spielmacher dabei ausdrücklich nicht in den Mund nehmen, dafür erklärte er süffisant: „Ich wünsche ihm alles Gute. Ich hoffe, er wird glücklich – wir sind es.“ Diegos Lebwohl ließ keine Fragen über das belastete Verhältnis zwischen Magath und den VfL-Kickern offen. „Das ist ein Neuanfang für uns“, verkündete der Brasilianer feierlich. „Alle Spieler fühlen sich frei und machen sich im Spiel keine Sorgen, Fehler zu machen.“

Etwas dezenter äußerte sich nach dem 4:1-Auswärtssieg bei Fortuna Düsseldorf Lorenz-Günther Köstner. Der 60-Jährige, der bei den Niedersachsen bereits zum zweiten Mal für einen freigestellten Trainer einspringt, hegt schließlich Hoffnungen auf ein dauerhaftes Engagement als Bank-Chef. Im Januar 2010 half er schon nach der Beurlaubung von Armin Veh aus. Nun läuft der nächste Rettungsdienst – und Köstner, der seine Ambitionen mit bewusst gebremster Wucht vertritt, bekennt: „Für einen Trainer ist es das Größte, wenn er in der Bundesliga arbeiten kann. Und wenn man zum zweiten Mal gefragt wird, ist es eine Bestätigung, dass es beim ersten Mal nicht so schlecht war.“

Die Mannschaft, die Fortunas fußballerisch arg begrenzten Aufsteigern nach dem 0:5 gegen München die zweite mächtige Heimniederlage binnen einer Woche verpasste, hatte Köstner bereits nach dem ersten Trainingsspiel parat. Zwei Stunden nach seiner kurzfristigen Beförderung beorderte er beim Übungskick sechs Spieler in die A-Elf, die unter Magath quasi schon in die Verbannung geschickt worden waren. Darunter Simon Kjaer, Jan Polak, Makoto Hasebe – und Diego, der gegen die Breisgauer noch 90 Minuten auf der Reservebank schmorte.

Diesmal spielte der 27-Jährige von Beginn an – in einer als Schlusslicht angereisten Elf, die ihre erkennbare Verunsicherung mit fortschreitender Spieldauer ablegte. So musste Fortuna-Keeper Fabian Giefer kurz vor der Halbzeit zwei Mal einen Rückstand verhindern, gleich nach der Pause holte die Köstner-Elf das Versäumte jedoch nach: Einmal durch Bas Dost, nach einem Querpass von Ivica Olic. Und drei Minuten später, als Diego den Kollegen Olic anspielte, der seinerseits Verteidiger Tobias Levels überlief und zum 2:0 abstaubte.

Nach knapp einer Stunde unter der Leitung von Köstner hatte Wolfsburg bereits so viele Tore erzielt wie in den acht Spielen zuvor unter Magath. Mit Dosts zweitem Treffer steigerte das Team diese bemerkenswerte Quote sogar noch – ehe Jens Langeneke für Düsseldorf und Diego für die Gäste noch jeweils einen Elfmeter verwandelten. Auf einem Transparent forderten die VfL-Fans nach Spielschluss einen längeren Verbleib von Lorenz-Günther Köstner als Chefcoach – woraufhin der brav erklärte: „Wenn der Verein andere Ziel verfolgt, habe ich überhaupt kein Problem, wieder zurückzutreten.“ Mit einer Fortsetzung der Chefrolle allerdings auch nicht. Andreas Morbach

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