Sport : Ein schuldiges Opfer?

Triathlet Zäck klärt Dopingfall nicht ganz

Frank Hellmann

Frankfurt am Main - Es wurde lange diskutiert gestern im Saal II des Frankfurter Maritim-Hotels. Doch genau wusste nach all den Debatten niemand, ob der Triathlet Jürgen Zäck, bei dem bei einer Trainingskontrolle am 22. Mai eine erhöhte Konzentration des Metaboliten Etiocholanolon nachgewiesen wurde, jenes „Opfer“ von verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln ist, als das ihn sowohl sein Anwalt Michael Lehner als auch Professor Werner Franke mehr oder minder effektiv zu inszenieren versuchten.

Jürgen Zäck blieb bei seiner Darstellung, sich mit amerikanischen Präparaten während seines Trainingslagers in San Diego eingedeckt zu haben. „Ich habe viele Proteinpulver und Energiegetränke zu mir genommen.“ Und das wahllos. Darin befand sich offenbar auch das gefundene Pro-Hormon, das auf der Verbotsliste der Wada steht, „aber allein für sich gewiss nicht zu einer Leistungssteigerung führt“, wie der Molekularbiologe Franke verdeutlichte.

Der Dopingexperte versicherte, ein solcher Befund sei ihm „noch nie untergekommen“, jenes Pro-Hormon komme fast ausschließlich in amerikanischen Nahrungsergänzungsmitteln vor, „die auf Hinterhöfen, in Garagen produziert werden, wo auf Sauberkeit kein Wert gelegt wird“. Damit dieses Pro-Hormon den Testosteron-Wert anhebe und die Leistung steigere, müsse der Athlet schon 300 Milligramm pro Tag nehmen, bei Zäck waren nur Spuren gefunden worden. Eine These, die selbst Klaus Pöttgen, Medizinischer Direktor des Frankfurter Ironman, stützte. „Deshalb ist der Fall Zäck nicht mit denen von Floyd Landis oder Katja Schumacher zu vergleichen, die mit erhöhten Testosteron-Spiegeln aufflogen“, urteilte er.

Und doch blieben Fragen: Wie kann ein erfahrener Sportler diese Mittel massenweise schlucken, „bei denen man bereits mit einem Bein erwischt wird“ (Franke)? Warum ließ der 40-Jährige nicht seine verseuchten Mittelchen nachträglich im Labor untersuchen? Warum ignorierte er die Gepflogenheiten von gewarnten Triathleten wie Norman Stadler, der akribisch darauf achtet, nur zertifizierte deutsche Nahrungsergänzungsmittel einzunehmen? Zudem rüffelte Franke harsch den Griff zu solchen Produkten: „Physiologisch machen sie keinen Sinn: Aber die Triathleten sind besondere Voodoo-Gläubige.“

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