EM-Aus nach 0:1 gegen Belgien : Trauriger Abschied für Zlatan Ibrahimovic

Schweden spielt hölzern wie ein Ikea-Regal und verabschiedet sich von der EM. Für Zlatan Ibrahimovic ist das 0:1 gegen Belgien das letzte Länderspiel.

Zlatan Ibrahimovic wurde oft gesucht, aber nicht ganz so oft gefunden.
Zlatan Ibrahimovic wurde oft gesucht, aber nicht ganz so oft gefunden.Foto: Reuters

Zeternd warf Zlatan Ibrahimovic den Ball davon. Dem schwedischen Superstar schien klar geworden zu sein, dass die Belgier gerade seine Karriere beendet hatten. Ihr 1:0 (0:0)-Siegtreffer fünf Minuten vor Spielende bedeutete nicht nur das Vorrunden-Aus der Schweden, sondern auch das letzte Länderspiel für ihren Spitzenstürmer. Der 34-Jährige hatte seinen Rückzug nach der Fußball-EM angekündigt, der Zeitpunkt kam früher als er gehofft hatte.

Die Belgier treffen damit als Gruppenzweiter im Achtelfinale am Sonntag auf Ungarn, die Schweden verabschieden sich zum dritten Mal in Serie frühstmöglich von einem EM- oder WM-Turnier.

Um mit einem Sieg plus Achtelfinaleinzug zu verhindern, dass Ibrahimovic seinen 116 Länderspielen kein weiteres hinzufügt, hatte ihm sein ebenfalls scheidender Trainer Erik Hamren Marcus Berg als Sturmpartner zur Seite gestellt. Die Belgier, denen ein Remis fürs Achtelfinale reichte, brachten im Mittelfeld Radja Nainggolan für den angeschlagenen Moussa Dembelé.

Das finale Gruppenspiel begann munter. Axel Witsel drosch den Ball nach zwei Minute über das schwedische Toreck. Und nach fünf Minuten geschah es: Berg gab den ersten schwedischen Schuss ab, der bei diesem Turnier auch auf das Tor ging. Doch im Fallen fehlte dem früheren Hamburger die Kontrolle, Thibaut Courtois konnte leicht parieren. Im Gegenzug schoss der umtriebige Romelu Lukaku am langen Eck vorbei.

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Danach verflachte das Spiel aber zusehends. Die Belgier passten oft endlos um zwei schwedische Viererketten herum als seien sie die neuen Spanier. Und die Schweden zeigten, warum ihnen bei dieser EM noch kein Tor gelungen war: Ihr Aufbauspiel ist berechenbar wie ein Ikea-Regal. Hölzern, ohne wirklich solide zu sein, alles brav nach Anleitung montiert, aber am Ende fehlte doch irgendwo ein entscheidendes Teil für ein befriedigendes Ergebnis.

Zur Pause hallten laute Pfiffe durch das Stade de Nice in Nizza

Der Einzige, der bei den Schweden im positiven Sinne eine Schraube locker hat, ist bekanntlich Ibrahimovic. Aber der hing wieder einmal in der Luft, außer einem roten Flatschen im Gesicht hinterließ die Anfangsphase nicht viel Eindruck bei ihm. Oft betrachtete er stehend die biederen Bemühungen seiner Kollegen. Doch bei zwei Sprints und zwei Volleyschüssen, die jeweils abgeblockt wurden, zeigte er seine gewisse Klasse. Wohin er die nach der EM trägt, ist ja nach seinem Abschied von Paris St. Germain noch offen, Manchester United hält sich hartnäckig als Zieldestination. Das Spiel bot auch Zeit, um in Transfergerüchten zu schwelgen, denn auf dem Feld passierte herzlich wenig. Die Belgier waren deutlich beweglicher und flinker auf den Beinen, was sich jedoch selten in Torgelegenheiten finalisierte. Lukaku, Kevin de Bruyne und Eden Hazard sorgten immer wieder mal für Gefahr, aber Schwedens Keeper Andreas Isaksson schritt selten und sicher ein.

Zur Pause hallten dann laute Pfiffe durch das Stade de Nice in Nizza, doch wer machte da seinem Unmut Luft: Die schwedischen, belgischen oder französischen Fans? Jeder hatte auf seine Art Grund, enttäuscht vom Spiel zu sein. Ob Dirk Nowitzki mitgepfiffen hatte? Der deutsche Basketball-Star ist mit der Schwester des schwedischen Verteidigers Martin Olsson verheiratet und soll vor Ort geweilt haben.

Nach Wiederanpfiff schienen die Schweden zu vermuten, der Riese Nowitzki stünde im Strafraum. Mit langen Bällen überbrückten sie ihre spielerischen Unzulänglichkeiten, doch die Hünen Ibrahimovic und Berg sind doch ein paar Köpfe kleiner als Basketballer und kassierten im letzten Moment oft einen Block der belgischen Defense.

Die berechnenden Belgier taten nur das Nötigste, der Spielstand reichte ja. Doch EM-Geheimfavoriten spielen anders. Andererseits: Das nötige Glück haben sie. Nainggolan zog in der 84. Minute von außerhalb des Strafraums ab, sein abgefälschter Schuss landete im Tor. Dieses Glück fehlte Ibrahimovic. Nach Schlusspfiff erhielt er Standing Ovations und klatschte zurück, diesmal ganz artig. (Tsp)

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