Euroleague gegen Fiba Europe : Der nächste Schachzug im Dauerstreit

Tritt Alba Berlin im Eurocup an? Oder doch nicht? Der erbitterte Streit in Europas Basketball nimmt wieder Fahrt auf.

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Im Zeichen des blauen Pokals. Wir das Eurocup-Logo auch kommende Saison bei Alba-Heimspielen zu sehen sein? Foto: Imago/Camera 4
Im Zeichen des blauen Pokals. Wir das Eurocup-Logo auch kommende Saison bei Alba-Heimspielen zu sehen sein?Foto: Imago/Camera 4

Die Mitteilung an Montagabend wirkte wie ein definitives Statement, wie der Schlusspunkt eines langen, zähen Kampfes. Die Basketball-Euroleague verkündete offiziell, welche Klubs in der kommenden Saison im wichtigsten Europapokal und dem zweitwichtigsten, dem Eurocup, spielen sollen. Mit dabei: der Deutsche Meister Bamberg in der Euroleague sowie im Eurocup die drei Bundesligisten Alba Berlin, FC Bayern München und Ulm. Wirklich abschließend geklärt ist der Streit zwischen der Euroleague und dem europäischen Verband Fiba Europe aber noch nicht. „Natürlich nicht“, sagt Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL). „Die Veröffentlichung ist nur ein weiterer Schachzug der Euroleague.“

"In anderen Ländern herrscht Kannibalismus"

Auffällig war am Dienstag, dass nur die Bamberger die Entscheidung der Euroleague offiziell vermeldeten und sich zu eigen machten. Alba, der FC Bayern und die Ulmer vermieden jede öffentliche oder gar offizielle Reaktion. Die Manager der Berliner und Münchner, Marko Pesic und Marko Baldi, reagierten auf Anfragen des Tagesspiegel nicht. Anscheinend will auch nach Monaten des Wartens und Taktierens noch kein Klub so wirklich aus der Deckung kommen.

Seit Monaten ringen die Fiba Europe und die Euroleague um die besten Klubs des Kontinents. Der europäische Verband will mit aller Macht seine neue Champions League und einen neuen Spielplan für Nationalmannschaften durchdrücken. Und drohte bereits damit, Nationalteams zu suspendieren, sollten Klubs im Eurocup antreten. Mittlerweile befinden sich beide Seiten in einem erbitterten Rechtsstreit. Die BBL hat es bislang vermieden, sich klar zu positionieren. „Wir als BBL haben noch keine Vereinbarung“, sagt Stefan Holz auch noch am Dienstag. Allerdings hätten nun wohl einige Klubs angesichts ablaufender Fristen „auf individueller Basis“ im Eurocup gemeldet. „Irgendwann wären die Wettbewerbe voll gewesen“, sagt der deutsche Liga-Chef. „Die Klubs sind frei in ihrer Entscheidung, stimmen sich aber untereinander ab. In anderen Ländern herrscht Kannibalismus.“

Sanktionen sind in Deutschland nicht zu erwarten

Wie zum Beispiel in Russland. Laut der Mitteilung vom Montagabend sollen vier russische Spitzenteams im Eurocup antreten: Khimki Moskau, Zenit St. Petersburg Nischni Nowgorod und Krasnodar. Russlands Basketball-Verband reagierte prompt: Die vier Vereine seien von allen nationalen Wettbewerben ausgeschlossen, die Nationalspieler würden nicht mehr im Nationalteam auflaufen, alle Transfers seien verboten. Wie ernst diese Drohungen zu nehmen sind, ist schwer zu sagen. Schließlich treten alle vier Vereine auch in der osteuropäischen VTB-Liga an, die weitaus wichtiger ist als Russlands nationale Liga.

Am 7. Juli sollen die Gruppen ausgelost werden

Ähnlich drastische Maßnahmen sind vom Deutschen Basketball-Bund (DBB) nicht zu erwarten. „Ich bin kein Freund von Sanktionierungen“, sagt DBB-Präsident Ingo Weiss. „ Wir werden im Einvernehmen mit der Bundesliga sehen, was wir machen.“ Weiss erwartet eine endgültige Entscheidung über die Europapokal-Teilnahme deutscher Klubs in zwei bis drei Wochen, schon am 7. Juli will die Euroleague aber die Gruppen-Auslosung für den Eurocup durchziehen. Für Ingo Weiss, der auch im Vorstand der Fiba Europa sitzt, ist mittlerweile das Maß voll. „Sie können sich gar nicht vorstellen, wie viel wir die ganze Zeit telefonieren. Mir geht das Ganze so was von auf den Wecker“, sagt der DBB-Präsident. „Ich bin überzeugt davon, dass es weiter schwelen wird. Aber wie soll ich das noch einem Fan erklären? Oder einem Journalisten?“

"Das ist doch der komplette Irrsinn"

Auch BBL-Chef Stefan Holz hat den Dauerstreit inzwischen mehr als satt. Laut Holz können die nationalen Ligen und Vereine das Problem nicht aus der Welt schaffen. „Die beiden Blöcke müssen das lösen, entweder einvernehmlich oder durch ein Gerichtsurteil oder die EU-Kommission“, sagt Holz. „Die sollen das verdammt noch mal jetzt hinkriegen, das ist doch der komplette Irrsinn.“

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