EM-ENTSCHEIDER – LETZTE FOLGE DER SERIE Gruppe D: Schweden : Zlatan Ibrahimovic

In der Serie „EM-Entscheider“ haben wir bis zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft täglich die entscheidenden Spieler der Mannschaften vorgestellt. Heute zum Abschluss Folge 16: Zlatan Ibrahimovic, Schweden.

Mathias Klappenbach
Ibrahimovic
Mann der Extreme. Zlatan Ibrahimovic brilliert am Ball, doch mit Worten eckt er oft an. -Foto: dpa

Die vergangenen zwei Wochen passten gut zum Selbstverständnis des Zlatan Ibrahimovic. Erst schoss er Inter Mailand mit zwei Toren zur Meisterschaft, kurz darauf gab der Klub die Vertragsverlängerung bis 2013 bekannt, die den Schweden mit zwölf Millionen Euro netto Jahresgehalt zum bestbezahlten Fußballer der Welt macht. Vor Kaká, Cristiano Ronaldo und all den anderen. Was nicht ins Bild passte, war, dass Ibrahimovic in jenem Spiel nur eingewechselt worden war. Er saß aber natürlich nur auf der Bank, weil er verletzt war. Rein musste er, weil zu diesem Zeitpunkt der AS Rom Meister war, und wenn nichts mehr geht, gibt es noch Ibrahimovic.

In den Monaten davor hatte er wegen einer Knieverletzung wenig gespielt, und so verwundert es ein bisschen, dass in Schweden das dritte Comeback von Henrik Larsson ein größeres Thema ist als die Einsatzfähigkeit Ibrahimovics. Die Meinungen über ihn gehen weit auseinander. Sein bisheriger Klubtrainer Roberto Mancini hält ihn für den möglichen Weltfußballer des Jahres, Aston Villas Coach Martin O’Neill sagt, Ibrahimovic sei der am meisten überschätzte Fußballer der Welt. Früher wollte Ibrahimovic für das Land seiner Eltern spielen. In Bosnien-Herzegowina war man allerdings nicht an dem jungen Mann aus einem sozialen Brennpunkt von Malmö interessiert.

Diese verschiedenen Wahrnehmungen liegen auch an Ibrahimovics Spielweise. Nur der Torwart läuft in der Regel weniger, dafür ist keiner mit einer höheren Spitzengeschwindigkeit unterwegs. Und wenn der kantige Stürmer den Ball hat, behauptet er ihn auch gegen zwei Abwehrspieler an der Eckfahne. Die Muskeln hat sich der 1,92 Meter große und 94 Kilogramm schwere Ibrahimovic zugelegt, nachdem er 2004 von Ajax Amsterdam zu Juventus Turin gewechselt war. In seiner ersten Saison in Italien schoss Ibrahimovic, der trotz seiner Masse ungemein wendig und dribbelstark ist, gleich 16 Tore. Er ist ein brillanter Techniker, seine Körpertäuschungen sind exzellent.

International berühmt machte ihn ein Treffer bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal, als er gegen Italien den Ball mit einer unglaublichen Verrenkung noch ins Tor brachte. Um geschmeidig zu sein, trainiert der 26-Jährige Taekwondo. „Andere reden, ich mache Tore“, sagte Zlatan Ibrahimovic nach dem Meisterschaftsfinale in Italien.

Wenn er manchmal doch redet, kommt das nicht immer gut an. So zum Beispiel, als er sagte, dass er auch mit einer Orange machen könne, was der norwegische Stürmer John Carew mit dem Ball kann. Oder als er anmahnte, dass Inter Mailand ein Manager wie Luciano Moggi fehle. Moggi allerdings war der Drahtzieher des Manipulationsskandals in Italien.

Die Fans lieben Zlatan Ibrahimovic – auch dafür, dass er sich zum Spaß in einem Rotlichtviertel als Zivilfahnder ausgibt und einen Freier verhaftet. Wenn er sich jedoch in einem Länderspiel den Ball klaut und einen Elfmeter verwandelt, für den er nicht als Schütze vorgesehen war, verweigern die Mannschaftskollegen auch mal demonstrativ den Torjubel. Nach einer Clubtour mit Nationalmannschaftskollegen war er länger als diese gesperrt, weil er sich als einziger nicht entschuldigte.

Auf dem Platz ist der Schwede aber ein sehr guter Mannschaftsspieler. Denn Zlatan Ibrahimovic bereitet mit genauen und überraschenden Pässen viele Tore seiner Mitspieler vor. So soll es auch bei dieser EM sein. Gewinnen geht vor arrogant sein. Mathias Klappenbach

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