Durchbruch bei Bayer Leverkusen : Karim Bellarabi: Wandel eines Flitzers

Karim Bellarabi hat sich in dieser Saison als feste Größe in der Offensive von Bayer Leverkusen etabliert. Wohl auch am Freitag gegen Werder Bremen gehört der Deutsch-Marokkaner zur Startformation. Dabei wollte ihn Rudi Völler ein weiteres Mal ausleihen.

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Mit Bleiberecht. Karim Bellarabi sollte ausgeliehen werden – jetzt nicht mehr.
Mit Bleiberecht. Karim Bellarabi sollte ausgeliehen werden – jetzt nicht mehr.Foto: Imago

Eine Vertragsverlängerung käme zum richtigen Zeitpunkt. Jetzt, da sich Karim Bellarabi endlich angekommen wähnt im professionellen Fußball, angekommen bei Bayer Leverkusen. Die Klubverantwortlichen um Sportdirektor Rudi Völler und Geschäftsführer Michael Schade bemühen sich gerade intensiv darum, den bis 2015 laufenden Vertag von Bellarabi zu verlängern. „Wenn man das Vertrauen spürt, dann gibt das viel Selbstbewusstsein“, sagt Bellarabi. Vor ein paar Monaten hätte der 24 Jahre alte Offensivspieler wohl selber kaum an eine solche rasante Entwicklung zu denken gewagt.

Der gebürtige Berliner ist schon seit ein paar Jahren Berufskicker. Seit 2009 spielte er für Eintracht Braunschweig und die Rheinländer. Bellarabi kennt das Geschäft, und seine eigene Flatterhaftigkeit der vergangenen Jahre hätte seine Karriere ausbremsen können. Bellarabis plötzliche Entwicklung in den vergangenen Wochen hat aber alles in kürzester Zeit komplett gedreht. Erst jetzt scheint es so zu sein, dass er die Ernsthaftigkeit dieses Berufes realisiert hat und seine besonderen fußballerischen Möglichkeiten einbringen kann. „Ich habe mir vor dieser Saison und für dieses Jahr viel vorgenommen“, sagt Bellarabi. Schließlich galt der Deutsch-Marokkaner – sein Vater stammt aus Ghana, seine Mutter aus Marokko – auch vor der aktuellen Spielzeit wieder als ein Wackelkandidat bei Bayer, das seinen Kader für 30 Millionen Euro runderneuerte.

Völler wollte Bellarabi erneut ausleihen – Trainer Roger Schmidt dachte gar nicht daran

Die Verantwortlichen um Rudi Völler überlegten bereits, ob sie Bellarabi wegen der großen Konkurrenz im Kader erneut ausleihen sollten. So wie bereits in der Vorsaison. Doch der neue Trainer Roger Schmidt dachte gar nicht daran, Bellarabi abzugeben. Der Offensivspieler passt mit seiner Schnelligkeit und seiner außergewöhnlichen Ballsicherheit bei Tempodribblings genau in Schmidts taktisches Konzept mit dauerhaftem Pressing und überfallartigen Angriffen. Zum anderen präsentierte sich Bellarabi nach seiner Rückkehr vom ersten Tag an als ein vollauf seriöser Spieler. Das überzeugte Schmidt. Es führte deshalb aus Sicht des Trainers kein Weg an Bellarabi vorbei. „Unsere Spielweise kommt ihm sehr entgegen. Schon in der ganzen Vorbereitung hat er einen extrem fokussierten Eindruck gemacht“, sagt der Leverkusener Trainer.

Bisher stand Bellarabi als Außenbahnspieler oder auch als hängende Spitze in allen Partien in der Startelf und erzielte zum Saisonauftakt bei Borussia Dortmund nach neun Sekunden den schnellsten Bundesligatreffer aller Zeiten. Zudem traf er gegen Hertha BSC und bereitete zwei weitere Tore vor. „Wir haben eine tolle Stimmung im Team. Es macht Spaß, in die Kabine zu kommen. Davon profitieren wie alle“, sagt Bellarabi vor dem Heimspiel am Freitag gegen den SV Werder Bremen.

Bellarabi hat sich noch für kein Nationalteam entschieden – er liebt Deutschland und Marokko

Momentan ist vor allem er die verlässliche Größe bei Bayer. Diese Erfolgsgeschichte ist allerdings keine Selbstverständlichkeit bei dem jungen Mann, der in Bremen-Huchting, einem sozial schwachen Stadtteil, aufgewachsen ist. Bei seinem ersten Intermezzo in Leverkusen vor drei Jahren fehlte Bellarabi diese Einstellung zu häufig. Auch deshalb musste er den Umweg über Braunschweig nehmen. Trainer Torsten Lieberknecht verbannte ihn dort einmal aus dem Kader, weil er zu spät zum Frühstück kam.

Doch mit solchen Verfehlungen soll Schluss sein. Was genau sich bei Bellarabi verändert hat, will er nicht verraten. Zumindest sind seine Kollegen froh, dass sich dieser Wandel bei ihm eingestellt hat. „Karim hat ein Riesenpotenzial, davon war ich immer überzeugt. Er muss sich nur auf seine Aufgabe konzentrieren, dann ist er ein besonderer Fußballer“, sagt Angreifer Stefan Kießling. Deshalb dürfte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann Karim Bellarabi eine Berufung von einem der beiden Nationalteams erhält. Entschieden hat er sich noch nicht. „Das lasse ich auf mich zukommen. Ich liebe Deutschland und Marokko“, sagt er.

Karim Bellarabi scheint die Kurve gekriegt zu haben. In diesem für Fußballer der neuen Generation schon fortgeschrittenen Alter hätte er bei einem Klub mit internationalen Ansprüchen wohl nicht mehr viele Chancen bekommen. „Wir haben so viele Spiele, da bleibt wenig Zeit für andere Dinge“, sagt Bellarabi. Diese Intensität scheint ihm sehr gut zu bekommen.

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