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Europa League : Hertha weiß beim 0:0 gegen Bilbao zu überzeugen

In der zweiten Hälfte sind die Berliner die gefährlichere Mannschaft. Doch ein Tor will ihnen nicht gelingen.

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Rackerte sich ab. Ein Tor wollte Vedad Ibisevic gegen Bilbao aber nicht gelingen.
Rackerte sich ab. Ein Tor wollte Vedad Ibisevic gegen Bilbao aber nicht gelingen.Foto: Imago

Es ist nicht bekannt, was Thomas Kraft am Abend vor seinem ersten Pflichtspieleinsatz in dieser Saison gemacht hat. Einiges spricht dafür, dass er sich die Spiele der deutschen Teams in der Champions League angeschaut und aufmerksam registriert hat, wie seine Torhüterkollegen von Schüssen ins kurze Ecke überwunden worden sind. Exakt eine Minute war zwischen Hertha BSC und Athletic Bilbao gespielt, als der Torhüter des Berliner Fußball-Bundesligisten in eine ähnliche Situation geriet. Aritz Aduriz versuchte es mit einem Schuss aufs kurze Eck – und scheiterte an Kraft. Einen besseren Einstand hätte es für Herthas Torhüter kaum geben können, und auch sonst war es ein erfreulicher Abend für Kraft und seine Kollegen. Zum Auftakt der Gruppenphase in der Europa League kamen die Berliner gegen Bilbao zu einem ehrenwerten 0:0. Selbst ein Sieg wäre dank einer deutlichen Steigerung in der zweiten Hälfte möglich gewesen.

„Drei Punkte hätten uns einen Schubs gegeben“, sagte Trainer Pal Dardai und ärgerte sich vor allem über die erste Halbzeit. „Ich habe der Mannschaft gesagt, sie soll mutiger sein. Sie hat in den ersten 15 Minuten zuviel Respekt gezeigt“, berichtete er bei Sky über seine Pausenansprache. Er bemängelte vor allem, dass der letzte Pass nicht richtig gespielt worden sei.

Kraft war einer der Neuen in Herthas Startelf. Vier Veränderungen hatte Dardai am Tag zuvor angekündigt. Es wurden sogar fünf. Neben Kraft waren auch Peter Pekarik und Fabian Lustenberger in den vier Pflichtspielen zuvor noch kein einziges Mal zum Einsatz gekommen. Ondrej Duda stand zum ersten Mal überhaupt für Hertha in der Startelf. Mit dieser Aufstellung war es fast zwangsläufig, dass es zu Beginn im Spiel der Berliner noch gehörig knirschte. Die Mannschaft brauchte fast die gesamte erste Hälfte, um sich einigermaßen zu finden. Eine Minute vor der Pause hatte Hertha den ersten Eckball im Spiel, mit der letzten Aktion geriet das Tor der Gäste erstmals in Gefahr – als ein Dropkick von Vladimir Darida aus gut 20 Metern nur knapp über die Latte flog.

Kraft konnte sich in der Anfangsphase auszeichnen

Es waren doch noch immerhin 28 832 Zuschauer geworden, die Herthas erstes Europa-League-Spiel seit dem Februar 2010 sehen wollten. Trotz des überschaubaren Andrangs mussten einige hundert Fans sogar noch vor den Toren warten, weil ihnen ihre bestellten und bezahlten Karten nicht ausgehändigt werden konnten. Eine knappe halbe Stunde nach Spielbeginn wurden sie schließlich ohne Tickets ins Stadion gelassen. Freie Plätze gab es ja zur Genüge.

Die Anhänger der Berliner brauchten exakt zehn Minuten, um das Spiel richtig zu lesen. Als Karim Rekik seinem Gegenspieler Inaki Williams den Ball ablief, gab es großen Jubel von den Rängen. Die Zuschauer erfreuten sich zu Beginn schon an den kleinen Dingen, weil die Gäste aus Spanien zu diesem Zeitpunkt das klar überlegene Team waren. Den Basken war anzumerken, dass sie nicht zum ersten Mal auf diesem Niveau spielten. Sie hatten die internationale Schnelligkeit in ihrem Spiel, von der Dardai immer spricht. Kraft konnte sich in der Anfangsphase ein weiteres Mal auszeichnen, als er einen Distanzschuss von Athletics quirligem Spielmacher Iker Muniain zur Ecke klärte.

Nach einer Viertelstunde, nach der schönsten Kombination des Spiels, konnte auch Kraft dem Ball nur noch hinterherschauen. Aduriz legte den Ball aus der Luft ab, Muniain ließ Pekarik ins Leere grätschen und guckte Herthas Torhüter aus. Doch Spaniens Nationalspieler wollte es vielleicht zu genau machen: Sein Schuss ging knapp am langen Pfosten vorbei. Die Berliner benötigten eine gute halbe Stunde, bis sie sich auf der ungewohnten Bühne besser zurechtfanden und zumindest das Mittelfeld besser unter Kontrolle bekamen. Nach vorne aber tat sich Hertha schwer. Der erste Schussversuch von Darida gefährdete nicht das Tor der Gäste, sondern den Torrichter ein paar Meter daneben.

Die Gäste gerieten nach der Pause gehörig unter Druck

Zu Beginn der zweiten Hälfte traute sich Dardais Mannschaft mehr zu, sie spielte mutiger und entschlossener nach vorne und kam plötzlich auch zu Chancen. Es waren gleich drei in nicht einmal fünf Minuten. Erst scheiterte Marvin Plattenhardt aus spitzem Winkel an Athletics Torhüter Iago Herrerin, dann Salomon Kalou und unmittelbar darauf Kapitän Vedad Ibisevic.

Auch Herrerin ist bei Bilbao eigentlich nur die Nummer zwei und kommt wie Kraft lediglich im Europapokal zum Einsatz.

Die Gäste gerieten in dieser Phase gehörig unter Druck, sahen sich Angriff auf Angriff ausgesetzt und schafften es erst nach einer guten Viertelstunde, das Spiel wieder etwas zu beruhigen. Aber Hertha blieb ein ebenbürtiger Gegner, frei von Ehrfurcht und mit einer überzeugenden kämpferischen Einstellung. Auch offensiv war Hertha weiterhin gefährlicher als die Gäste – allerdings im Abschluss ungewohnt ineffizient. Dardai brachte eine Viertelstunde vor Schluss Mathew Leckie, der in der Bundesliga alle Tore für Hertha erzielt hat. Zu einem Treffer und damit zum Sieg reichte es diesmal nicht. Aber auch das Unentschieden war für die Berliner bei der Rückkehr in den internationalen Fußball ein achtbares Ergebnis.

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