Fans bei der Basketball-EM : Alle raus, alle rein, alle laut

Die Stimmung bei der Basketball-EM in Berlin ist außerordentlich gut – trotz ungewöhnlicher Tickets.

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Gute Stimmung im serbischen Fanblock.
Gute Stimmung im serbischen Fanblock.Foto: dpa

Um 14.30 Uhr erfolgt der Sprungball in Belgrad, drei Stunden später geht es in Istanbul weiter, am Abend wird dann in Neapel gespielt. Die Stimmung ist mal fröhlich und ausgelassen und mal hitzig und aggressiv, laut ist es aber immer – egal wer gerade gegen wen spielt. Bei der Vorrunde der Basketball-EM kann man derzeit eine Menge von der Welt sehen, ganz ohne die Arena am Ostbahnhof zu verlassen. Die sechs Mannschaften, die in Berlin antreten – Gastgeber Deutschland, Spanien, Italien, Serbien, Türkei und Island – ziehen Tag für Tag viele Unterstützer in die Halle. Es geht also nicht nur laut zu, sondern auch bunt.

Basketball-EM 2015: So feiern die Fans ihre Mannschaften
Die Basketball Europameisterschaft ist für viele Fans eine willkommene Gelegenheit, sich in den Farben ihres Landes in Schale zu werfen. Diese Spanier machen's vor.Alle Bilder anzeigen
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10.09.2015 14:52Die Basketball Europameisterschaft ist für viele Fans eine willkommene Gelegenheit, sich in den Farben ihres Landes in Schale zu...

Das EM-Turnier findet neben Deutschland auch in Lettland, Kroatien und Frankreich statt. Aber schon der Standort Berlin allein ist von internationalen Zuschauern gut besucht. Beim Deutschen Basketball-Bund (DBB), der die Vorrunde in Berlin organisiert und ausrichtet, ist man jedenfalls bislang hochzufrieden. In den ersten drei Turniertagen wurden laut DBB-Generalsekretär Wolfgang Brenscheidt mehr als 76 000 Eintrittskarten verkauft. „Das ist eine Zahl, die einige der anderen Standorte für die ganzen fünf Tage angepeilt haben“, sagt Brenscheidt nicht ohne Stolz. „Wir sind völlig im Soll. Als Ziel für die gesamte Vorrunde hat der DBB 110 000 Zuschauer ausgegeben. „Da leg ich mich fest: Das werden wir schaffen“, sagt Brenscheidt.

Die Hallen sind voll

Großen Anteil an dieser Bilanz haben natürlich die Spiele der deutschen Mannschaft, die allesamt ausverkauft sind. Auch am Mittwochabend (nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe) wollten 13 050 Zuschauer Dirk Nowitzki und seine Mitspieler gegen Italien sehen, für das abschließende Gruppenspiel der Deutschen am Donnerstagabend gegen Spanien (17.45 Uhr, live in der ARD) gibt es ebenfalls längst keine Tickets mehr.

Im Gegensatz zu vergangenen EM-Turnieren gab es in Berlin bislang auch keine Partie, die auf gar kein Zuschauerinteresse gestoßen ist. Vor zwei Jahren in Slowenien war das anders, bei der Europameisterschaft 2013 verirrten sich besonders zu den Mittagsspielen nur äußerst wenige Zuschauer in die Hallen von Ljubljana, Jesenice, Celje und Koper. Insofern scheint die Strategie des Verbands Fiba, das Turnier aufzusplitten, zumindest in Berlin voll aufzugehen.

Gewöhnungsbedürftig für die Fans ist die Art der Tickets. Nur wenige Zuschauer haben Eintrittskarten für die gesamte EM erworben. In den Verkauf gingen vor allen Dingen Tickets für die Deutschland-Spiele sowie die für die beiden Spiele ohne deutsche Beteiligung eines jeden Tages. Das hat zur Folge, dass die Arena zwei Mal am Tag nach der Schlusssirene schnellstmöglich geräumt werden muss.

Stimmung in der Arena „sehr wechselhaft“

Am Samstag funktionierte das Prozedere noch nicht völlig reibungslos, vor allen Dingen serbische Anhänger erregten sich darüber, erst kurz vor Beginn des Spiels ihres Teams gegen Spanien zu ihren Plätzen gelangen zu können. „Das muss sich einspielen – und alle Beteiligten müssen Bescheid wissen“, sagt Moritz Hillebrand, Sprecher von Hallenbetreiber Anschutz. Man habe den Ablauf am Sonntag optimiert, „jetzt kommen die Leute schnell raus und schnell rein“. Bei Anschutz kann man auch damit leben, dass den Verpflegungsständen Umsätze entgehen, weil die Zuschauer genau dann nicht in der Halle sind, wenn sie eigentlich Zeit zum Konsumieren hätten.

Aus Sicht des deutschen Fans Henry Voß, der Alba Berlin und dem Nationalteam hinterher reist, ist die Stimmung in der Arena „sehr, sehr wechselhaft“. Von den türkischen Fans habe er mehr erwartet, sagt der 28 Jahre alte Berliner, die Serben hingegen seien extrem engagiert. „Die Isländer könnten viel mehr machen“, sagt Voß über den blauen Fanblock. „Die rufen immer nur ’Island, Island’, mehr habe ich da noch nicht gehört.“

Auch am heutigen letzten Berliner Turniertag wird der Hallensprecher nach Spielende seine Durchsage machen: „Liebe Fans, bitte denkt daran, die Halle so schnell wie möglich zu verlassen.“ Eine Stunde später ist die Arena dann wieder voll. Und es wird laut.

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