Eisbären Berlin : Jeff Tomlinson: Kein Architekt für den Übergang

Gut gestartet, stark nachgelassen: Warum Jeff Tomlinson bei den Eisbären trotz akribischer Arbeit und großem Einsatz als Trainer zu scheitern droht.

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Unglücklicher Familienmensch. Mit Tomlinson läuft es nicht bei den Eisbären.
Unglücklicher Familienmensch. Mit Tomlinson läuft es nicht bei den Eisbären.Foto: dpa

Wenn es nach Don Jackson geht, verdanken die Eisbären ihre Erfolgsgeschichte einem Stück Metall. Der ehemalige Trainer des Berliner Eishockeyklubs spannt mit Daumen und Zeigefinger eine kleine Lücke. „So knapp war das damals“, sagt er. Damals. April 2011, viertes Halbfinalspiel gegen Düsseldorf, Verlängerung. Siegt Düsseldorf, sind die Eisbären ausgeschieden. Jackson erinnert sich: „Der Puck landet auf der Schulter unseres Torwarts Rob Zepp und springt gerade noch an die Latte.“ Nicht Düsseldorf, sondern die Eisbären gewannen das Spiel, später die Serie und die Meisterschaft. 2013 verließ Jackson die Eisbären mit fünf Meistertiteln als ihr erfolgreichster Trainer. An seinem Erbe droht Nachfolger Jeff Tomlinson nun zu scheitern.

Don Jackson sagt: „Vielleicht fehlt den Eisbären jetzt so ein Spiel wie gegen Düsseldorf, an dem sie sie aufrichten können.“ Wenn das so einfach wäre. Die Bilanz für Tomlinson fällt nach 15 Saisonspielen so negativ aus wie vor einem Jahr: sieben Siege, acht Niederlagen. Dabei gingen die jüngsten vier Spiele nach teilweise katastrophalen Leistungen verloren – nach ordentlichem Saisonstart. Die unglückliche Niederlage in Krefeld, Beginn der Negativserie, sei „ein Knackpunkt für unser Selbstvertrauen“ gewesen, sagt er, „bis dahin war alles in Ordnung“.

Tomlinson ist ein Mann für die Kleinigkeiten - nicht für das Gesamtbild

Tatsächlich hatte die Mannschaft zu Saisonbeginn taktisch und körperlich frischer gewirkt als in der Vorsaison. Das mögen Resultate der Arbeitsweise des Trainers gewesen sein, der ständig an Details tüftelt. Er ist ein Mann für diese Kleinigkeiten, aber das große Gesamtbild stimmt eben nicht. Anders als unter seinem enigmatischen Vorgänger Jackson. Was der sagte, verstand nicht jeder. Was Jackson genau trainieren ließ, war schwerer nachzuvollziehen als bei Tomlinson. Aber die wenigen Enttäuschungen waren vergessen, wenn ein weiterer Pokal in den Schrank gestellt wurde. Die Konkurrenz wusste: In den Play-offs sind die Eisbären kaum zu schlagen. Dieser Ruf ist dahin, seit die Berliner unter Tomlinson im März bereits in den Pre-Play-offs ausschieden.

Tomlinson konnte die Stärke und den Ruf, den sich Jackson mit der Mannschaft erarbeitet hatte, nie verkörpern. Ohne einen Titel als Cheftrainer vorweisen zu können, trat er 2013 dessen Nachfolge an. Als ehemaliger Spieler, Jugend- und Co-Trainer war er ein Mann aus der Eisbären-Familie. Er sollte keine Revolution initiieren, sondern an Details feilen. Bereits in den letzten beiden Meisterjahren hatte das Team unübersehbare Schwächen gezeigt. Doch die Fortsetzung der Erfolgsgeschichte mit kleinen Korrekturen gelang nicht. Es wirkt so, als sei Tomlinson überfordert – wobei die Voraussetzungen nicht einfach sind. Die Mannschaft, die sieben Titel holte, gibt es immer weniger: Für ausgeschiedene Leistungsträger wurde nicht immer adäquater Ersatz geholt, die verbliebenen Spieler sind nicht mehr in der Mitte ihrer Karriere.

Das Erbe des erfolgreichen Don Jackson wiegt schwer

Jackson hatte die Mannschaft auf ihren Höhepunkt geführt und sie dann verlassen – den Umbruch überließ er Tomlinson. Eine schwere Aufgabe bei einem Klub wie den Eisbären, wo Siege zur Selbstverständlichkeit geworden waren: Spieler entwickeln, ein Team umbauen und gleichzeitig Erfolg haben, das können nur wenige Trainer. Tomlinsons Dilemma ist, dass er nicht mehr offen damit umgehen kann: Wenn er jetzt eine Übergangssaison ausruft, würde er seine wacklige Position vollends ruinieren.

Also krallt sich Tomlinson an das Versprechen einer besseren Zukunft. Wenn die Verletzten zurückkehren, dann könne man den lange vermissten Konkurrenzkampf ausrufen. Eine Spekulation. Verletzte gehören im risikoreichen Eishockeysport zum Geschäft wie schmerzhafte Niederlagen inzwischen zu den Eisbären. Aber Tomlinson kennt das. Der Trainer, der 2011 mit Düsseldorf im Halbfinale an den Eisbären scheiterte war – Jeff Tomlinson.

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