Sport : Eishockey: Realist oder Zocker

Claus Vetter

Thomas Schinko ein Zocker? Zumindest war er das nicht für Hans Zach und dies ärgerte wiederum Kent Forsberg. Der Trainer der Eisbären schüttelte mit dem Kopf. Ausnahmsweise mal nicht, weil die Spieler nicht so wollten, wie der Eishockey-Lehrer aus Schweden. Nein, am Aufgebot des Bundestrainers für die B-WM gab es etwas zu monieren: "Wenn es sich die Deutsche Nationalmannschaft leisten kann, auf einen Spieler wie Schinko zu verzichten, dann sollen sie eben weiter in der B-Gruppe spielen."

Es kam vieles anders, als Forsberg glaubte. Bundestrainer Zach verzichtete auf Schinko und stieg mit dem Auswahl-Team auf. Forsberg schmiss bei den Eisbären hin und die ließen auch Schinko überraschend ziehen. Denn dass der 31-jährige Stürmer im Vorjahr beim EHC neben Sven Felski der auffälligste deutsche Spieler war, ist keine Übertreibung. Dass Schinko in Berlin bleiben wollte, wo er vor seinem Engagement in Hohenschönhausen acht Jahre bei den Preussen und Capitals aktiv war, auch nicht. "Die Eisbären haben mir nach der Saison gesagt, dass sie an mir interessiert seien", erzählt er, "aber ich solle warten, bis der neue Trainer verpflichtet ist. Doch dann haben die trotzdem schon mit anderen Spielern Verträge verlängert." Gesprächstermine mit ihm habe man unentschuldigt platzen lassen. Kein Wunder, dass er da bei einer Offerte der Düsseldorfer EG genauer hinhörte. "Ich war der Meinung, dass die mich bei den Eisbären hinhalten. Das Kapitel Eisbären fand für Schinko nach einem Telefonat mit einem Klub-Verantwortlichen ein jähes Ende. "Spreche ich mit der Zocker-Familie?", schallte es aus dem Hörer. Nach der Frage des Anrufers aus der EHC-Chefetage fiel Schinkos Ehefrau das Telefon aus der Hand, nach Konversation war auch dem Gatten nicht zumute. Thomas Schinko zog nach Düsseldorf. "Dass ich lesen musste, ich sei zu teuer gewesen, war nicht die feine Art."

Heute wird Schinko beim Gastsspiel der Düsseldorfer EG in Berlin (19.30 Uhr, Sportforum Hohenschönhausen) erstmals nach seinem Abgang mit dem ehemaligen Arbeitgeber konfrontiert. Ein Affront von seiner Seite sei aber nicht zu erwarten: Der Blick zurück interessiere ihn nicht, schließlich sei die Gegenwart bei der DEG auch viel zu erfreulich. Der Kult-Verein von der Brehmstraße ist nach zweijähriger Abstinenz in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) überraschend gut gestartet. Auch Dank Schinko, der am Sonntag beim 4:3 gegen Vizemeister Kölner Haie ein Tor beisteuerte. Schinkos Prognose für die Erfolgsaussichten der DEG in naher Zukunft fällt trotzdem realistisch, fernab jeder Zockermentalität, aus: "Auf Dauer wird man uns eher in der zweiten Hälfte der Tabelle finden."

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