Eishockey : Klubs sichern sich jetzt gegen Dopingsünder ab

Am Donnerstag beginnt die Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL), und wenn die Spieler der Hamburg Freezers in der Kölnarena bei den Haien auflaufen, haben sie mehr unterschrieben als bisher: Wer Freezer ist, der muss auch eine "Doping-Erklärung“ unterzeichnen.

Claus Vetter

Berlin - In dem vier Punkte langen Papier, das dem Tagesspiegel vorliegt, müssen die Unterzeichner bestätigen, dass sie die Medikamentenverbotsliste der Welt- Anti-Doping-Agentur (Wada) erhalten haben, an einer „Doping-Aufklärungsveranstaltung“ des Klubs teilnehmen, und unterzeichnen, dass sie „eigenverantwortlich für die Einnahme von Medikamenten sind“. Im letzten Passus heißt es: „Im Falle eines Verstoßes muss ich mit einer Vertragsstrafe von 10 000 Euro und einer fristlosen Kündigung rechnen.“

Die Freezers gehen mit dieser Drohkulisse bei Dopingmissbrauch einen neuen Weg im Eishockey. Gernot Tripcke, DEL-Geschäftsführer, hat das Hamburger Papier an die anderen 14 Klubs weitergeleitet. „Alle werden sich intern absichern“, glaubt Tripcke. Peter John Lee, Manager der Berliner Eisbären, bestätigt das für seinen Klub: „Auch wir haben im Vertrag einen Anti-Doping-Passus. Am Mittwoch werden wir zudem eine Informationsveranstaltung für unsere Spieler abhalten.“ Das Thema Doping sei im deutschen Eishockey zwar kaum eines, in Nordamerika sehe das aber anders aus. „Darum müssen wir besonders unsere ausländischen Spieler informieren“, sagt Lee. „In der DEL wird gründlicher kontrolliert als in der National Hockey League.“ Tatsächlich gibt es während der DEL-Saison etwa 100 Kontrollen während des Wettbewerbs. „Aber alle Kader-Spieler, auch die Junioren, haben zusätzlich Trainingskontrollen, sie müssen sich an- und abmelden“, sagt Tripcke. Der Berliner Sven Felski, seit mehr als einem Jahrzehnt Nationalspieler, bestätigt das. „Fünf bis sechs Dopingtests im Jahr“ seien normal. „Die ziehen das konsequent durch.“

In Nordamerika ging es bislang weniger konsequent zu. Lee, der selbst 450 Mal in der NHL gespielt hat, sagt: „Das Problem ist, dass es keine Dopingkontrollen durch den Verband gibt. Bei uns wird ein Nationalspieler auch im Juni getestet. Das wird einem Spieler vom Team Canada niemals passieren, der kann im Sommer machen was er will.“ Lee glaubt, dass besonders das Doping mit Steroiden in Nordamerika immer noch eine Rolle spielt. „Da gibt es Spieler, die verlassen Europa mit 80 Kilo Gewicht und wiegen ein paar Jahre später als NHL-Spieler 110 Kilo.“ So etwas sei nicht normal, mit der Einnahme von Steroiden könne man zudem drei oder vier Mal am Tag trainieren. „Sonst schaffst du das nicht“, sagt Lee.

Zudem, berichtet ein ehemaliger NHL-Trainer, würden in der Liga Präparate eingenommen, die schmerzunempfindlich und aggressiv machen. „Bei der Einnahme von Medikamenten hat sich früher keiner drum geschert, was da alles drin war“, sagt der aus Kanada stammende Trainer. So passierte es sogar dem heutigen Bundestrainer Uwe Krupp, dass er 1990 bei einer WM positiv getestet wurde – der erkältete Krupp, damals NHL-Profi in Buffalo, hatte ein Hustenmittel genommen, das Ephedrin enthielt.

Erst ab kommender Saison sollen in der NHL nach Beschluss von Liga und Spielergewerkschaft alle Profis mindestens zweimal pro Jahr unangemeldet getestet werden. In der DEL sind sie da schon einen Schritt weiter – obwohl es dort bislang keinen ernstzunehmenden Dopingfall gab. Aber seit das Thema durch Fälle im Radsport ein großes ist, ist die Öffentlichkeit sensibilisiert. Inzwischen haben selbst Sponsoren der Freezers Ausstiegsklauseln, falls es im Team einen Dopingfall gibt: Immerhin haben alle Hamburger Profis die Dopingerklärung unterschrieben.

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