Sport : Ein deutscher Deutscher

Misan Nikagbatse erhält einen neuen Status in der Basketball-Nationalmannschaft

Benedikt Voigt

Berlin. Eigentlich klingt die Nachricht unspektakulär: Der deutsche Basketball-Nationalspieler Misan Nikagbatse erhält vom Basketball-Weltverband (Fiba) einen neuen Status. Wie der Tagesspiegel exklusiv erfuhr, gilt der Aufbauspieler von Snaidero Udine in Spielen der Nationalmannschaft nicht länger als naturalisierter Deutscher, sondern zählt in Zukunft als regulärer deutscher Spieler. Warum aber ist die Nachricht so bedeutsam, dass DBB-Sportdirektor Wolfgang Brenscheidt eine Flasche Sekt aufmachte, als er erstmals davon erfuhr?

Es ist so: Diese Nachricht könnte der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft im September in Schweden einen wichtigen Vorteil verschaffen. Jetzt können Misan Nikagbatse und Shawn Bradley spielen. Bisher galt: Misan Nikagbatse oder Shawn Bradley. Bundestrainer Henrik Dettmann darf laut Fiba-Reglement nur einen naturalisierten Deutschen einsetzen. Jeder, der einen deutschen Pass nach dem 16. Geburtstag erhält, zählt nach Fiba-Regeln als naturalisierter Deutscher. So musste Dettmann vor zwei Jahren Vladimir Bogojevic aus der Mannschaft nehmen. Kurz vor der damaligen EM in der Türkei war der NBA-Spieler Shawn Bradley eingebürgert worden, weshalb sich Dettmann zwischen ihm und Bogojevic, der ebenfalls ein naturalisierter Deutscher ist, entscheiden musste. Dasselbe drohte vor der EM Nikagbatse.

Doch nun hat der DBB eine Neubewertung seines Falls erreicht. „Nikagbatse ist immer in Deutschland sozialisiert worden“, sagt Brenscheidt, „er hat hier seine Freunde und Familie.“ Den deutschen Pass erhielt der Berliner jedoch erst 42 Tage nach seinem 16. Geburtstag. Weil aber für den Sohn eines Nigerianers und einer Finnin lange vor diesem Stichtag ein Familienantrag auf Einbürgerung und später auch ein Einzelantrag vorlag, ist der Fall Nikagbatse nicht eindeutig. Dettmann sagt: „Misan ist und war immer Deutscher.“ Dem DBB gelang es, neue Dokumente vorzulegen, wodurch der Fall bei der Fiba noch einmal aufgerollt wurde. „Die Leute beim DBB, die sich mit diesem Fall beschäftigt haben, haben gute Arbeit geleistet“, sagt der Bundestrainer.

Nun muss der 20-jährige Spielmacher nie mehr gegen andere naturalisierte Deutsche um einen Platz im Nationalteam konkurrieren. Bei der WM in Indianapolis, als die deutsche Nationalmannschaft die Bronzemedaille holte, hat sich der Aufbauspieler in die Mannschaft von Henrik Dettmann gespielt. In Indianapolis stand Bradley nicht im Team, inzwischen aber hat er erklärt, bei der EM in Schweden wieder mitspielen zu wollen. Dort kann sich das deutsche Team für die Olympischen Spiele 2004 qualifizieren.

Dettmann bleibt nun eine schwierige Entscheidung erspart. Er hätte zwischen einem jungen Aufbauspieler, dem im Nationalteam die Zukunft gehört, und einem 2,29 Meter großen Centerspieler aus der besten Basketball-Liga der Welt wählen müssen. „Das wäre hart geworden“, sagt Dettmann.

Die Zahl der naturalisierten Deutschen, die für die Nationalmannschaft in Frage kommen, verringert sich nun um einen Namen: Neben Shawn Bradley stehen noch Vladimir Bogojevic, Hurl Beechum, Demond Greene und Bruno Klepac auf dieser Liste. „Shawn Bradley will im Sommer bei der Mannschaft sein“, sagt Dettmann. Bevor der Mormone für Deutschland spielen kann, muss noch geklärt werden, wie er und sein Mannschaftskamerad Dirk Nowitzki bei der EM versichert sind. Für die WM hatte der Verband Dirk Nowitzki mit rund 200 000 Dollar absichern müssen. Nun muss er sich um die Versicherung von zwei NBA-Spielern kümmern. Es wartet noch viel Arbeit auf den DBB.

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