FC Schalke 04 : Ruhe auf Zeit

Nach der geglückten Champions-League-Qualifikation bei Paok Saloniki darf Schalkes Trainer Jens Keller vorerst weiterarbeiten. Zudem verpflichtet der Fußball-Bundesligist Dennis Aogo vom Hamburger SV.

von
Weiter und weg. Schalkes zweifacher Torschütze Szalai droht lange auszufallen. Foto: AFP
Weiter und weg. Schalkes zweifacher Torschütze Szalai droht lange auszufallen.Foto: AFP

Thessaloniki - Der Schweiß rann von der Stirn, die Erschöpfung war Horst Heldt anzusehen. „Das Spiel hat viel Kraft gekostet“, sagte der Manager des FC Schalke 04 – und meinte vor allem sich selbst. Heldt sah nach dem 3:2-Sieg der Schalker bei Paok Saloniki so blass aus, als hätte er selbst mitgespielt. „Ich bin ein bisschen älter geworden. Aber wir alle sind unheimlich froh, dass wir unser Ziel erreicht haben“, sagte Heldt. Die Gruppenphase der Champions League ist erreicht, Einnahmen von rund 20 Millionen Euro können die Schalker verbuchen. Die bis vor der Begegnung depressive Grundstimmung im Klub hat sich zumindest ein wenig verbessert. „Dieser Sieg war in vielerlei Hinsicht wichtig“, sagte Heldt. Ebenso brachte der Manager die Hoffnung zum Ausdruck, die intensiven Diskussionen um Trainer Jens Keller würden sich beruhigen.

Auch wenn die Leistung wieder einmal alles andere als ansprechend war, so schafft dieses Erfolgserlebnis immerhin neue Argumente für den Coach. Und nicht zuletzt Heldt selbst wird erst einmal tief durchatmen. Den Trainerposten hatte Keller vor allem auf Geheiß des Managers bekommen. Mit den negativen Ergebnissen rückte deshalb auch Heldt zuletzt immer mehr in den Fokus der Kritik. „Wir haben sicher Glück gehabt. Ich bin vor allem erleichtert“, sagte Keller. Es war bereits sein zweites Schlüsselspiel, das der Trainer mit den Schalkern gewonnen hatte. In der vergangenen Saison erreichte er am letzten Spieltag den angestrebten vierten Platz mit einem glücklichen Sieg beim SC Freiburg. Damit hatte er es geschafft, seine Position zu stärken und sich Kredit zu verschaffen. Doch der Fehlstart in die Bundesliga und nicht zuletzt das verkrampfte Spiel in Griechenland haben diesen Freiraum wieder eingeengt. Der spielerisch betrübliche Auftritt in Thessaloniki warf neue Fragen über die Arbeit des Trainers auf.

Die Spieler litten sichtlich unter einer kollektiven Verunsicherung, die sie zu lähmen schien. Das Aufbauspiel war so fehlerhaft und konzeptlos, dass es bei den Beobachtern Kopfschütteln verursachte. Die Abwehr war bei der ersten ernsthaften Prüfung bereits überfordert. Von einem übergeordneten Konzept war noch immer nichts zu erkennen. Jens Keller hat der Mannschaft bisher noch keine umsetzbaren Lösungsmöglichkeiten mit auf den Weg gegeben. Allein die individuellen Fähigkeiten Einzelner haben in Griechenland zum Erfolg geführt. Dem Team fehlt auf dem Platz weiterhin das nötige Handwerkszeug, um die Souveränität eines Spitzenteams zu entwickeln. Dieses zu vermitteln, ist eine originäre Aufgabe eines Cheftrainers. „Es war eine Achterbahnfahrt, ein dreckiger Sieg. Wir schaffen es einfach nicht, eine Führung souverän herunterzuspielen. Das nervt mich und die Mannschaft“, sagte Torschütze Julian Draxler, der erstmals in dieser Saison seiner neuen Rolle als Führungsspieler gerecht geworden war. Der zweifache Torschütze Adam Szalai war der zweite Spieler, der den Unterschied ausmachte, obwohl er nur unter Einsatz einer hohen Dosis Schmerzmittel auflaufen konnte. Beim Ungarn wird ein Kahnbeinbruch befürchtet, der einen mehrwöchigen Ausfall zur Folge hätte.

Derweil wird der Kader der Schalker weiter verändert, am Mittwoch wurde Dennis Aogo vom HSV verpflichtet. Auch soll der Klub Kontakt zu Valentin Stocker vom FC Basel aufgenommen haben. An der idealen Zusammenarbeit der gesamten Gruppe müssen die Schalker weiterhin sehr hart arbeiten. Das Erreichen des ersten Saisonziels ist zwar ein großer sportlicher und finanzieller Erfolg für den Klub, doch die Zweifel an Jens Keller bleiben bestehen. Bereits am Samstag geht es in der Bundesliga gegen das Spitzenteam von Bayer 04 Leverkusen. Ein Duell, das für mehr Klarheit in der Trainerfrage sorgen dürfte. Jörg Strohschein

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar