Sport : Ein Star dieser Welt

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Weltstar, gibt es so etwas überhaupt? Und wenn ja, wie sieht so einer aus? Vielleicht wie Sebastian Vettel. Der junge Heppenheimer ist zum zweiten Mal in Folge Formel-1-Weltmeister geworden und damit zu den Größten der Sportwelt aufgestiegen. Einen Titel kann jeder mal erringen, wenn die Konstellation günstig ist. Aber den Erfolg mit einer derartigen Konstanz bestätigen, wie es Vettel in diesem Jahr getan hat, das gelingt nur wenigen. Vermutlich wird es nicht Vettels letzter Titel bleiben. Er ist immer noch nicht am Ende seiner Entwicklungsmöglichkeiten, und weil er auch nächstes Jahr für Red Bull fährt, wird er wieder ein schnelles Auto haben. Irgendwann wird er zu Ferrari gehen und als Legende abtreten.

In der Sportwelt ist der 24-Jährige also spätestens jetzt ein globaler Star. Und außerhalb? Täuscht der Eindruck, oder haben Vettels Erfolge nicht den Widerhall gefunden, den einst Michael Schumachers Triumphe ausgelöst haben? Klar ist nur, dass sich die Welt seit der SchumiMania eineinhalb Jahrzehnte weitergedreht hat. Der Glaube ans Immerhöherschnellerweiter ist durch die inzwischen bekannten Schattenseiten des Fortschritts nicht nur in Deutschland schwer erschüttert. Der ohnehin von jeher umstrittene Motorsport ist als Relikt jener Zeit des scheinbar unbegrenzten Wachstums noch mehr unter Rechtfertigungsdruck geraten. Gerade in seiner Heimat, dem Land der politisch korrekten Spaßbremsen, hat Vettel deshalb zumindest bei den vermeintlichen moralischen Eliten keinen leichten Stand. Wenn er Musiker wäre, Filmregisseur, Buchautor oder wenigstens Fußballer…

Doch wer dem Autorennfahrer Sebastian Vettel die Daseinsberechtigung absprechen will, macht es sich zu leicht. Er hat seine soziale Relevanz, denn er symbolisiert die Lust an Spiel, Abenteuer, Risiko und Unvernünftigsein und nicht zuletzt den Reiz des Verruchten, der sich offenbar auch in der vernunftgesteuerten Konsensgesellschaft nicht komplett ausschalten lässt. In Vettel spiegeln sich die Absurditäten des modernen Lebens zwischen Bioladen und 24-Stunden-Internet auf charmante Weise. Er singt gerne Loblieder auf seine hessische Heimat, zahlt aber Steuern in der Schweiz. Er sammelt alte Vinylplatten und hört vor den Rennen Musik auf dem MP3-Player. Er fährt unfassbare Spritschleudern und jettet um die Welt und liebt doch das Bergsteigen und fast jede andere Form der Betätigung in der Natur.

Das alles ergibt keinen Sinn. Und weil das so ist, repräsentiert vielleicht niemand so gut diesen Planeten der Widersprüche wie der Rennpilot Sebastian Vettel. Er ist ein Star einer Welt, die selbst noch nicht weiß, wo sie hinsteuert.

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