Fangruppierung des 1. FC Union : Crimark steht unter Rechtsextremismusverdacht

Eine Fangruppierung des 1. FC Union, Crimark, wird im Brandenburger Verfassungsschutz erwähnt und steht unter Rechtsextremismusverdacht. Der Zweitligist erklärt sie nun für unerwünscht.

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Im Brandenburger Verfassungsschutz wird Crimark erwähnt.
Im Brandenburger Verfassungsschutz wird Crimark erwähnt.Foto: Matthias Koch

Die Zaunfahne ist ein Heiligtum für Fußballfans, auch beim Zweitligisten 1. FC Union. Das Transparent der unionnahen Gruppierung Crimark aus Brandenburg soll in der kommenden Spielzeit aber nicht mehr im Stadion An der Alten Försterei hängen. Die Fanbetreuung der Berliner hat sich vor dem letzten Heimspiel gegen den MSV Duisburg am 12. Mai mit Crimark-Angehörigen getroffen und ihnen mitgeteilt, dass sie als Gruppierung unerwünscht sind – inklusive Fahne.

Einige Mitglieder des losen Zusammenschlusses von rund 20 bis 25 Anhängern stehen unter Rechtsextremismusverdacht. Die Gruppierung wurde im Verfassungsschutzbericht des Landes Brandenburg 2012 vom April 2013 erwähnt. „Eine im Berliner Umland aktive rechtsextremistische Fußballanhängerschaft ist Crimark. Es handelt sich hierbei um Fans des 1. FC Union Berlin. Die führenden Akteure kommen aus Potsdam und Umgebung“, heißt es auf Seite 48. „Der Name Crimark setzt sich laut eigener Aussage aus Crime (englisch ‚Verbrechen‘) und Mark zusammen. Laut Internetseite Indymedia sollen diese Fans für Schmierereien und Aufkleber mit Sprüchen wie ‚Juden SVB‘ (SV Babelsberg – d. Red.) und ‚NS Jetzt‘ verantwortlich sein.“ Der Zweitligist geriet durch den Bericht, der sich auf Angaben des linksorientierten unabhängigen Mediennetzwerkes Indymedia stützt, in Zugzwang.

Bei Union-Partien ist Crimark bislang nicht negativ aufgefallen. Versuche des Vereins, genauere Informationen bei den Behörden zu erhalten, scheiterten. Polizeiliche Ermittlungen laufen, Namen und Personendaten werden jedoch nicht preisgegeben, solange keine Ermittlungsergebnisse vorliegen. Da der Verein durch die Gruppierung in Verruf gebracht werden könnte, wurde Union dennoch aktiv. Von Hausverboten ist nicht die Rede. Aber solange Crimark der rechten Gesinnung verdächtigt wird, bleibt die Gruppe unerwünscht. Als Einzelpersonen wird ihnen der Zutritt jedoch nicht verwehrt, zumal Crimark kein eingetragener Fanclub ist. „Wenn Menschen sich an Recht, Gesetz und die Stadionordnung halten und gegen sie nichts vorliegt, können sie ins Stadion kommen. Personen, die mit rassistischen oder diskriminierenden Äußerungen auffallen, dulden wir natürlich nicht“, sagte Vereinssprecher Christian Arbeit.

Der Union-Fanszene ist Crimark ein Begriff. Ein Mitglied soll früher zu den Ultras von Teen Spirit Köpenick gehört haben, der Nachwuchsabteilung des Wuhlesyndikats. Im Internet-Fanforum wurde der „Crimark“ betreffende und bereits vor einem Jahr angelegte Thread „Neonazis auf der Waldseite?“ inzwischen über 60 000 Mal angeklickt und mit über 400 Kommentaren versehen. Beim Testspiel in Chemnitz (2:1) am 19. Januar 2013 agierten zwei Fans mit orangefarbenen Jacken mit der Aufschrift „Crimark Union Berlin“ als Vorsänger. Am23. März 2013 gehörte „Crimark“ zu den Teilnehmern des von Union-Ultras organisierten Hallenfußball-Turniers „Szene Köpenick Cup 2013“.

Der Umgang des Vereins mit Crimark wird in der Fanszene zwiespältig betrachtet. Ultras mögen es nicht, wenn Gruppen für nicht bewiesene Verfehlungen Einzelner in Sippenhaft genommen werden. So hing die Crimark-Fahne beim Heimspiel gegen Duisburg demonstrativ in der Nähe der Capos genannten Vorsänger. Auch beim letzten Saisonspiel in Bochum hatte die Fahne einen prominenten Platz am Gästeblock. Am Tag zuvor bei der Erstligapartie zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München zeigten Gladbacher Fans ein riesiges Banner mit der Aufschrift „Solidarität mit Crimark“.

Das Plakat sorgte in der Gladbacher Szene für Verwirrung. Im Internet begründeten Borussia-Ultras ihr Vorgehen. „Bei den uns bekannten Mitgliedern von Crimark konnten wir keine rechten Tendenzen feststellen. (Rechte) Politik hat in unseren Gesprächen und gemeinsamen Erlebnissen nie eine Rolle gespielt“, heißt es bei „Blog1900.de“. Auch dieses Statement zeigt, wie schwierig der Umgang Unions mit der Crimark-Problematik ist und sein wird.

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