Sport : Ein Unauffälliger fällt auf

Hürdenläufer Goller steht unter Dopingverdacht

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Erstmals aufgetaucht. 2009 wurde Goller Deutscher Meister. Foto: dpa
Erstmals aufgetaucht. 2009 wurde Goller Deutscher Meister. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Jamie ist zwei Jahre alt, sie ist, soweit bekannt, bei bester Gesundheit, alles prächtig also. Aber so ein Kind kostet einiges, der Papa muss also ein paar Euro verdienen. „Wir haben einen enormen finanziellen Druck, vor allem jetzt mit dem Kind ist das keine Spaßveranstaltung mehr“, hat Thomas Goller im Juli 2009 gesagt. Da stand er im Donaustadion von Ulm, mit Schweißperlen am Körper, weil er gerade Deutscher Meister über 400 Meter Hürden geworden war. Damals war Jamie seit zwölf Monaten auf der Welt. Jamies Mutter ist Sina Schielke, die frühere deutsche Spitzensprinterin.

Vielleicht hat dieser finanzielle Druck dafür gesorgt, dass für Thomas Goller der Spaß jetzt endgültig zu Ende ist. Goller steht unter Dopingverdacht, in seiner A-Probe fanden Dopingjäger bei einer Trainingsprobe zwei anabole Substanzen, die auch Bodybuilder gerne nehmen. Er sagt nichts dazu, er ist abgetaucht. Der TV Wattenscheid, Gollers Verein, hat dem 32-Jährigen sofort gekündigt. Wattenscheids Manager Michael Huke sagte gegenüber leichtathletik.de: „Er hat unser Vertrauen tief missbraucht.“

Auch das von Volker Beck. Der erfahrene Coach ist Gollers Disziplintrainer beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), von 1998 bis 2004 war er auch sein Heimtrainer. „Das ist ganz schlecht, das möchte man nicht erleben“, sagte Beck dem Tagesspiegel. Dann fiel das Wort „Super-Gau“. Goller „wäre für die EM in Barcelona in Frage gekommen. Wenn er so gelaufen wäre wie 2009.“

2009, das war das Jahr des Comebacks des Thomas Goller. Jahrelang lief oder litt er in der Unauffälligkeit. Er war häufig verletzt, dreimal operierte man ihn an der Achillessehne, er wechselte immer wieder den Verein, verlor Sponsoren – und fast auch noch den Glauben an sich selbst. 1999 war er 48,54 Sekunden gelaufen, seither hat er diese Zeit nie mehr unterboten. 2000 stand er im olympischen Halbfinale von Sydney, sein letztes gutes internationales Resultat. Bis er endlich wieder gesund war, bis er neu angriff, bis er 2009 in Ulm mit 49,20 Sekunden gewann. Kurz vor der WM in Berlin verletzte er sich wieder.

Natürlich tauchen jetzt Fragen auf: Muss man dieses starke Comeback hinterfragen? Hatte Goller vielleicht schon 2009 mit verbotenen Mitteln nachgeholfen, und es hatte ihn damals bloß keiner erwischt? Dem DLV hatte er als jüngste berufliche Nachricht mitgeteilt, er sei „Personal Trainer“. Eine sichere finanzielle Grundlage muss das nicht sein. Andererseits verdiente Goller ja auch mit dem Sport nicht viel. Bis Montag stand er im B-Kader des DLV, reich wird man da nicht. Nur bei ein paar Meetings hätte Goller verdient, überschaubare Summen allerdings.

Auf jeden Fall hatte sich Goller abgesondert. Beck hatte zu ihm „so gut wie keinen Kontakt. Er arbeitete für sich“, sagt er. Vor zehn Jahren hatte Goller großspurig angekündigt, er werden den Deutschen Rekord von Harald Schmid (47,48 Sekunden) verbessern. Er hat es nie geschafft. Und jetzt wird er wohl keine Gelegenheit mehr dazu bekommen.

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