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Felix Fischer von den BR Volleys : "Es wird Zeit für das richtige Leben"

Berlins Volleyballlegende Felix Fischer beendet seine Karriere. Im Interview verrät er, warum er das tut und was es mit seinem Markenzeichen auf sich hat.

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Ballfixiert. Felix Fischer, 33, hat mit dem SCC und den Volleys fünf deutsche Meisterschaften und je einmal den DVV-Pokal sowie den CEV-Cup gewonnen.
Ballfixiert. Felix Fischer, 33, hat mit dem SCC und den Volleys fünf deutsche Meisterschaften und je einmal den DVV-Pokal sowie...Foto: imago/Marcel Lorenz

Herr Fischer, warum hören Sie im Mai auf?

Es wird Zeit für mich, mich um das richtige Leben zu kümmern. 15 Jahre Profi-Volleyball sind schon eine Hausnummer. Man macht vor so einer Entscheidung viele Gefühlswelten durch. Ich hatte 2015 schon einen Hänger, als ich nicht mehr so richtig Lust hatte. Damals konnte mich Volleys-Manager Kaweh Niroomand noch überreden, weiterzumachen. Außerdem hat sich für mich die Möglichkeit ergeben, eine Ausbildung zum Fachinformatiker zu absolvieren. Und, man muss da ehrlich sein, sportlich macht es langsam auch Sinn.

Sind Sie mit 33 Jahren zu alt?

Zumindest wird man nicht mehr besser in dem Alter. Wenn ich mir meine jüngeren Teamkollegen Aleksandar Okolic oder Graham Vigrass anschaue, fällt es schwer, da Schritt zu halten. Sie springen wie die Ochsen. Es ist schwierig für mich, ihre überragende Athletik mit meiner Erfahrung auszugleichen.

Apropos Grundvoraussetzungen: Wie hat sich der Volleyball in den vergangenen Jahren verändert?

Er ist wie alle anderen Sportarten schneller, athletischer und dynamischer geworden. Und die Professionalisierung macht auch im Volleyball nicht Halt vor Dingen wie zum Beispiel der Ernährung.

Und wie hat sich der Volleyball beim SCC beziehungsweise den BR Volleys entwickelt? 2003 spielten Sie Ihre erste Saison ja beim SCC.

Da habe ich gleich meine erste Meisterschaft gewonnen. Aber wenn man das mit heute vergleicht, die kleine Sömmeringhalle, das ganze Umfeld, der Unterschied zu den BR Volleys ist riesig. Damals hat Günter Trotz in der Geschäftsstelle fast alles alleine gemacht. Heute sind wir ein richtig großes Unternehmen, hochprofessionell. Und dann spielen wir in der Max-Schmeling-Halle jedes Mal vor mindestens 3000 Zuschauern, manchmal sogar vor 6000.

Trotzdem ist der Volleyball in Deutschland immer noch eher klein dimensioniert. Werden Sie in Berlin auf der Straße erkannt?

Das kommt eigentlich nie vor. In 15 Jahren wurde ich auf der Straße vielleicht zwei- oder dreimal angesprochen und habe ein Autogramm gegeben. Volleyball hat leider nicht den Stellenwert in der Öffentlichkeit, den er verdient hätte. Das ist beim Pokalendspiel im Januar wieder deutlich geworden.

Inwiefern?

Ein Sender übertrug das Spiel live im frei empfangbaren Fernsehen. Weil das Spiel lange dauerte und über vier Sätze ging, brach er die Übertragung in der entscheidenden Phase ab. Das ist schon bitter.

Wie kann Volleyball populärer werden?

Er muss noch besser vermarktet werden. Wir als BR Volleys zeigen ja, dass man ein großes Publikum dafür gewinnen kann. Ein wichtiger Schritt wäre, wenn wir endlich einen Ligasponsor finden würden. Vielleicht sollte man auch ernsthaft über eine Ausländerbeschränkung nachdenken.

Protektionismus im deutschen Volleyball?

So würde ich das nicht bezeichnen. Aber Identitätsfiguren, auch aus der deutschen Nationalmannschaft, würden dem Volleyball hierzulande guttun. Auf längere Sicht wäre es aber schön, wenn in Deutschland noch mehr Nachwuchsspieler den Sprung schaffen würden.

Warum sind Sie eigentlich Volleyballer geworden?

Ich habe vieles ausprobiert, das musste ich auch. Ich hatte als Kind das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Meine Eltern haben daher zu mir gesagt: „Mach’ was, du musst deine überschüssigen Energien loswerden.“ Ich bin dann beim Volleyball gelandet, weil ich dort den besten Trainer hatte. Der wusste genau, wie er mich packen musste und hat mir schon öfter mal gesagt: „Junge, komm mal klar in Deiner Welt.“ Das hat mir geholfen.

Ihr Markenzeichen ist Ihr Stirnband. Was hat es damit auf sich?

Ich finde ja, dass es total doof aussieht. Wir hatten vor vielen Jahren mal einen Kanadier in unserer Mannschaft, der so ein Schweißband hatte. Wir haben ihn dann alle aufs Korn genommen und alle mal so eins getragen für ein Spiel. Zwei Jahre später wurde bei mir eine Stoffwechselkrankheit diagnostiziert, eine Eigenschweißallergie. Ich bekomme von meinem Schweiß Flecken im Gesicht. Deswegen muss ich es tragen.

Sie sind der Publikumsliebling. Wer kann Sie ersetzen?

Es wird sich schon jemand finden. Es gibt ja schon sehr beliebte Spieler wie Robert Kromm oder Ruben Schott.

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