Sport : Endlich zu Hause

Jan Jagla beweist pünktlich zum Play-off-Start seinen Wert für Alba – auf dem Feld und daneben.

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Wie weit es nach oben geht? Jan Jagla hat mit Alba noch viel vor. Foto: Imago
Wie weit es nach oben geht? Jan Jagla hat mit Alba noch viel vor. Foto: ImagoFoto: imago/Bernd König

Jan Jagla konnte die ganze Aufregung nicht verstehen. Und so richtig Lust, darüber zu reden, hatte er auch nicht. Gemeinsam mit seinem Kollegen Sven Schultze hatte der Power Forward den Basketballern von Alba Berlin die entscheidenden Impulse gegeben, um den unbequemen Gegner aus Ulm im ersten Play-off-Spiel mit 86:66 (37:41) zu bezwingen. „Das ist ja auch der Grund, warum Sven und ich hier sind“, sagte Jagla lapidar.

Dabei war es durchaus erwähnenswert und mitunter sogar spektakulär, was die beiden Routiniers am Samstagabend zum Auftakt der „Best of five“-Serie im Viertelfinale ablieferten. Der 32-jährige Jagla war mit 20 Punkten Topscorer des Spiels und sammelte dazu zwölf Rebounds ein – beides Saisonbestwerte. Schultze, 35 Jahre alt, steuerte seine sieben Punkte in einer Phase bei, in der bei den Berlinern nicht viel zusammenlief.

Einfluss der erfahrenen Profis

Die Treffer des Publikumslieblings rissen die Zuschauer mit. Zu Saisonbeginn hatten die beiden ehemaligen Nationalmannschaftskapitäne meist nebeneinander auf der Bank gesessen, pünktlich zur wichtigsten Saisonphase beweisen sie ihren Wert für Alba auch immer mehr auf dem Feld. Geschäftsführer Marco Baldi und Trainer Sasa Obradovic loben schon seit Monaten die integrative und pädagogische Arbeit, die Schultze und Jagla in der verjüngten Mannschaft leisten. Nach dem Spiel gegen Ulm würdigte Baldi auch ausdrücklich, welchen Einfluss die Treffer der erfahrenen Profis auf den Spielverlauf hatten: „Die Ulmer haben nur zwei Prozent an Optimismus verloren – und sind weggebrochen.“

Schwärmerei vom aktuellen Alba-Team

Obradovic weiß ohnehin, was er an dem 2,13 Meter großen Jagla hat: „Jan ist ein sehr produktiver Spieler. Er bringt Gefahr, sobald er aufs Feld kommt.“ Im Kader der Berliner sind Schultze und Jagla die einzigen Spieler auf den großen Positionen, die über einen sicheren Dreipunktewurf verfügen. Der Gegner muss nah bei ihnen stehen, was wiederum Räume für die anderen Berliner schafft. Die Alternative: Man lässt Schultze und Jagla mehr Platz. Die Ulmer wurden dafür bestraft. „Wenn Sven reinkommt und die Dinger reinschießt, wie willst du dich darauf vorbereiten?“, fragt Jagla angesichts der vielen anderen offensiven Möglichkeiten, über die Obradovics Team verfügt – und die dem Ulmer Coach Thorsten Leibenath vor dem zweiten Spiel am Dienstag einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Die vergangene Saison verbrachte der gebürtige Berliner Jagla auf der Bank des FC Bayern München, bei Alba lebt er nun wieder auf. „Er hilft uns sehr mit seiner Erfahrung – und es ist ihm egal, ob er eine Minute oder 20 Minuten spielt“, sagt Obradovic. Nach Jugendjahren bei TuS Lichterfelde hat Jagla bei einem US-College gespielt, in Athen und Quakenbrück, in Spanien, Polen und der Türkei, aber so viel Spaß am Basketball wie zurzeit hatte er kaum einmal.

„Ich habe im Profisport noch nie eine Mannschaft erlebt, in der keiner dem anderen irgendetwas neidet, in der nie jemand für seine eigene Statistik spielt“, schwärmt Jagla vom aktuellen Alba-Team. Getreu dieser Philosophie will der 141-malige Nationalspieler seinem eigenen Beitrag zum ersten Sieg gegen Ulm nicht allzu viel Bedeutung beimessen. „Jeder hat sich heute gefreut, dass ich ein geiles Spiel gemacht habe“, sagt Jagla. „Und am Dienstag werden wir uns freuen, wenn jemand anderes ein geiles Spiel macht.“



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