EM  Nebenschauplatz : Albträume mit Waldi und Tiki-Taka

Analog-Bloggen. Die neue Form der EM-Spielberichte hat alles, auch Skizzen von Mario Balotellis Frisur. Foto: promo
Analog-Bloggen. Die neue Form der EM-Spielberichte hat alles, auch Skizzen von Mario Balotellis Frisur. Foto: promo

Was könnte der Trend dieser Europameisterschaft sein? Abkippende Neuner? Morph- suits auf den Rängen? Oder der Countdown zum Anpfiff? Es gab viele Neuerungen bei diesem Turnier, die einen waren mehr gelungen, die anderen weniger.

Ein echtes Novum bei der Aufarbeitung der Spiele kommt während der Europameisterschaft aus Münster und könnte spätestens beim nächsten Turnier viele Nachahmer finden. Matthias in der Weide hat das „Analog-Bloggen“ erfunden. Der 37-Jährige betreibt den Blog „schalkefan.de“, in dem er sich nach eigener Titulierung um „Schalke und die restliche Fußlümmelei“ kümmert. „Bei der EM wollte ich mir ersparen, jedes Spiel zu analysieren“, erzählt in der Weide. Er entschied sich fürs „Analog-Bloggen“.

Dabei stellt er auf seiner Seite eine Art Spielbericht zum Download bereit. Die User können in Kategorien wie „Reporter-Spruch des Tages“, „Das Spiel als Buch“ oder „Besondere Vorkommnisse“ ihre eigenen Gedanken zum Spiel eintragen. Zudem ist noch Platz für Zeichnungen, Fotos oder Sonstiges – der Fantasie der User sind keine Grenzen gesetzt. Die ausgefüllten Bögen werden abfotografiert und per Mail an Matthias in der Weide geschickt.

Seitdem stapeln sich die etwas anderen Berichte auf dem Blog und zeigen die ganze Bandbreite der Fußball-Rezeption. Zum Spiel Italien gegen England beispielsweise schrieb Phil: „Das Spiel als Song: ,Ich werde mich nie verändern (Tocotronic)’. Bester Reporter-Spruch: ,Die Fans haben nicht nur Spaß am Spiel, sondern auch mit sich selbst.’“ Schnelle Notizen mit Zettel und Stift werden zu Spielberichten im Internet. Diese unterscheiden sich vor allem durch ihre Kreativität zu den gängigen Kommentaren und Einträgen im Netz.

„Es war eine Schnapsidee und hätte auch ein totaler Rohrkrepierer sein können. Doch es haben sich sehr viele Leute beteiligt und bleiben auch treu dabei“, erzählt in der Weide. Zudem könne man anhand der vielen Notizzettel auch ablesen, wie sich die Stimmung während des Turniers entwickelt. „Man liest immer mehr davon, wie genervt die Leute von dem Tiki-Taka der Spanier sind.“ Ein User namens „Ossi“ verzierte den Spielberichtsbogen mit gezackten Comic-Sprechblasen. Darin stand zu lesen: „Tiki-Taka, zzzz, sans imagination“, dann größer: „Von Waldi geweckt: Albträume!“

Matthias in der Weides Idee hat bisher funktioniert, und er hat noch weitere kreative Formen des Spielberichts im Köcher: Einmal fotografierte er seine Freunde und sich beim Fußballschauen und setzte später die passenden Sprechblasen im Stil der „Bravo“ein. So entstand in Münster nicht nur das „Analog-Bloggen“, sondern auch die erste „Fußball-Foto-Lovestory“. Ron Ulrich

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