Sport : Ein Schritt für ihren Sport

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Es ist ein Coup zum passenden Zeitpunkt. Fatmire Bajramaj wechselt zur nächsten Saison von Turbine Potsdam zum 1. FFC Frankfurt. Und hält sich und den Frauenfußball auch nach dem Champions-League-Halbfinale im Gespräch. Am Tag eins der WM-Vorbereitung mit dem gesamten Kader der Nationalmannschaft in Köln ist sie so wieder einmal am stärksten gefragt. Zufall ist das nicht. Bajramaj versteht es inzwischen, sich in Szene zu setzen, und hat zudem Berater um sich, die jeden Schritt der 23-Jährigen genau planen. Ähnlich wie im Männerbereich.

Klar, dass das mit einem Trainer wie Bernd Schröder in Potsdam auf Dauer nicht gut gehen kann. Das Potsdamer Urgestein sträubt sich gegen die Zeichen der Zeit: Zumindest für einen Sommer werden die Fußballerinnen in diesem Jahr Stars sein, allen voran Bajramaj, die nicht nur herausragend dribbelt, sondern erfrischend frech ist und als Flüchtling aus dem Kosovo auch noch mit einer aufregenden Lebensgeschichte aufwarten kann.

Dementsprechend wird sie umworben, nicht nur von Werbepartnern, von denen sie inzwischen sechs hat, sondern auch von anderen Vereinen – natürlich besonders von Frankfurt. Schröder müsste sich vorwerfen, Bajramajs Vertrag nicht rechtzeitig verlängert zu haben, anstatt jetzt wieder einmal gegen die Frankfurter Methoden zu wettern. Dass seine Lieblingsspielerin zum Erzfeind in den Westen geht, trifft den impulsiven Trainer persönlich. Er mag Bajramaj und ihr ausgeprägtes Temperament und hat versucht, sie vor dem Abheben zu schützen. Er wollte, dass sie nach der WM eine Lehre macht, denn ausgesorgt dürfte sie trotz allem nach der Karriere nicht haben. Daraus wird nun wohl eher nichts.

Fatmire Bajramaj sucht die Herausforderung, was nicht nur sportlich nachvollziehbar ist. Mit Turbine hat sie alles erreicht und könnte sogar den Champions-League-Titel verteidigen. Und Frankfurt ist nicht nur näher am DFB und den Spezialisten von der Sporthochschule Köln, sondern auch an ihrer Familie – und dass das für den Familienmenschen Bajramaj, der dreimal am Tag mit der Mutter telefoniert, eine sehr große Rolle spielt, ist nicht nur so dahergesagt. Letztlich ist dieser Wechsel, den Bernd Schröder nun als „Verfall der Sitten“ bezeichnet, nichts anderes als ein weiterer Schritt in Richtung Professionalisierung des Frauenfußballs.

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