Ex-Manager von Hannover 96 : Jörg Schmadtke: Der Tod von Robert Enke hat nicht viel geändert

Vor wenigen Tagen hat sich der Fußballspieler Andreas Biermann das Leben genommen. Jörg Schmadtke war früher Manager von Hannover 96 und ist heute Sportchef des 1. FC Köln. Für ihn hat sich kaum etwas beim Umgang mit Depressionen getan.

Robert Enke war Torhüter von Hannover 96 und ist 2009 vor einen Zug gesprungen, 40 000 Trauergäste kamen zu einer Gedenkfeier ins Stadion von Hannover, sie wurde auf fünf Fernsehprogrammen live übertragen.
Robert Enke war Torhüter von Hannover 96 und ist 2009 vor einen Zug gesprungen, 40 000 Trauergäste kamen zu einer Gedenkfeier ins...Foto: dpa

Vor wenigen Tagen hat sich Andreas Biermann, ehemaliger St.-Pauli-Spieler, das Leben genommen. Jörg Schmadtke,  Ex-Manager von Hannover 96, heute Sportchef des 1. FC Köln,  erinnert im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT  an den Freitod des Hannoveraner Torwarts Robert Enke im November 2009: "Roberts Tod hat mich damals richtig wachgerüttelt", so Schmadtke, aber: "Es mag den ein oder anderen geben, der jetzt sensibilisiert ist und etwas genauer hinschaut, aber im Großen und Ganzen hat sich nicht viel geändert, auch im Umgang miteinander in der Öffentlichkeit nicht."

Die "Sonntagsreden zum Tod von Robert Enke" habe er alle noch in Erinnerung: "Sie hatten allenfalls einen Lerneffekt von 14 Tagen."  Es gebe "extrem viele Scheinwerfer, extrem viel Hype, es gibt nur ganz hoch oder ganz tief, es gibt nichts dazwischen", so der 50-jährige Sportdirektor. Dennoch: "Erkennbare Anzeichen" für die Erkrankung Enkes habe es, so Schmadtke, nicht gegeben.

Der Sportdirektor des 1. FC Köln, der aktuell in die 1. Liga aufgestiegen ist, wundert sich zudem über Fußballer in politischen TV-Diskussionen: "Trainer, Spieler oder Manager haben in diesen Runden nichts verloren", sagte Schmadtke im Interview.

Jörg Schmadtke war früher Manager von Hannover 96 und ist heute Sportchef des 1. FC Köln.
Jörg Schmadtke war früher Manager von Hannover 96 und ist heute Sportchef des 1. FC Köln.Foto: dpa

Bei der letzten Bundestagswahl habe er "rumgezappt – da saß auf fast jedem Kanal ein Fußballer in einer Diskussionsrunde und hat sich zur Wahl geäußert. Da wundere ich mich schon." Er meint: "Man muss nicht alles wahrnehmen, was einem angeboten wird."

Wie der Leistungssport die Psyche belasten kann, können Sie hier nachlesen.

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