Sport : „Es ist mir schnurzpiepe“

Dieter Schatzschneider sieht Hannover 96 auf einem guten Weg. Sevilla ist ihm dabei fast egal

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Herr Schatzschneider, ist der 2:1-Sieg im Hinspiel gegen den FC Sevilla für Hannover 96 im heutigen Rückspiel eigentlich noch zu übertreffen?

Ich muss Ihnen ganz ehrlich sagen: Mir ist das Rückspiel heute Abend schnurzpiepe. Ich habe meinen Höhepunkt gehabt, hier zuhause gegen Sevilla. Die Jungs können mich gar nicht mehr enttäuschen – ob sie das nun schaffen oder nicht. Hier habe ich als Fußballfan etwas Gigantisches erlebt.

Hannover 96 steht auch in der Bundesliga wieder weit oben. Hat eine Wachablösung stattgefunden im deutschen Fußball?

Nein. Unser guter Saisonstart, siehe auch Gladbach, ist darauf zurückzuführen, dass bei uns wenig Veränderungen vorgenommen wurden und wir ein eingespieltes Team haben. Nach der Länderspielpause werden sich die anderen Vereine ganz anders präsentieren, ihr wahres Gesicht zeigen. Ich hoffe nur, dass wir bis dahin noch ein paar Punkte sammeln können.

Wie kann der Verein nun dauerhaft in der Erfolgsspur bleiben?

Wir dürfen jetzt nicht abheben. Wir sind mit unserer zurückgewonnenen Bescheidenheit auf dem richtigen Weg. Wir haben es auch einmal anders versucht: Mike Hanke gekauft und und und. Wir hatten damals das gleiche Ziel und haben es nicht erreicht. Nun gehen wir einen anderen Weg – und werden dafür auch belohnt.

Wie sieht diese Bescheidenheit genau aus?

Andere Vereine hätten in unserer Situation erst einmal eingekauft: drei Spieler à fünf Millionen, Vierjahresverträge. Und wenn du dann rauskrachst und die Gruppenphase nicht erreichst, ja, dann hast du die Spieler trotzdem noch für vier Jahre. Schauen Sie doch, in welche Schwierigkeiten Werder Bremen oder der HSV kommen, wenn die mal nicht international spielen. Das ist ein Ritt auf der Rasierklinge, wo ich sage: 96, so bitte nicht.

Das Konterspiel wird immer wieder als der große Trumpf genannt. Ist Mirko Slomka der Vater der aktuellen Erfolgsgeschichte?

Absolut. Aber nicht nur taktisch. Auch wie er den Jan Schlaudraff wieder zu solchen Leistungen motivieren konnte. Eigentlich müsste der Junge doch schon 50 Länderspiele gemacht haben.

Wie können solche Spieler dauerhaft gehalten werden in Hannover?

Mirko Slomka hat einfach das Wissen, wie er die heutige Jugend erreicht. Seine Spieler dürfen auch mal schlecht spielen, sie werden aufgefangen in einer intakten Mannschaft. Die Spieler wissen einfach, was sie an Hannover 96 haben.

Und wenn Christian Nerlinger anruft?

Bayern München ist immer eine Adresse. Aber da stehst du dann auch dauerhaft im Fokus und musst Topleistungen bringen.

Das Gespräch führte Benjamin Apitius.

Dieter Schatzschneider, 53, ist seit 2008 als Scout für Hannover 96 tätig. Heute (21.05 Uhr, live bei Sport1) kann Hannover beim FC Sevilla in die Europa League einziehen.

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