Fans gegen Martin Kind : Ultra dämlich für Hannover 96

Der Streit bei Hannover 96 eskaliert. Randalierende Ultras richten mit ihren Protesten dabei noch mehr Schaden an als Präsident Martin Kind mit seinen Allmachtsfantasien, meint unser Autor. Ein Kommentar.

Hannes Hilbrecht
Peinlicher Auftritt. "Fans" von Hannover 96 provozierten zuletzt in Burnley einen Spielabbruch.
Peinlicher Auftritt. "Fans" von Hannover 96 provozierten zuletzt in Burnley einen Spielabbruch.Foto: dpa

Für die einen sind sie es, die Fußballkultur und Tradition im Stadion pflegen und mit ihren Gesängen ein Fußballspiel erst zu einem Fußballspiel machen. Für die anderen sind es Störenfriede mit Aufmerksamkeitsdefizit, die dazu manchmal auch noch gewaltbereit auftreten. Zu den ganz harten Fußballfans, den Ultras, gibt es sicher noch mehr als zwei Meinungen. Die von Martin Kind zum Beispiel. „Ich will sie nicht im Stadion haben. Wir brauchen sie nicht“, sagte der Präsident von Hannover 96 der „Bild“.

Kind will die Mehrheit des Vereins mit seinen Hörgerät-Millionen übernehmen, das rechtliche Schlupfloch, die 50+1-Regeln auszuhebeln, gibt es für ihn seit Jahren. Dagegen wehren sich die aktiven Fußballfans – zum Teil auch mit Randale wie jüngst etwa beim Testspiel gegen den FC Burnley, das abgebrochen werden musste. „Wir können uns dort nicht mehr blicken lassen“, sagte Kind. Sein Ziel ist es, die gewaltbereiten Ultras auszugrenzen. Die Möglichkeit, dass es auch friedliche Enthusiasten treffen könnte, scheint er dabei einzuplanen.

Aber daran ist nicht Kind schuld, das haben sich alleine die Gewalttäter vom Wochenende zuzuschreiben, die nicht nur in Burnley und bei Hannover 96, sondern in ganz Deutschland Ärger machen. Die Ziele vieler aktiver Fußballfans mögen redlich sein und den Zeitgeist treffen: Das Stadionerlebnis muss bezahlbar bleiben, Salami-Spieltage sind blöd. Die Überkommerzialisierung sowieso.

Doch mit ihrem unflätigen Benehmen und den Gesetzesbrüchen verspielen sie Sympathie, die sie in der breiten Masse bräuchten, um ihre Ziele durchzusetzen. Das ist ultra dämlich. So dürfen sie sich nicht wundern, dass viele in der Bundesliga sagen werden: Lieber ein Kind auf der Ehrentribüne als ein ganzer Haufen randalierender Kinder in der Kurve.

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