Sport : „Es kann nur gemeinsam funktionieren“

Der neue Handball-Bundestrainer Martin Heuberger über seine Ziele, die Bundesliga und das Erbe von Heiner Brand

Martin Heuberger, 47, ist seit dem 1. Juli Handball-Bundestrainer. Heute gibt der Nachfolger von Heiner Brand beim Supercup in der Berliner Max-Schmeling-Halle gegen Dänemark (18.30 Uhr, live bei Sport1) sein Debüt mit der Nationalmannschaft. Foto: dapd
Martin Heuberger, 47, ist seit dem 1. Juli Handball-Bundestrainer. Heute gibt der Nachfolger von Heiner Brand beim Supercup in der...Foto: dapd

Herr Heuberger, sind Sie Fußballfan?

Ja, bin ich. Zu meiner aktiven Zeit als Handballer habe ich gern Fußball gespielt. Auch jetzt verfolge ich die Bundesliga regelmäßig. Warum fragen Sie?

Sie haben zuletzt die Nachwuchsarbeit beim Deutschen Fußball-Bund gelobt. Beneiden Sie Joachim Löw, der auf jeder Position über zwei gute und im Regelfall junge Spieler verfügt?

Ein bisschen Neid ist schon dabei. Andererseits ist es ja nicht so, dass wir beim DHB keine guten Nachwuchsspieler haben. Das Problem ist aber, dass wir in Deutschland die stärkste Handball-Liga der Welt haben, in der viele Ausländer beschäftigt sind und unseren jungen deutschen Spielern die Spielanteile wegnehmen. Dadurch haben es unsere Nachwuchsspieler schwer beim Übergang vom Nachwuchs- in den Männerbereich.

Sie haben mit Junioren-Teams große Erfolge gefeiert, 2011 sogar den erneuten Gewinn der U-20-Weltmeisterschaft. Wird man in naher Zukunft einige Spieler aus diesem Team in der A-Mannschaft sehen?

Wir haben es in der Vergangenheit stets geschafft, Talente auszubilden. Ich bin sicher, dass aus der jetzigen U-20-Mannschaft drei, vier Spieler in absehbarer Zeit den Sprung schaffen können.

Das heißt konkret: wann?

Erfreulich ist, dass einige Akteure aus dem WM-Kader viel Spielzeit in der Bundesliga erhalten. Ich denke an Torhüter Nils Dresrüsse vom TBV Lemgo oder auch an Johannes Sellin, der sich bei den Füchsen Berlin gut entwickelt.

Im Kader für den am Donnerstag beginnenden Supercup in Berlin stehen aber nur bekannte Gesichter. Warum?

Noch ist es zu früh für die ganz jungen Spieler. Sie müssen sich zuerst in der Bundesliga durchsetzen.

Sie haben die Nationalmannschaft in einer Zeit übernommen, in der es nicht gerade glänzend um den deutschen Handball steht. Haben Sie zwischenzeitlich gezweifelt, ob Sie das Angebot des DHB annehmen sollen?

Ich habe mir das natürlich gut überlegt. Je länger ich über die Entscheidung nachgedacht habe, desto mehr Feuer hat die Aufgabe in mir entflammt. Ich kenne das Potenzial, kenne den Nachwuchs. Deswegen bin ich überzeugt, dass wir künftig auch wieder um Medaillen mitspielen können.

In den vergangenen Jahren hat es immer wieder zwischen den Vereinen und Ihrem Vorgänger Heiner Brand gekriselt. Was können Sie tun, damit zumindest bei den großen Themen wieder Konsens herrscht?

Ich bin auf die Vereine angewiesen, auf die tägliche Arbeit im Training. Andererseits profitieren auch die Vereine von einer starken Nationalmannschaft, deshalb kann es nur gemeinsam funktionieren. Ich werde nichts unversucht lassen, um meine Philosophie mit den Klubtrainern zu besprechen. Ich hoffe, dass wir künftig in die gleiche Richtung marschieren.

Viel Zeit bleibt nicht, im Januar findet die EM in Serbien statt, bei der es um die beiden letzten Tickets für die Olympia-Qualifikation 2012 geht. Der ehemalige Welthandballer Daniel Stephan sagt, dass eine Nicht-Teilnahme eine Katastrophe wäre.

Für den größten Handball-Verband der Welt wäre es natürlich nicht gut, als Katastrophe würde ich es nicht bezeichnen.

Ihr Vertrag beim DHB läuft bis 2014. Was sind die großen Ziele?

Einerseits das Ticket zur Olympia-Qualifikation, andererseits will ich wieder eine Mannschaft aufbauen, die bei großen Turnieren um Medaillen mitspielen kann. Dazu muss man einer Mannschaft aber auch ein, zwei Turniere geben.

Das sind ehrgeizige Ziele – zumal Sie das Erbe der Ikone Heiner Brand antreten. Wie geht man an eine solche Aufgabe heran?

Ich habe damit kein Problem. Heiner Brand hat viel geleistet für den deutschen Handball, er ist eine Kultfigur. Aber jetzt beginnt eine neueÄra mit mir. Ich werde alles versuchen, um an seine Erfolge anknüpfen zu können.

Was unterscheidet Sie konzeptionell von Ihrem Vorgänger?

Ich werde mehr im konditionellen und athletischen Bereich arbeiten, um Verletzungen vorzubeugen. Dazu schwebt mir zur bewährten 6-0-Deckung auch eine 5-1-Variante vor, die wir vielleicht schon beim Supercup ausprobieren werden. Offensiv haben wir unter Heiner Brand viele gute Dinge einstudiert, da wird es keine großen Veränderungen geben.

Sie haben betont, dass jeder Spieler wieder stolz darauf sein muss, das Nationaltrikot zu tragen – eine Anspielung an die letzte WM, als es in der Mannschaft nicht wirklich stimmte?

Wenn man einen Spieler für die Nationalmannschaft motivieren muss, kann etwas nicht stimmen. Deshalb sind solche Spieler bei mir auch fehl am Platz. In der Vergangenheit gab es vielleicht das eine oder andere Störfeuer, von dem sich einige Spieler haben ablenken lassen.

Wie wollen Sie das künftig unterbinden?

Die Spieler sollen Spaß haben, sie sollen gern kommen. Aber sie müssen auch wissen, dass ich erfolgsorientiert arbeiten werde.

Ist dieser Punkt, die Mannschaft eben wieder zu einer Einheit zu formen, Ihre schwierigste Aufgabe?

Es ist keine einfache Aufgabe, aber ich freue mich darauf.

Das Gespräch führte Christoph Dach.

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