• Ein fiktives Gespräch mit Sepp Blatter: „Ich halte schwarze Kassen für rassistisch“

Ein fiktives Gespräch mit Sepp Blatter : „Ich halte schwarze Kassen für rassistisch“

Die Fifa, Sepp Blatter und dessen Zürcher Visionen: Ein fiktives Exklusiv-Interview der besonderen Art. Eine Kolumne.

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Der Ethik nur predigt: Der Fußballweltverband von Präsident Joseph Blatter besitzt ein verheerendes öffentliches Image.
Der Ethik nur predigt: Der Fußballweltverband von Präsident Joseph Blatter besitzt ein verheerendes öffentliches Image.Foto: Reuters

Sepp Blatter bin ich ganz zufällig begegnet. Ich hatte keine Ahnung, dass unsere Schließfächer bei einer Zürcher Bank nebeneinander liegen (seines ist viermal größer als meins). Nun sind wir zu einem Exklusiv-Interview in Blatters Lieblingslokal verabredet, der „Chäsalp“ hoch über Zürich, unweit der Fifa-Zentrale.

Herr Blatter, hier sollen Sie die überraschende Absage der zur WM-Eröffnung 2006 im Berliner Olympiastadion geplanten Fifa-Kulturgala beschlossen haben.

S.B.: Wie kommen Sie darauf?

Sie saßen mit Ihren brasilianischen Fifa-Kollegen beim Fondue Bourguignon, und die Brasilianer sollen als Weltmeister mit einem Boykott gedroht haben, weil André Hellers Gala angeblich den Rasen für ihr erstes Spiel in Berlin zertrampelt hätte.

Der Heller wollte im Olympiastadion ein LED-Feld verlegen, wo auch der Herr Hitler von 1936 zu sehen gewesen wäre. Da sind manche empfindlich. Wir von der Fifa treten auf keinen Hitler drauf.

Bei einem Fifa-Meeting in Rio, kurz bevor Brasilien die WM 2014 zugesprochen bekam, sollen die Delegierten goldene Armbanduhren auf ihren Nachttischen und nackte Mädchen als Zimmerservice vorgefunden haben.

Davon weiß ich nichts. Außerdem hatten die Uhren eine automatische Weckfunktion. Das gehört zu unserem Reformprogramm. Und im Hotel war die Klimaanlage ausgefallen, die Damen kommen dort nicht im Pelzmantel. Aber, was haben Sie dauernd mit den Brasilianern? Ihr Deutsche verdankt denen euer letztes Sommermärchen! In Russland 2018 ist damit sowieso Schluss.

Woher wissen Sie das?

Das pfeifen die Spatzen von jedem Stadiondach, das hat mir sogar der Jogi Löw gesagt.

Tatsächlich?

Erst kürzlich, in der „Schwarzwaldstube“ in Baiersbronn, das ist beim Jogi quasi zuhaus.

Das Drei-Sterne-Restaurant?

Ja, das liebt er. Einen vierten Stern gibt’s ja nur bei uns! (Lacht) Aber den fünften kann sich Deutschland erstmal abschminken, das meinte auch der Wolfi Niersbach. Der Ärmste, dabei ist doch alles ein Kaiserschmarrn.

Niersbach war mit dabei und sagt Ihnen das?

Bei der dritten Flasche Rotwein werden wir alle ehrlich…

Wo sind denn die 6, 7 Millionen Euro vom DFB geblieben?

Sicher nicht in meinem Safe. (Lacht) Ich bin der Fifa-Präsident und kann mich nicht um jede kleine Spende kümmern. Ich realisiere Visionen, wissen Sie was das heißt: Visionen? Ohne mich hättet ihr noch den Fußball mit Sockenhaltern! Da könntet ihr euch die ganzen schönen Fanmeilen ins Fudi schiäbe! (S.B.s Gesicht hat die Farbe der Schweizer Fahne)

Bitte, ins was?

Auf Deutsch: in den Arsch stecken!

Ach so. Gilt das auch für visionäre schwarzen Kassen?

Dieses Gerede von „schwarzen Kassen“ ist für mich rassistisch. Und die Fifa sagt „No to racism“. Sie wissen, ich war für eine WM 2006 in Südafrika, bin ich etwa von Ihnen bestochen worden?

Von mir nicht. Aber –

Aber was? (S.B. bestellt eine dritte Flasche Rotwein)

Sie waren kürzlich in Russland, bei Präsident Putin.

Ja, Wladimir hat mir die russische Staatsbürgerschaft angeboten. Von Präsident zu Präsident. Er sagt, auch der Michel habe schon bei ihm angefragt.

Michel Platini?

Dem hat das sein Freund Gérard empfohlen. Den Depardieu mag ich ja, aber auf den Michel kann ich mich nicht mehr verlassen. (Probiert die dritte Flasche, nickt, seufzt) Alle wollen mich verlassen. Es ist ein Kreuz. Wissen Sie, ich bin ein gläubiger Mensch, und jedes Mal wenn ich bei ihm oben anrufe (weist mit dem Finger zur Decke), da sagt ER mir: Sepp, mein treuer Knecht, du bist mir nach meinem Sohn der Nächste, auch du musst dein Kreuz tragen!

Sie haben einen direkten Draht zu Gott?

Natürlich, zum Fußballgott. Ich habe seine Mobilnummer, die hat sonst nur der Papst und…

Maradona?

Das Handy Gottes? Nein, der andere, der spielt mit Gott und scherzt mit dem Teufel, der –

(In diesem Moment betreten Franz Beckenbauer und Günter Netzer das Lokal. Das Gesicht meines Gegenübers wechselt die Farbe, er steht hastig auf, murmelt „salü, die Rachnig gaht uff mi“ und verlässt den Raum).

Als ich drei Tage später das Interview zur Autorisierung nach Zürich schicke, heißt es in der Fifa-Zentrale: „Welches Interview? Der Präsident ist seit zwei Wochen zur Kur. Auf Bali, incognito und für niemanden erreichbar.“

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