FIFA gegen Wettbetrüger : Hoffen auf Selbstreinigung

Fifa-Präsident Joseph Blatter stellt auf der FIFA-Konferenz „Sport, Wirtschaft und Ethik – eine Standortbestimmung“ das Frühwarnsystem EWS, das den Fußball vor Wettbetrug schützen soll, vor und fordert lebenslange Sperren für Wettbetrüger.

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Warnender Zeigefinger: FIFA-Chef Sepp Blatter sagt den Wettbetrügern den Kampf an.
Warnender Zeigefinger: FIFA-Chef Sepp Blatter sagt den Wettbetrügern den Kampf an.Foto: rtr

Der kleine Joseph Blatter ist ein großer Rhetoriker. „Der Sport muss selbst die erste Verteidigungslinie gegen Wettbetrug aufbauen“, sagte der Präsident des Fußball-Weltverband Fifa am Freitag auf einer Konferenz in Zürich. Die Veranstaltung lief unter dem Titel „Sport, Wirtschaft und Ethik – eine Standortbestimmung“. Es ging unter anderem um das von der Fifa installierte Early Warning System EWS, das den Fußball vor Wettbetrug schützen soll. „Wer sind denn die Leute, die Spiele manipulieren?“, fragte Blatter – und gab selbst die Antwort: „Spieler, Funktionäre – alles Personen aus unserer Welt des Fußballs.“

Wenn jeder in der schönen Fußballwelt ein ehrlicher Mensch wäre, hätte Spielmanipulation trotz der Interessen der organisierten Kriminalität keine Chance, nährte er die Hoffnung auf die Selbstreinigungskräfte des Sports.

Das ist natürlich unrealistisch und so sprach sich Blatter für lebenslange Strafen aus. „Diejenigen, die das Spiel verkauft haben im Fußball, die spielen nie wieder Fußball“, kündigte er gegenüber dem Tagesspiegel an.

Der gleichen Meinung wie Blatter war der Uno-Berater für Sport, Willi Lemke. Der frühere Werder-Manager hatte ebenfalls lebenslange Sperren für Betrüger gefordert. Höheres Strafmaß – und vor allem Einheitlichkeit in der Sanktionierung könnte den Betrügern tatsächlich das Geschäft erschweren. Der Fifa-Direktor für Sicherheit Ralf Mutschke beklagte in Zürich vor allem die weitgehende Straflosigkeit der Wettbetrüger. „Sie haben ein vergleichsweise geringes Risiko. Für den Besitz eines Kilos Kokain geht jemand vier bis acht Jahre ins Gefängnis. Wer Hunderte Spiele manipuliert, kommt hingegen straffrei davon“, sagte er mit Blick auf den mutmaßlichen Wettpaten Dan Tan in Singapur.

Mutschke, ein langjähriger Mitarbeiter des Bundeskriminalamts will bei Polizeiermittlern Frustration wegen der geringen strafrechtlichen Konsequenzen ausgemacht haben. „Da ermittelt man zwei Jahre lang und dann sind das Ergebnis Geldstrafen und Freisprüche. Da sagen sich die Kollegen doch, da kümmere ich mich wieder mehr um gewöhnliche Gewaltverbrechen“, sagte er und verwies auf einen Beschluss eines Schweizer Gerichts, das einen sogar geständigen Betrüger freisprach, weil er seine Aktivitäten via Internet ausgeübt hatte und damit nicht einen realen Menschen leibhaftig betrogen hätte.

Dass der Betrug ganz real vor sich geht – und auch noch jetzt trotz aller Ermittlungen – erfährt Mutschke immer wieder bei den Ethikseminaren, die seine Abteilung in allen Teilen der Welt durchführt. „Bei einem Seminar in Guatemala hat uns ein Verein auf eine Person aufmerksam gemacht, die als Manipulator auftrat und dem Verein stets ins Hotel bei Auswärtsspielen folgt. Durch Kontakte mit der Polizei haben wir seine Identität ermittelt“, berichtet Mutschke von einem jüngeren Erfolgserlebnis.

Diese Ermittlungen zeigen, dass sich die Fifa inzwischen nicht mehr allein auf das Monitoringsystem EWS verlässt. Das liegt auch daran, dass sich die Auswertung der Ergebnisse extrem schwierig gestaltet. Ob sich dann tatsächlich eine Manipulation ereignet hat, lässt sich nicht immer genau bestimmen. Vor Gericht wird EWS als Beweismittel meist nicht anerkannt.

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