Fifa nach dem Blatter-Rücktritt : Dicker Auftrag für Domenico Scala

Domenico Scala, der oberste interne Finanzaufseher der Fifa, soll die Reformen des Fußball-Weltverbandes gestalten. Der neue starke Mann bei der Fifa traut sich sogar, Noch-Präsident Sepp Blatter zu kritisieren.

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Plötzlich im Vordergrund: Domenico Scala (l.) wird nach dem Rücktritt von Fifa-Boss Sepp Blatter ganz neu beobachtet.
Plötzlich im Vordergrund: Domenico Scala (l.) wird nach dem Rücktritt von Fifa-Boss Sepp Blatter ganz neu beobachtet.Foto: rtr

Plötzlich ist er in die erste Reihe gerückt. Plötzlich ist er derjenige, der die Reformen bei der Fifa vorantreiben soll. Plötzlich hängt vieles ab von Domenico Scala, wie es beim Fußball-Weltverband weitergehen wird. Seitdem Joseph Blatter vor sechs Tagen seinen Rücktritt als Fifa-Präsident angekündigt hat und Scala direkt nach ihm in einer kurzen Rede viele Veränderungen ankündigte, wird die Arbeit des 50-Jährigen ganz neu beobachtet. Denn bisher war der große, bullige Schweizer mit italienischen Wurzeln bei der Fifa nur im Hintergrund tätig.

Seit drei Jahren ist er Vorsitzender der sogenannten Audit- und Compliance-Kommission, also der oberste interne Finanzaufseher des Verbands. Unabhängig per Mandat, nicht als Angestellter, das betont er immer wieder. Über Scala, der als Manager in Finanz- und Pharma-Unternehmen überaus erfahren ist, gibt es im Umfeld der Fifa unterschiedliche Meinungen. Einige trauen ihm zu, im aktuellen Übergangsprozess tatsächlich der neue starke Mann zu sein. Manche glauben sogar, er sei der Einzige, auf den Blatter hören könnte. Andere wiederum betonen, bisher habe er noch kaum etwas getan – außer beim Kongress eine ordentliche Buchführung festzustellen. Amtszeitbegrenzung, kleineres Exekutivkomitee und Integritätsprüfung für Funktionäre lauten nun die Stichworte auf seiner To-do-Liste.

Domenico Scala übte deutliche Kritik an Sepp Blatter

Jetzt hat sich Scala zum ersten Mal zum Fifa-Skandal geäußert. In Schweizer Zeitungen verteidigte er zunächst den Weltverband. Er habe „in den letzten zwei Jahren bei der Rechtseinheit Fifa keinen einzigen Fall von Korruption gesehen“, sagte er dem „Blick“. Scala kritisierte allerdings auch Sepp Blatter deutlich. Der 79-Jährige müsse sein Gehalt offenlegen, forderte er. Zudem habe sich Blatter als Fifa-Chef zu sehr ins Zentrum gestellt. „Wahrgenommene Allmacht und tatsächliche Macht stimmen nicht überein“, betonte Scala. „Da hat er wohl zu dick aufgetragen.“

Auch wenn er als einer der Ersten von Blatters Rücktritt wusste, Scala war es offenbar nicht, der den Fifa-Präsidenten dazu bewegte. Am vergangenen Dienstagnachmittag habe ihn Blatter zu sich bestellt. „Es war das erste Mal, dass Sepp Blatter mich zu sich rief.“ Er habe ihm gesagt, dass er sich gut drei Stunden später öffentlich vom Amt zurückziehen wolle. Über den genauen Grund für dessen Rücktritt wollte Scala nicht spekulieren. Er wisse auch nichts von Ermittlungen gegen Blatter, sagte er der „Sonntags-Zeitung“.

Domenico Scala: "WM-Vergaben für 2018 und 2022 könnten nichtig sein"

Die Hoffnung darauf, dass eine Person, die von außerhalb des Fußballs kommt, den Posten des Fifa-Präsidenten übernehmen könne, zerschlug Scala. Dieses Szenario schloss er kategorisch aus – und verwies dabei auf die Statuten der Fifa. „Ein Kandidat für das Amt des Präsidenten muss eine aktive Rolle als Spieler oder Funktionär in der Fifa oder einem anderen Fußballverband gespielt haben“, betonte Scala. Allerdings nährte er auch die Hoffnungen all jener, die einer WM 2018 in Russland und 2022 in Katar kritisch gegenüberstehen. „Sollten Beweise dafür vorliegen, dass die Vergabe nach Katar und Russland nur dank gekaufter Stimmen zustande kam, dann könnte die Vergabe nichtig sein“, sagte Scala. Dieser Beweis sei bisher aber eben nicht erbracht worden.

Stattdessen werden immer mehr Details über seltsame Vorgänge bei der Fifa bekannt. Auch Blatters Name taucht dabei erstmals auf. So soll Generalsekretär Jérôme Valcke 2007 per E-Mail bei der Regierung Südafrikas angefragt haben, wann mit der Zahlung von zehn Millionen US-Dollar an den Verband für Nord- und Mittelamerika zu rechnen sei. Die südafrikanische Zeitung „Sunday Times“ behauptet, dass Valcke schriftlich darauf verwiesen habe, Blatter und Südafrikas damaliger Staatschef Thabo Mbeki hätten zuvor über die Schmiergeldzahlung gesprochen. Möglich, dass Scala bald doch von Ermittlungen hören wird.

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