• Erstes offizielles Länderspiel in Frankfurt: Der Kosovo ist noch kein Kind der Fußball-Familie

Erstes offizielles Länderspiel in Frankfurt : Der Kosovo ist noch kein Kind der Fußball-Familie

Der Kosovo bestreitet am Freitag sein erstes offizielles Länderspiel. Trotzdem muss die Republik weiter um die Anerkennung bangen.

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Der Kosovo ist Uefa- und Fifa-Mitglied. Doch in einer WM-Qualifikationsgruppe vermisst man die Republik noch.
Der Kosovo ist Uefa- und Fifa-Mitglied. Doch in einer WM-Qualifikationsgruppe vermisst man die Republik noch.Foto: dpa

Es ist nicht überliefert, ob Franz Beckenbauer am Freitag um 20 Uhr Platz nehmen wird im Stadion im Frankfurter Stadtteil Bockenheim, wo sonst der FSV seine Heimspiele austrägt. Vermutlich wird er nicht zugegen sein. Dabei ist es auch das Verdienst von Beckenbauer, dass die Partie am Freitagabend zwischen dem Kosovo und den Färöern überhaupt stattfindet.

Die Begegnung kann ohne Übertreibung als sporthistorisch bezeichnet werden, es ist das erste offizielle Fußball-Länderspiel des Kosovo. Anfang Mai dieses Jahres wurde die Republik zuerst vom europäischen Fußballverband Uefa und wenige Tage später vom Weltverband Fifa in die große Fußball-Familie aufgenommen. Und dies wiederum gründete nicht unwesentlich auf der Zusammenarbeit zwischen Beckenbauer und dem kurzzeitigen kosovarischen Staatschef Behgjet Pacolli.

Beckenbauer, damals noch ein vermeintlich unbescholtener Funktionär mit gutem Leumund, war im Frühjahr 2011 von Pacolli zum „Ehrenbotschafter Kosovos“ ernannt worden. Der Auftrag: die Republik schnell in die Fußball-Dachverbände eingliedern. „Beckenbauers Stimme hatte in der Kosovo-Frage bei den Fußball-Dachverbänden großes Gewicht“, sagt Wolfgang Klotz.

Der Südosteuropa-Experte war zu jener Zeit Leiter des Belgrader Büros der Heinrich-Böll-Stiftung und kann sich gut erinnern an die Allianz zwischen Beckenbauer und Pacolli. Letzteren bezeichnet Klotz als korruptionsbereiten Tycoon. Pacolli war durch sein Bauunternehmen eng verbandelt mit dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin. Und bekanntlich hatte auch Beckenbauer sehr gute Kontakte nach Russland. Ihm wurde ein Zusammenhang zwischen der WM-Vergabe an Russland und seiner kurz darauf folgenden Funktion als Sportbotschafter des Landes nachgesagt.

"Das wäre eine sportpolitische Katastrophe"

Beckenbauers Beziehungen dürften das plötzliche Zusammenspiel zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem Kosovo befördert haben. Nun also, fünf Jahre später, zeigt sich das Ergebnis dieser deutsch-kosovarischen Verbindung in Form des Spiels in Frankfurt. „Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zum DFB“, sagt Eroll Salihu, der Generalsekretär des kosovarischen Fußball-Verbandes FFK. Doch Salihus Vorfreude auf das erste offizielle Länderspiel, in dem auf Seiten des Kosovo auch viele in Deutschland aktive Profis wie der ehemalige Hertha-Profi Fanol Perdedaj auflaufen, ist getrübt.

Salihu wartet seit Wochen auf die Einteilung des Kosovo in eine der bereits ausgelosten Qualifikationsgruppen für die Weltmeisterschaft 2018 in Russland. Der Kosovo dürfte nach der Aufnahme in die Dachverbände des Fußballs eigentlich teilnehmen. Doch es regt sich vor allem aus Serbien und – trotz der zeitweise engen Verquickung der korruptionsempfänglichen kosovarischen Führung mit dem Kreml – aus Russland Widerstand. Beide Länder verweisen darauf, dass der Kosovo kein Mitglied der Vereinten Nationen sei und deshalb laut Statuten gar nicht in die Uefa aufgenommen werden dürfe. Serbien kündigte bereits an, vor den internationalen Sportgerichtshof Cas zu ziehen. Und die Uefa äußert sich in diesen Tagen nicht dazu, sie verweist lediglich auf eine Task Force, die sich des Themas annehmen werde.

Das Problem dieser Task Force wird sein, dass die Statutenregelung über die Zugehörigkeit zur Uefa unpräzise formuliert ist und in viele gänzlich unterschiedliche Richtungen interpretiert werden kann. „Ich verstehe nicht, warum das so lange dauert. Bis Freitag wollen wir Klarheit“, sagt Salihu. Das dürfte allerdings ein frommer Wunsch bleiben. Vielmehr ist nicht mehr ausgeschlossen, dass die Uefa einen Rückzieher macht und die Aufnahme des Kosovo wieder zurücknimmt. „Das wäre eine sportpolitische Katastrophe, auch für die Uefa und die Fifa“, sagt Salihu.

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